Rechnung
Defizit um 1,5 Millionen Franken tiefer als veranschlagt: Stadt Wil präsentiert trotz Pandemie ein solides Ergebnis

Die Erfolgsrechnung 2020 der Stadt Wil schliesst besser ab als erwartet. Budgetiert war ein Defizit von 2,5 Millionen Franken, tatsächlich beträgt das Minus nun eine Million Franken. Dank einer zusätzlichen Abgabe der Technischen Betriebe Wil ist das Haushaltsergebnis ausgeglichen. Die Auswirkungen der Pandemie sind nur marginal spürbar. Ob sich das ändert, ist aber schwierig abzuschätzen.

Gianni Amstutz
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Die Rechnung 2020 schliesst dank einer zusätzlichen Million aus der Kasse der Technischen Betriebe ausgeglichen ab.

Die Rechnung 2020 schliesst dank einer zusätzlichen Million aus der Kasse der Technischen Betriebe ausgeglichen ab.

Bild: Simon Dudle

Viel schlauer ist man nach Bekanntgabe des Rechnungsergebnisses der Stadt Wil noch nicht, wie und ob sich die Coronapandemie auf den Finanzhaushalt niederschlagen wird. Zumindest in der Rechnung 2020 – wie das bei vielen anderen Gemeinden der Fall war – halten sich die Auswirkungen bisher in Grenzen.

So kann die Stadt eine schwarze Null präsentieren. Budgetiert war ein Defizit von 2,5 Millionen Franken. Das operative Ergebnis schliesst rund 1,5 Millionen besser ab. Mit einer zusätzlichen Abgabe von einer Million Franken des Gewinns der Technischen Betriebe gelingt es schliesslich, ein ausgeglichenes Ergebnis zu vermelden.

Steuereinnahmen stagnieren

Die Steuereinnahmen natürlicher Personen waren 2020 leicht tiefer als im Budget erwartet (-0,4 Millionen Franken). Auch bei den Steuern juristischer Personen schliesst die Stadt schlechter ab als budgetiert. Das Budget wurde um rund 1,9 Millionen Franken unterschritten. Gegenüber dem Vorjahr fallen die Einnahmen damit um 0,8 Millionen Franken tiefer aus. Dank unerwartet hoher Nachzahlungen aus den Vorjahren (+1,7 Millionen Franken) nahm die Stadt trotzdem geringfügig mehr Steuern ein als 2019 (+0,3 Millionen Franken).

Dass die Rechnung der Stadt trotz stagnierender Steuererträge besser abschneidet als erwartet, hat vor allem damit zu tun, dass auf der Ausgabenseite gespart werden konnte. Zur Besserstellung gegenüber dem Budget trugen der Sachaufwand (-1,5 Millionen Franken), aber vor allem auch der Sozialbereich und das Asylwesen (-3 Millionen Franken) wesentlich bei.

Investitionen nach wie vor auf tiefem Niveau

Besonders Letzteres kommt überraschend, war in den vergangenen Jahren doch jeweils eine Zunahme feststellbar. Der Grund dafür sind Beiträge des Bundes, welche nicht voraussehbar waren, und deutlich tiefere Unterstützungsleistungen. Ob sich dies auch in den nächsten Jahren so entwickeln werde, sei jedoch schwierig abzusehen, sagte Stefan Schüle, Leiter Finanzen der Stadt Wil.

Wie in den Vorjahren wurde wieder deutlich weniger investiert als geplant. Die Nettoinvestitionen betragen 5,5 Millionen Franken, im Budget ging der Stadtrat von 11,6 Millionen Franken aus. Da die getätigten Investitionen tiefer ausfallen als die Abschreibungen, sank die Verschuldung auf tiefe 1241 Franken pro Einwohner.

Auswirkungen auf Diskussion um Steuerfuss noch unklar

Stadtpräsident Hans Mäder.

Stadtpräsident Hans Mäder.

Bild: Andrea Stalder

Stadtpräsident Hans Mäder nahm das Ergebnis erfreut zur Kenntnis. Mit einer Abweichung von einem Prozent gegenüber dem Budget könne man von einer Punktlandung sprechen. Zur Frage, inwiefern das positive Ergebnis die vom ehemaligen Stadtrat angekündigte Erhöhung des Steuerfusses beeinflusst, wollte er sich noch nicht abschliessend äussern. Er konstatierte aber:

«Der Einbruch bei den Steuereinnahmen ist nicht so stark wie erwartet.»

Die künftige Entwicklung sei hier aber nur sehr schwierig abzuschätzen. Positiv sei, dass die Stadt seit 2013 rund 60 Millionen Franken Nettoschulden abgebaut habe. «Das gibt uns ein gutes Polster für zukünftige Investitionen.» Die Frage des Steuerfusses sei denn auch vor allem von den Investitionsvorhaben der Stadt abhängig. Wie stark sich die Pandemie 2020 ausgewirkt habe und sich auch in künftigen Rechnungsabschlüssen zeigen werde, darüber sei sich der Stadtrat noch nicht sicher.

Technische Betriebe Wil: Trotz Umsatzrückgang ein positives Ergebnis

Mit dem Umsatz von rund 73 Millionen Franken und dem Unternehmenserfolg von 1,6 Millionen Franken nach Abgaben entspricht die Ertragssituation bei den Technischen Betrieben Wil (TBW) demselben Niveau wie im Vorjahr. Das Gesamtergebnis liegt jedoch knapp eine Million Franken unter den Erwartungen. Zurückzuführen ist dies in erster Linie auf den Bereich Telekommunikation, dessen Marktumfeld herausfordernd ist. Der Stromverkauf zeigt sich bei den Gewerbe- und Industriekunden leicht rückläufig und der Gasabsatz fiel temperaturbedingt tiefer aus. Erfreulich entwickelte sich dagegen der Biogasanteil mit dem TBW-Standardmix von 20 Prozent. Trotz starker Konkurrenz und einer volatilen Marktsituation stiegen die Kundenzahlen in den Bereichen Internet, TV und Telefonie. Der Rechnungsüberschuss von 1,6 Millionen Franken soll für zusätzliche Vorfinanzierungen für die Solaroffensive, zusätzliche Abgaben an die Stadt sowie die Bildung von allgemeinen Ausgleichsreserven verwendet werden. (gk)