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REGION: Den Grafen von Toggenburg fehlt der Schnee

Mit einigen hundert Jahren Verspätung entsteht eine neue «Toggenburg». Nicht aus Stein und Holz wie in der Hochblüte der gleichnamigen Grafen, sondern aus Schnee. Und nicht in Wil oder Gähwil, sondern in Wildhaus.
Das Werk nimmt Formen an: 2000 Kubikmeter Schnee für eine «Toggenburg» auf Zeit. (Bild: Sabine Schmid)

Das Werk nimmt Formen an: 2000 Kubikmeter Schnee für eine «Toggenburg» auf Zeit. (Bild: Sabine Schmid)

Das Flachland unter einer Höhenlage von 500 Metern über Meer war im Januar schneelos. «Das kommt nur etwa alle zehn Jahre einmal vor», sagt Christoph Frauenfelder, Inhaber der Meteotop-Wetterstation Fürstenland in Niederuzwil. Da verwundert es wenig, dass der Berner Simon Morgenthaler seine «Toggenburg» nicht bei der einstigen Stammburg der Grafen von Toggenburg nahe der heutigen Wallfahrtskirche St. Iddaburg oberhalb Gähwils erbaut. Und auch nicht beim Hof zu Wil, dessen Ursprung ebenfalls auf die Toggenburger zurück geht. Sondern im Oberdorf zu Wildhaus – und das bereits zum vierten Mal. Allerdings ohne dauerhaften Erfolg: Die in die «Toggenburg» verbauten 2000 Kubikmeter Schnee fliessen in wenigen Wochen die Thur hinunter. Eine Fehlplanung? Auftraggeber sind eben die modernen Bergbahnen Wildhaus und nicht die traditionsbewussten Herren und späteren Grafen von Toggenburg. Ein Blick in die Geschichte zeigt, wie es geht.

Aus der Geschichtsschreibung ist bekannt, dass es vom 13. Jahrhundert an eine eigentliche Welle von Stadtgründungen im schweizerischen Mittelland gegeben hat. Ähnlich wie die heutigen Sand- und Schneeburgen in Tourismusdestinationen, einfach in Echt. Dazu zählt auch die Stadt Wil, die sich aber an einen Herrschaftssitz anlehnte. «Ausgangspunkt der Stadtanlage war ein befestigter Wohnsitz der Herren und späteren Grafen von Toggenburg an der Stelle des heutigen Hofes», schreibt der ehemalige Wiler Tonhalle-Geschäftsführer Benno Ruckstuhl in der Schrift «Die Altstadt von Wil». Die Gründung der Stadt Wil erfolgte demnach spätestens um 1200 an strategisch wichtiger Stelle auf einem markanten Geländesporn. Als Gründer kommt Graf Diethelm I. von Toggenburg in Frage.

Die Toggenburger waren Vasallen der Herzöge von Zähringen, die Reichslehen besassen und neben andern Mächtigen auch in der Ostschweiz Fuss fassten. Unter ihrem Schutz bauten die Toggenburger ihren Einflussbereich im unteren Toggenburg, im oberen Thurgau und im Zürcher Oberland aus.

Die Toggenburger offerierten den Ansiedlern Grund und Boden gegen geringen Arealzins. Sie verbanden mit dieser Einladung das verlockende Angebot des Schutzes unter Garantie der Freiheiten. So suchten freie Leute der alemannischen Villa Wil ihr Heil in einer neuen Ansiedlung, die mit Mauern und Gräben befestigt wurde. Sie behielten dabei ihr Grundeigentum an den bisherigen Wohnstätten und entrichteten ihrem neuen Schirmherrn für die gebotenen Vorteile eine jährliche Steuer. Die Ansiedlung in der Stadt bedeutete nicht den Verlust der Freiheit und auch nicht die Unterstellung unter die Gerichtsbarkeit des Grundherrn. Aus der Dorfgemeinschaft wurde eine Stadtgemeinde, 1272 ausdrücklich civitas genannt. Über die Gründung gibt es aber keine Urkunden. Es übersiedelten auch Personen unfreien Standes in die Stadt Wil, wo sie ihr Glück versuchten nach der Devise «Stadtluft macht frei». (hs)

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