RECHNUNG: Um sieben Millionen besser

Die Stadt Wil schliesst das Jahr 2016 beinahe mit einem Rekordergebnis ab. Der Gewinn beträgt 7,3 Millionen Franken. Die Realisierungsquote bei den Investitionen ist nach wie vor tief. Die Stadtpräsidentin macht dem Baudepartement eine klare Ansage.

Philipp Haag
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Stadtpräsidentin Susanne Hartmann erklärt den guten Jahresabschluss der Stadt Wil. (Bild: Philipp Haag)

Stadtpräsidentin Susanne Hartmann erklärt den guten Jahresabschluss der Stadt Wil. (Bild: Philipp Haag)

«Ein Traumergebnis.» Die Wiler Stadtpräsidentin Susanne Hartmann griff gestern Morgen zu einem Superlativ. Die Stadt Wil schliesst das Rechnungsjahr 2016 mit einem Gewinn von 7,3 Millionen Franken ab. Dies entspricht einer Besserstellung gegenüber dem Budget um sieben Millionen Franken, rechnete der Stadtrat doch im Voranschlag mit einem Einnahmenüberschuss von 300'000 Franken. Einen beachtlichen Anteil ans gute Ergebnis tragen die Technischen Betriebe Wil bei, welche 6,8 Millionen Franken an die Stadtkasse abliefern (siehe unten).

Mehrere Gründe sind für den ausserordentlichen Überschuss verantwortlich, wie Susanne Hartmann an einer Medienorientierung ausführte: Zum einen belaufen sich die Mehreinnahmen bei den Steuern auf 2,2 Millionen Franken, zum andern ist die Abgabe der TBW um fast zwei Millionen Franken höher ausgefallen als erwartet und beim Personal- sowie Sachaufwand betragen die Minderausgaben gegenüber dem Voranschlag 2,3 Millionen Franken. Im 16-Jahres-Vergleich (ab dem Jahr 2000) fiel das Ergebnis lediglich im Jahr 2007 höher aus mit 9,3 Millionen Franken. «Damals herrschte ein besseres wirtschaftliches Umfeld», sagte Susanne Hartmann.

Steuerertrag bei 64 Millionen Franken
Bei den Steuern sind es vor allem die Nachzahlungen, die höher ausfallen als erwartet: Statt 5,4 Millionen Franken sind es 6,2 Millionen Franken. Auch die Gewinn- und Kapitalsteuern der juristischen Personen liegen um 400'000 Franken über Budget. Die Steuern der natürlichen Personen entsprechen bei einem Steuerfuss von 129 Prozent mit 64 Millionen Franken dem Voranschlag. Der Personalaufwand unterschreitet mit 53,5 Millionen Franken das Budget um eine halbe Million Franken, was hauptsächlich auf eine Abnahme der Löhne beim Personal aufgrund von Optimierungsmassnahmen zurückzuführen ist. Der Leiter der Finanzverwaltung, Reto Stuppan, wies darauf hin, dass der Personalaufwand im Vergleich zum Zustand von vor der Vereinigung von Wil mit Bronschhofen um zwei Millionen Franken gesunken sei, was vor allem in der Auslagerung von Mitarbeitenden an die Thurvita (Altersheim Rosengarten) und die Wispag (Bergholz) begründet sei. «Ein Synergieerfolg aus der Vereinigung», sagte Stuppan. Die Sachaufwendungen sind im Vergleich zum Jahr 2012 gleich geblieben, «obwohl der Aufwand der Stadt gestiegen ist», wie Stuppan anfügte. Im vergangenen Jahr lagen diese um 1,85 Millionen Franken unter dem Voranschlag.

Einsprachen gelten nicht mehr als alleinige Ausrede
Zum ersten Mal seit der Gemeindevereinigung resultierte aus der betrieblichen Tätigkeit der Stadt ein Gewinn (188'000 Franken). Ein Sorgenkind bleibt der Stadt trotzdem: die Investitionen. Im vergangenen Jahr lag der Realisierungsgrad bei 49 Prozent. Bei budgetierten zwölf Millionen Franken wurden im Jahr 2016 Projekte für knapp sechs Millionen Franken umgesetzt. Zu wenig, wie Susanne Hartmann findet. Das Baudepartement müsse über die Bücher, sagte sie, «die tiefe Realisierungsquote kann nicht mehr nur mit Einsprachen begründet werden».

Der Stadtrat plant keine zusätzlichen Abschreibungen. Der Gewinn von 7,3 Millionen soll vollumfänglich dem Eigenkapital zugewiesen werden, womit sich dieses auf 29,5 Millionen Franken erhöhen würde. Die Verschuldung sank per Ende 2016 um zwölf Millionen Franken auf 57,4 Millionen. Die Nettoschuld pro Einwohner beträgt nun 2457 Franken, was im Ranking des Kantons einer mittleren Verschuldung entspricht.

6,8 Millionen Franken Abgabe an die Stadt

«Wir konnten beim positiven Trend der Stadt mithalten.» Dieser führte zum bisher erfolgreichsten Geschäftsjahr der Technischen Betriebe Wil (TBW), wie der für die TBW zuständige Stadtrat Daniel Meili gestern an einer Pressekonferenz sagte. Die TBW schliessen das Geschäftsjahr 2016 mit einem Rechnungsüberschuss von 6,45 Millionen Franken. Erwartetet worden war einer von 2,5 Millionen Franken. Die Besserstellung beträgt 3,95 Millionen Franken. Bereits abgezogen ist die Abgabe an die Stadt, welche 6,8 Millionen Franken beträgt.

Zum positiven Rechnungsabschluss tragen alle Divisionen der TBW bei. Mit über 50 Prozent, respektive 3,4 Millionen Franken, steuert die Erdgasversorgung den höchsten Anteil bei. Zurückzuführen ist dieser auf einen tiefen Einkaufspreis und einen hohen Absatz, da im Winter tiefe Temperaturen herrschten, wie Meili erläuterte. Die TBW gaben den tieferen Beschaffungstarif zum Teil an die Kunden weiter, indem sie im vergangenen Jahr zweimal den Gaspreis senkten. Ebenfalls zum guten Ergebnis hat gemäss dem Stadtrat eine hohe Ausgabendisziplin beigetragen sowie tiefe Unterhaltskosten am Netz.

Der Umsatz belief sich im vergangenen Jahr auf 70 Millionen Franken, was rund einer Million pro Mitarbeitendem entspricht, wie Goar Schweizer, Kaufmännischer Leiter der TBW, sagte. Der Gewinn von 6,5 Millionen Franken soll für zusätzliche Abschreibungen von 3,5 Millionen Franken verwendet werden sowie Rückstellungen von drei Millionen Franken für die Fernwärme. Für das Projekt sind um die 30 Millionen Franken veranschlagt. (ph)