Raubäume bewähren sich

NIEDERGLATT. In Niederglatt rückt die Glatt einer Abfalldeponie immer näher. Zum Schutz des Ufers sind Raubäume angelegt worden. Einem Hochwasser hat die Uferverbauung bereits standgehalten.

Philipp Stutz
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Revierförster Roman Gschwend (links) und Projektleiter René Wirth vom Ingenieurbüro Billinger AG.

Revierförster Roman Gschwend (links) und Projektleiter René Wirth vom Ingenieurbüro Billinger AG.

Hochwasser hatten das Ufer der Glatt nördlich der Lourdes-Grotte in den vergangenen Jahren massiv in Mitleidenschaft gezogen. Grundsätzlich ist dies der Lauf der Natur. Wirkt doch Wasser mit grossen Kräften. In Niederglatt nähert sich der Fluss aber mehr und mehr einer ehemaligen Abfalldeponie (Wiler Zeitung vom 14. März). Deshalb wurden Sofortmassnahmen getroffen.

Tannen zur Sicherung des Ufers

Zu diesem Zweck wurden Raubäume angelegt. «Eine Massnahme, die wir schon wiederholt angewandt haben», sagt Revierförster Roman Gschwend. Zwischen 60 und 70 Fichten sind am Ufer und in einem angrenzenden Wäldchen gefällt worden. Jeweils drei von ihnen wurden zusammengebunden und mit Stahlseilen an massiven Steinquadern befestigt. Zusätzlich werden die Bäume mit Wurzelstöcken gesichert. «Das hat sich bewährt», sagt Gschwend, «die Uferverbauung hat bereits ein Hochwasser vor rund zwei Wochen unversehrt überstanden.»

Von Vorteil sei gewesen, dass sich die zu fällenden Bäume in unmittelbarer Nähe der Glatt befanden und nicht herantransportiert werden mussten. Die Kosten für das Anbringen der Raubäume betragen rund 40 000 Franken.

Natürliche Uferverbauung

In der Ingenieurbiologie ist es üblich, die durch Hochwasser abbrechenden Ufer durch Fällen von Bäumen in den Uferbereich des Gewässers zu schützen. «Das ist grundsätzlich eine gute Methode», sagt Projektleiter René Wirth. Die natürliche Uferverbauung lasse die Sicherung für die nächsten zwei bis drei Jahre erwarten. Erwiesen sei auch, dass Raubäume für Fische bessere Lebensräume schaffen. «Die provisorischen Massnahmen sind abgeschlossen», sagt Claudia Lenz, Leiterin der Oberuzwiler Bauverwaltung. Das Resultat könne sich sehen lassen.

Ganz in der Nähe der Glatt befindet sich eine ehemalige Abfalldeponie, die zwischen 1964 und 1970 gemeinsam von den Gemeinden Uzwil und Oberuzwil betrieben worden war. Ab 1971 lagerte dort der Zweckverband Abfallbeseitigung Untertoggenburg (Zabu), dem mehrere Gemeinden angeschlossen waren, seinen Abfall ab – Bauschutt und Sperrgut, Hauskehricht und Schlacke.

Ein Untersuchungsbericht liegt vor, und zurzeit wird ein Sanierungsprojekt ausgearbeitet. Dieses soll in wenigen Wochen vorliegen.

Kostenteiler ausarbeiten

Die Kosten zur Sanierung der Altlasten sind noch unklar. Weil mehrere Gemeinden betroffen sind, sei die Ausarbeitung des Kostenteilers eine Herausforderung, sagt Claudia Lenz. Im schlimmsten Fall müsste die Deponie ausgebaggert und das Material abtransportiert und fachgerecht entsorgt werden, was Kosten im zweistelligen Millionenbereich nach sich ziehen würde. Weil es sich beim betroffenen Gebiet um ein Auenschutzgebiet von nationaler Bedeutung handelt, werden auch Beiträge des Bundes erwartet.

Mit dem Anlegen von Raubäumen ist eine natürliche Uferverbauung entstanden. (Bild: Philipp Stutz)

Mit dem Anlegen von Raubäumen ist eine natürliche Uferverbauung entstanden. (Bild: Philipp Stutz)

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