REGION: Analog war gestern

Bis Ende Jahr stellen Swisscom und Sunrise alle analogen Leitungen ab. Fortan wird nur noch digital telefoniert. Stefan Huber von den Technischen Betrieben Wil erklärt, was die Anpassung mit sich bringt.

Jonas Manser
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Das Telefon bleibt, die Technologie dahinter wird digital. (Bild: PD)

Das Telefon bleibt, die Technologie dahinter wird digital. (Bild: PD)

Jonas Manser

jonas.manser

@wilerzeitung.ch

Bald ist endgültig Schluss mit Analog. Bis Ende Jahr schalten Anbieter wie Swisscom und Sunrise schrittweise die analoge Technologie und ISDN ab. An ihrer Stelle wird in jedem Haushalt «VoIP» (siehe Kasten) eingerichtet. Dabei wird sich für die Nutzer nur wenig ändern: Die Telefonbuchse wird «tot» sein, das Festnetztelefon bleibt. Internet hat mittlerweile genug Leistung, um Bild wie auch Ton in hoher Qualität problemlos zu übertragen. Es gibt deshalb keinen Grund mehr, Daten-, TV- und Telefonsignale in zwei verschiedenen Leitungen in ein Haus zu führen. Es wird im Bau und Unterhalt gespart. «Dies bedeutet, dass künftig Anbieter alle Angebote nur über eine Technologie-Schiene, also dem Internet, ins Haus liefern», sagt Stefan Huber, Leiter Kommunikationsnetz Technische Betriebe Wil (TBW).

Nur noch die letzten fünf Prozent

Bereits 95 Prozent aller Telefone sind umgestellt. Mit der definitiven Abschaltung der analogen Telefonie Ende Jahr werden auch noch die letzten fünf Prozent angepasst. Die Umstellungen müsse jeder Anbieter vornehmen und den Kunden die Gelegenheit bieten, sich über die möglichen Optionen Gedanken zu machen. «Einige sehen die Anpassung jedoch als Risiko», sagt Huber. Aus diesem Grund betreibt die TBW intensiv Werbung. Bisher sei der Anlauf gut gewesen, die Kunden der TBW bevorzugten, die Telefonie gleich auch im Kombi- Angebot zu bestellen. Bei der Umstellung seien die Kündigungsfristen sowie Mindestvertragsdauer zu beachten. Das Telefon sollte dabei nicht selber gekündigt werden, sonst ginge die alte Nummer verloren, rät Huber. Um die eigene Nummer zu behalten, sollte die Abmeldung den Anbietern überlassen werden, welche dann die alte Nummer portiert. IP-Telefonie an sich ist keine neue Technologie: Die TBW sind seit zehn Jahren digital unterwegs. Auch im TV-Bereich wurde der Prozess der Umstellung von analog auf digital bereits vor über 15 Jahren gestartet. «Die Herausforderung besteht für die Kunden in der Anpassung, nicht in der Technologie per se», sagt Huber.

Eine Anpassung, die sich lohnt

Das Telefon bleibt das Telefon, die Gerätschaften bleiben die Gleichen, versichert Huber. Der einzige Unterschied: Das Telefon wird nicht mehr an die Dose, sondern ans Modem gehängt. Sogar alte Telefongeräte könnten mit Adaptern immer noch verwendet werden. Es empfehle sich jedoch eine Neuanschaffung, damit auch alles einwandfrei funktionieren könne. Infolge der Digitalisierung profitieren die Kunden von neuen Funktionen, die alle per Internet oder mit der App auf dem Smartphone zentral gesteuert werden können. So kann man mit der IP-Telefonie, solange man mit dem Internet verbunden ist, aus der ganzen Welt im Schweizer Festnetz telefonieren. Eine weitere Funktion ist die automatische Weiterleitung von Fax-Nachrichten an die eigene E-mail-Adresse.

Chancen für lokale Anbieter

«Wir trumpfen mit Kundennähe auf. Falls ein Problem entsteht, sind wir schnell vor Ort», beschreibt Huber die Vorteile von regionalen Unternehmen wie die TBW. Die Produkte unterscheiden sich nur minim von den grossen Anbietern. Die TBW versuchen dabei stets attraktive Preise anzubieten. Ein weiterer Grund, sich für ortsansässige Anbieter zu entscheiden, sei die lokale Wertschöpfungskette. Wähle man die TBW, führe dies zu einer besseren Infrastruktur in der Region, interessante Arbeitsplätze entstehen.

Trotzdem verschmäht Huber den Wettbewerb zwischen den Anbietern nicht: «Der Infrastruktur-Wettbewerb trägt dazu bei, dass keine Monopole entstehen. Die Kunden profitieren von tieferen Preisen, besseren Angeboten und mehr Auswahlmöglichkeiten.»