Raum innerhalb des Raums

Als Alternative zu Vernissagen bietet die Kunsthalle Führungen oder Künstlergespräche an. Am Mittwoch führte der momentan dort ausstellende Frauenfelder Künstler Mark J. Huber in die Entstehungsweise seiner Ausstellung ein.

Michael Hug
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Laudatoren reden an Vernissagen oft etwas abgehoben und die Kunstschaffenden sagen meist gar nichts. Mancher Vernissage-Besuchende geht dann mit einem Fragezeichen im Kopf nach Hause. Man wird vielleicht zurückkehren und die ausgestellten Objekte in aller Stille noch einmal betrachten. Was ist, wenn das Fragezeichen bleibt? Die Wiler Kunsthalle kennt das Dilemma und bietet bei jeder Ausstellung eine Führung oder ein Künstlergespräch an. Am Mittwochabend war es Mark J.

Huber, der, begleitet von der Kunsthistorikerin Susann Oehler, unaufgeregt in die Entstehung seiner momentanen Ausstellung einführte.

Der zweite Raum

Hubers aktuelle Arbeit beschäftigt sich, wie der Titel «second room» sagt, mit den Räumen im Raum. Mit den Bildern, die der Künstler während und nach der erstmaligen Auseinandersetzung mit der Kunsthalle geschaffen hat, orchestrierte er einen neuen Raum im Raum.

Huber erläuterte mit Fotografien, Skizzen und Entwürfen seine Herangehensweise: «Mich interessierte der Raum an sich, das Spiel des Lichts in ihm und die Sicht aus dem Raum nach aussen.» Aus den Fotografien entstanden in Acryl gemalte Reprografien, in die Huber zusätzlich raffinierte Effekte einbrachte, die das Bild einerseits entfremdeten, aber dennoch Bekanntes stehen liessen.

Das Bild vom Raum oder aus dem Raum, in den Raum gestellt oder gehängt, erzeugt, so Huber, den zweiten Raum.

Parallel existierende Ebenen

Susann Oehler umschrieb den Vorgang so: «Er komponierte Raumausschnitte und Momentaufnahmen zu Bildern und bannte dabei wie ein Lichtregisseur parallel existierende Ebenen, nämlich sowohl die Projektionen im Raum als auch die Spiegelungen auf der Fensterfläche selbst, als gleichzeitiges, sich überlagerndes Phänomen auf Papier.»

Damit war die Arbeit des Frauenfelders jedoch noch nicht abgeschlossen: «Dann habe ich die Bilder nach einem überlegten Konzept aufgehängt, wie sie sehen nicht nur an die Wände, sondern auch in den Raum.» Einige der Exponate «schweben» nun im Raum, aber eben, wie Huber betont, nicht chaotisch-zufällig, sondern «durchorchestriert von hinten nach vorne». Der «second room», der zweite Raum im Raum, wird wie dieser selbst begehbar, damit entdeckbar, der Besuchende kann somit nicht nur die Inhalte

der Bilder für sich entdecken, sondern sich gleichzeitig in einer zweidimensionalen Installation bewegen.

Die Ausstellung in der Kunsthalle Wil dauert noch bis zum 11. Juli und ist von Donnerstag bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

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