Zur Notfallstation degradiert: Regierung stellt sich gegen einen Verkauf des Spitals Flawil - Wil profitiert

Die Regierung will die Spitäler Flawil und Wattwil schliessen und als Notfallzentren betreiben. Wil profitiert davon.

Andrea Häusler und Tobias Söldi
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Doch kein Verkauf des Spitals Flawil an Private: Stattdessen sieht die Spitalstrategie der Regierung ein «Gesundheits- und Notfallzentrum» vor.Bild: Ralph Ribi

Doch kein Verkauf des Spitals Flawil an Private: Stattdessen sieht die Spitalstrategie der Regierung ein «Gesundheits- und Notfallzentrum» vor.Bild: Ralph Ribi

Gestern hat die Regierung ihre Strategie zur Weiterentwicklung der St.Galler Spitalverbunde vorgestellt. Deren Auswirkung auf die regionalen Spitalstandorte Flawil, Wil und Wattwil ist unterschiedlich. Während an den Standorten Flawil und Wattwil mit sogenannten «Gesundheits- und Notfallzentren die wohnortnahe Versorgung sichergestellt werden soll, sieht die Spitalplanung für Wil eine Konzentration und damit einen Ausbau des stationären Angebots vor. So soll der Standort Wil um etwa 20 Betten vergrössert werden.

Für Wil ist das eine positive Nachricht. Stadtpräsidentin Susanne Hartmann teilt auf Anfrage mit:

«Wir sind auf jeden Fall sehr erfreut, dass die Bedeutung des Standorts Wil bestätigt wurde.»
Susanne Hartmann, Stadtpräsidentin von Wil

Susanne Hartmann, Stadtpräsidentin von Wil

Dennoch wägt sie ab: «Wir konnten die Strategie noch nicht im Detail studieren. Ihre Bedeutung kann deshalb nicht abschliessend beurteilt werden.» Man werde sie aber intern analysieren und mit den Beteiligten im Gespräch bleiben.

Die nächste Hürde steht bereits bevor

Neben Wil werden noch die Spitäler Grabs und Uznach sowie das Kantonsspital St.Gallen die stationäre Grundversorgung in der Ostschweiz gewährleisten. Gemäss der Regierung ermöglicht diese Konzentration den Spitalunternehmen einerseits, die benötigten Fallzahlen auch in Zukunft zu erreichen, was die medizinische Qualität langfristig sichert. Andererseits würden die Spitalverbunde mit dieser Struktur an Kosten einsparen, was die wirtschaftliche Basis langfristig sichert.

Ausruhen kann sich das Spital Wil trotz des positiven Signals der Spitalstrategie nicht. Die nächste Hürde steht bereits an: Um das Jahr 2025 herum muss der Bau aus den 1970er-Jahren totalsaniert oder durch einen Neubau ersetzt werden. Die Kosten belaufen sich dabei auf etwa 150 Millionen Franken. Hartmann:

«Die Diskussionen werden intensiv bleiben. Wir werden uns weiterhin für das Spital Wil einsetzen.»

Der Verkauf an Private ist faktisch vom Tisch

In Flawil wurde der Strategieentscheid aus St.Gallen hingegen zwiespältig aufgenommen. Zwar ist das Thema definitive Schliessung vom Tisch, aber die Regierung degradiert das Spital zur Notfallstation und erteilt dem Verkauf oder einem Betrieb durch private Investoren eine Absage. Vor kurzem erst war bekanntgeworden, dass sich die zweitgrösste Schweizer Privatklinikgruppe Swiss Medical Network für das Regionalspital interessiert, nachdem die Berit-Klinik mit ihrem Konzept beim Lenkungsausschuss durchgefallen war. «Die Regierung hat sich zu Beginn bereit erklärt, einen Verkauf oder einen Weiterbetrieb mit privater Beteiligung zu prüfen, sich aber schliesslich aufgrund der Gesamtsicht dagegen entschieden», hiess es gestern seitens der Regierung.

Sie begründet ihren Entscheid damit, dass ein Verkauf des Spitals Flawil neue Patientenströme auslöste, was wiederum negative Konsequenzen für die anderen Spitalstandorte hätte. «Die Kapazitäten in der stationären Versorgung wären nicht nachhaltig bereinigt, sondern lediglich von einer öffentlichen in eine private Struktur verschoben worden. Das beeinflusste das gesamte Versorgungssystem negativ», heisst es in der Medienmitteilung.

Zurückhaltend war gestern die Reaktion aus Flawil. Gemeindepräsident Elmar Metzer verwies auf die für den Nachmittag angesetzte Information der involvierten Standortgemeinden durch die Regierung.

«Als erste Reaktion aber sehen wir es als positiv an, dass der Spitalstandort Flawil bestehen bleiben soll – in welcher Form auch immer.»
Elmar Metzger, Gemeindepräsident von Flawil

Elmar Metzger, Gemeindepräsident von Flawil

Was die Reduktion auf ein «Gesundheits- und Notfallzentrum» personell, organisatorisch und infrastrukturell bedeutet, sei noch nicht bekannt. Der Gemeinderat wolle dies in den nächsten Tagen in Erfahrung bringen. Fest steht für ihn aber eines: «Wir werden weiterhin für unser Spital kämpfen.»

Bedauern über den Entscheid

Konkreter äussert sich die Behörde dann in ihrem Pressecommuniqué. Darin drückt sie ihr Bedauern darüber aus, dass vorerst auf eine Zusammenarbeit mit privaten Anbietern verzichtet werde. Umso mehr, als das Konzept der Swiss Medical Network den Gemeinderat überzeugt habe. «Es beinhaltete innovative Entwicklungsansätze und hätte für eine attraktive regionale Spitalversorgung in Zusammenarbeit mit dem Pflegeheim gesorgt.» Explizit betont wird ausserdem, dass das Strategiepapier der Regierung eine erste Information zur Vernehmlassung für die spätere Botschaft an den Kantonsrat sei. Ob sich die Spitallandschaft so entwickelt, sei unklar. Tut sie es dennoch, ist das Spital Flawil in der heutigen Form bereits im Jahr 2022 Geschichte.

Das gleiche Schicksal wie Flawil ereilt auch das Spital Wattwil, das zusammen mit Wil die Spitalregion Fürstenland-Toggenburg bildet: Auch dieses wird zu einem regionalen Gesundheits- und Notfallzentrum. Im Toggenburg stiess der Entscheid auf deutliche Kritik von Seiten des Fördervereins Regionalspital Toggenburg. Er befürchtet, dass im Toggenburg nun eine Unterversorgung entstehe.