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REGION: Das Kupfer zog sie magisch an

Fünfmal erhält eine Firma aus dem Alttoggenburg im Frühsommer 2015 ungebetenen Besuch von zwei Dieben. Beim letzten Mal werden sie von der Polizei auf frischer Tat ertappt.
Martin Knoepfel
Seit das rote Metall teurer geworden ist, gibt es mehr Kupfer-Diebstähle. Diese Kupferrollen wurden nach einem Raubüberfall auf ein SBB-Unterwerk in Gossau fotografiert. (Bild: Trix Niederau (9. August 2006))

Seit das rote Metall teurer geworden ist, gibt es mehr Kupfer-Diebstähle. Diese Kupferrollen wurden nach einem Raubüberfall auf ein SBB-Unterwerk in Gossau fotografiert. (Bild: Trix Niederau (9. August 2006))

Martin Knoepfel

martin.knoepfel

@toggenburgmedien.ch

Eine solche Serie kommt nicht alle Jahre vor. Am 1. Juni 2015 erwischt die Polizei in Kirchberg zwei Diebe in flagranti. Sie haben in einer Firma zwei Tonnen Kupfer gestohlen und zum Abtransport bereitgestellt. Die beiden suchen die Firma innert dreier Wochen fünfmal heim, wobei sie zweimal ohne Beute bleiben. Nun mussten sich die zwei Schweizer aus der Region Wil wegen bandenmässigen Diebstahls und mehrfachen Hausfriedensbruchs sowie wegen weiterer Punkte vor dem Kreisgericht Toggenburg in Lichtensteig verantworten.

Der erste Angeklagte, T.*, fuhr den Kleinlaster, der für den Abtransport des Kupfers benutzt wurde, und verkaufte das Metall weiter, für fünf Franken pro Kilo. Sein Komplize, E.*, arbeitete früher bei der bestohlenen Firma und liess beim Weggang ein elektronisches Gerät, das das Tor zum Firmengelände öffnet, mitlaufen. Dies stufte das Gericht als besonders verwerflich ein. Die Angeklagten anerkannten die Darstellung des Staatsanwalts.

Staatsanwalt nennt Vorgehen skrupellos

Beide Männer sind selbstständig erwerbend. In der Befragung hatte T. viele Erinnerungslücken. Er ist 1993 geboren und laut eigener Aussage Analphabet. Er ist verheiratet und Vater zweier kleiner Kinder. Die Familie hat Sozialhilfe. E. ist ein Jahr älter als sein Komplize. Er baute mit Darlehen des Vaters und einer Bank sowie mit dem PK-Guthaben eine Firma im Fitness-Sektor auf. Sein Mandant arbeite sieben Tage die Woche und mache keine Ferien, sagte der Verteidiger. Die Firma wachse nach harzigem Beginn. Sein Mandant stehe jetzt finanziell auf eigenen Beinen. Eine unbedingte Gefängnisstrafe bedeute die Schliessung der Firma und den finanziellen Ruin seines Mandanten, sagte der Verteidiger von E.. Dieser beteuerte, seit der Gründung der Firma habe er sein Leben total geändert. Die Diebstähle erklärte er mit finanziellen Problemen in der Startphase der Firma. Bei seinem unmittelbaren Vorgesetzten in der bestohlenen Firma habe er sich entschuldigt.

Die Täter seien skrupellos gewesen, betonte der Staatsanwalt. Laut Bundesgericht sei das bandenmässige Vorgehen gegeben, wenn zwei Täter sich absprächen. Der Verteidiger von T. versuchte, die Delikte als Fall von «Gelegenheit macht Diebe» darzustellen. Das Tor habe offen gestanden. Man habe das Tor vorher geöffnet, entgegnete der Staatsanwalt. Er beantragte Gefängnisstrafen von je 16 Monaten. Bei T. sei eine bedingte Strafe möglich. Dazu solle dieser eine Geldstrafe von 60 mal 30 Franken und 1300 Franken Busse zahlen, teils als Zusatz zur Strafe von Uster. E. solle die Gefängnisstrafe absitzen und 1800 Franken Geldstrafe bezahlen, sagte der Staatsanwalt. Ferner seien in beiden Fällen bedingte Geldstrafen aus früheren Verfahren zu vollziehen.

Der Verteidiger von T. nannte den Strafantrag zu hoch. Hier gehe es um eine Zusatzstrafe zur Strafe von Uster. Sein Mandant dürfe laut Strafgesetz nicht härter bestraft werden, als wenn die Delikte gleichzeitig begangen wurden, sagte der Verteidiger von T.. Der Verteidiger von E. verneinte den bandenmässigen Diebstahl, da die Hierarchie zwischen den beiden Tätern fehlte.

Gericht wertet Vorgehen als bandenmässig

Das Gericht verhängte in beiden Fällen bedingte Freiheitsstrafen mit vier Jahren Probezeit. T. erhielt sieben Monate Gefängnis und 40 mal 30 Franken Geldstrafe, teils als Zusatz zur Strafe von Uster. Bezahlen muss er die für vollziehbar erklärte bedingte Geldstrafe von 700 Franken aus dem Thurgau sowie 800 Franken Busse. Der Verteidiger von T. zeigte sich mit dem Urteil sehr zufrieden. E. erhält neun Monate Gefängnis und 100 mal 30 Franken Geldstrafe. 2013 und 2015 verhängte bedingte Geldstrafen von total 8100 Franken werden vollzogen. Ob E. in die Berufung geht, ist noch offen.

Das Gericht ging von bandenmässigen Diebstählen aus, da beide Männer mit speziellen Fähigkeiten zu den Diebstählen beitrugen. Sehr bemerkenswert nannte der Gerichtspräsident den Umstand, dass T. delinquierte, als die Vorladung nach Uster ihm schon zugestellt war. Bei E. fiel die Einsatzstrafe wegen der Verwendung des elektronischen Geräts, das E. von der bestohlenen Firma im Vertrauen erhalten hatte, höher aus als bei T..

Hinweis

*Die Namen der Angeklagten sind der Redaktion bekannt.

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