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Interview

Recherchieren statt Gamen: Wie die Schule Uzwil versucht, Smartphones und Co. sinnvoll in den Unterricht zu integrieren

Dafür hat die Schule Uzwil eine neue Stelle geschaffen, den Leiter Medien und Informatik. Er sieht in den digitalen Medien nicht nur Gefahren.
Tobias Söldi
Digitale Medien erweitern die Möglichkeiten, wie Schülerinnen und Schüler sich neues Wissen aneignen können. (Bild: Keystone)

Digitale Medien erweitern die Möglichkeiten, wie Schülerinnen und Schüler sich neues Wissen aneignen können. (Bild: Keystone)

Smartphone, Tablet und Laptop: Digitale Medien sind aus dem Schulalltag nicht mehr wegzudenken. Mit den neuen Medien sind aber nicht nur die Möglichkeiten, sondern auch die Anforderungen gewachsen. Um das Lehrpersonal zu unterstützen, hat die Schule Uzwil eine neue Stelle geschaffen. Primarlehrer Manuel Zürcher fungiert seit kurzem als Leiter Medien und Informatik. Seine Aufgaben: der technische Support sowie die pädagogische Unterstützung und Begleitung der Lehrpersonen in Sachen Medien und Informatik.

Manuel Zürcher, Leiter Medien und Informatik

Manuel Zürcher, Leiter Medien und Informatik

Wie gehen Sie persönlich mit den neuen Medien um?

Manuel Zürcher: Ich bin seit Jahrzehnten sehr PC-affin und eigentlich täglich auf verschiedenen Medien unterwegs. Mit der Stelle als Leiter Medien und Informatik kann ich mein privates Interesse und meine Berufserfahrung als Primarlehrer miteinander verbinden.

Welche Chancen sehen Sie im Umgang mit den neuen Medien?

Die obligatorische Schulzeit hat die Aufgabe, die Schüler auf die Zeit danach vorzubereiten. Und die Möglichkeiten der Schülerinnen und Schüler, sich Kompetenzen anzueignen, sind mit den neuen Medien stark angewachsen. Wenn jemand etwas nicht verstanden hat, kann er sich das Wissen auch auf Youtube oder einer Website wie Sofatutor aneignen.

Wie hat das den Unterricht verändert?

Gar nicht so stark, wie man meinen könnte. Klar, der Unterricht wird digitaler, es werden Online-Tools genutzt, es gibt neue Wege, um an Informationen zu gelangen, wir nutzen Smartboards. Aber die Fächer als solche und deren Inhalte haben sich wenig verändert.

Umso mehr aber die Rolle der Lehrperson.

Ja. Das Wissen der Lehrperson ist nicht mehr die einzige Quelle. Schüler können Informationen selbst verifizieren, und zwar sehr schnell. Das ist neu. Und es bedeutet auch, dass der Lehrer nicht auf seinem Wissen sitzenbleiben darf.

Wie gut kommen die Lehrpersonen mit den neuen Medien klar?

Es gibt wie überall affine und weniger affine Leute.

Ein Problem ist aber, dass vielen Lehrpersonen zu wenig Zeit bleibt, sich in diesem Bereich weiterzubilden. Sie haben keine Kapazitäten, ein neues Tool oder neue Konzepte auszuprobieren.

Als Leiter Medien und Informatik gebe ich auch Unterrichtsvorschläge und Inputs.

Und wie sieht es bei der jungen Generation aus?

Auch da gibt es beides. Was aber auffällt: Im Gebrauch ihrer Apps sind viele junge Leute sehr versiert, das oberflächliche Wissen ist gross. Sobald es aber einen Schritt tiefer geht, wird es schnell schwierig. Das hat auch mit der Vereinfachung der Benutzeroberfläche zu tun: Es gibt junge Leute, die nicht wissen, was eine Adressleiste ist, weil sie nur über Google auf eine Website gelangen.

Warum müssen in der Schule überhaupt digitale Kompetenzen vermittelt werden?

Die Lernenden nutzen die neuen Medien, ob wir das wollen oder nicht. Die Gefahr geht dabei vom unbegleiteten Umgang mit den neuen Medien aus.

Umso wichtiger ist es, dass die Schüler den richtigen Umgang früh lernen, dass sie lernen, diese Tools sinnvoll einzusetzen.

Was ist der richtige Umgang?

Die Schülerinnen und Schüler sollen ihre Geräte nicht nur zum Chatten oder Gamen gebrauchen, sondern als sinnvolles Arbeitsgerät. Wie findet man online gute Informationen? Wie lassen sich gute von schlechten Quellen unterscheiden?

Wie digital muss der Schulunterricht sein?

Das ist schwierig zu sagen. Es braucht aber eine gesunde Mischung von Digitalem und Analogem. Die Schülerinnen und Schüler müssen genauso lernen, mit digitalen wie mit analogen Medien umzugehen.

Wie wichtig sind «analoge» Fähigkeiten?

Genauso wichtig. Es gibt viele Tätigkeiten, die übertragbar sind und in beiden Bereichen gefragt sind.

Können Sie uns ein Beispiel dafür geben?

Bei der Informationssuche etwa. Egal, ob man die Fragen im physischen Lexikon oder im Internet bezieht, man muss sie genauso herunterbrechen und zum Beispiel für einen Vortrag aufbereiten können.

Wie stehen Sie zum Einsatz von eigenen Geräten in den Schulzimmern?

Aus meiner Sicht spricht nichts gegen private Geräte im Unterricht. Sollte kein persönliches Gerät vorhanden sein, kann die Schule solche leihweise zur Verfügung stellen.

Smartphone und Co. werden nicht nur in der Schule, sondern auch Zuhause genutzt. Wird Ihr Fachwissen auch den Eltern zur Verfügung stehen?

In erster Linie bin ich als Unterstützung für die Lehrpersonen der Gemeinde Uzwil angestellt. Ich unterstütze diese bei Bedarf aber auch in der Elternarbeit. Ansprechperson für die Eltern ist und bleibt aber die Klassenlehrperson.

Die digitale Umwälzung scheint erst am Anfang. Was kommt noch auf uns zu?

Das kann ich nicht sagen.

Es ist unglaublich, wie schnell der Fortschritt in diesem Bereich geschieht.

Heute habe ich ein Smartphone in der Hosentasche, mit dessen Leistung mein Laptop vor zehn Jahren kaum mithalten konnte. Es sind aber auch extrem spannende Veränderungen.

Verständnis als Ziel

Medien und Informatik sind auch Teil des Lehrplans 21. Dort wird als Ziel festgehalten: «Schülerinnen und Schüler erwerben ein Verständnis für die Aufgabe und Bedeutung von Medien für Individuen sowie für die Gesellschaft, für Wirtschaft, Politik und Kultur.» Im Bereich Informatik ist es das Ziel, dass die Schülerinnen und Schüler die «Grundkonzepte der automatisierten Verarbeitung, Speicherung und Übermittlung von Information» verstehen. «Darunter Methoden, Daten zu organisieren und zu strukturieren, auszuwerten und darzustellen.» (www.lehrplan21.ch)

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