Rattenpack mit Dame

Flawil «Rat Pack» begeisterte das Publikum am Samstag im Flawiler Lindensaal. Die Black Jacket Swing Big Band präsentierte am Samstag eine singende «Meute» mit drei Männern und einer Frau.

Michael Hug
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Einst (1959 bis 1966) machten sie Las Vegas unsicher, zechten die Nächte durch und begeisterten singenderweise das Publikum im Sands Hotel der Wüsten- und Spielerstadt: Frank Sinatra, Sammy Davis Jr., Dean Martin, Joey Bishop, Peter Lawford und Shirley MacLaine. Entgegen landläufiger Meinung war in der Original-Rattenmeute mindestens eine Frau dabei, dann und wann werden auch Judy Garland und Lauren Bacall dazugezählt. «What a rat pack!» soll Humphrey Bogarts Frau Bacall ausgerufen haben, als ihr Mann nach etlichen durchzechten Nächten endlich wieder zu ihr ins Hotel zurückgekehrt war. Die des Singens mächtigen Mitglieder der Gruppe beschlossen, fortan als «Rat Pack» aufzutreten und populäre Jazz- und Swingklassiker zum besten zu geben.

Alte Klassiker kriechen noch immer ins Ohr

In den letzten Jahren wurde die Rattenmeute von damals oft von mehr oder weniger bekannten Sängern kopiert, meistens waren es getreu dem Trio-Vorbild nur Männer. Auch die Ostschweizer Black Jacket Swing Big Band, die ihre Wurzeln in Flawil hat, widmete sich in ihrem neuen Konzertprogramm «A Tribute to the legendary Rat Pack» der berühmtesten Rattenschar der Musik. Die Band unter ihrem Leiter Nik Studer engagierte dazu drei versierte Sänger: Die St. Galler Thomas Straumann und Malcolm Green sowie den Vorarlberger Thomas Gertner. Als weiblicher Gegenpart an der Gesangsfront wirkte die Black-Jackets-bewährte Solistin Lilian Mettler. Neues wurde dabei selbstredend nicht erfunden, ein Rad bleibt eben Rad, und die alten Klassiker sind immer noch die alten Klassiker, doch sie kriechen nach wie vor ins Ohr wie warmes Öl.

Dennoch, ein 1:1-Abbild der Ratten von damals war das Programm der Ratten vom Samstagabend nicht. Man wagte durchaus auch mal einen Schlenker in – vom damaligen Rat Pack aus betrachtet – die Neuzeit mit «Can't by me Love» (John Lennon/Paul McCartney, 1964), «Bad, Bad Leroy Brown» (Jimmy Croce, 1973) oder «Mr. Bojangles» (Jerry J. Walker, 1968). So wie einst die drei Ur-Ratten sangen die Flawiler Felltiere ihre Lieder – stets mit energievoller Unterstützung der Big Band im Hintergrund – nicht im Trio, sondern bis zum Schlussauftritt solo oder im Duett.

Es geht um Frauen, auch wenn keine da ist

Die anderen Solisten wie auch Lilian Mettler hielten sich derweil etwas abseits der Szene an einem Stehtisch auf und widmeten sich, getreu ihren berühmten Vorbildern, dem Whisky on the Rocks. Vielleicht wars aber auch bloss Wasser mit Eiswürfeln.

Doch alsbald kehrte man mit «Me and my Shadow» (Dave Dreyer/Billy Rose, 1927) zu den Ursprüngen zurück. Jedes Stück wurde von dem Solisten, der es vortrug, selber angekündigt. Meist mit etwas Hintergrundinformation, aber stets mit viel Humor, was in Aussprüchen gipfelte wie: «Ihr seht, es geht die ganze Zeit um Frauen, obwohl weit und breit keine ist!» Das war das Zeichen für Lilian Mettler, die darauf mit Thomas Gertner das wunderschöne Chanson «Et maintenant» (Gilbert Bécaud/Pierre Delanoë, 1961) in der englischen Swing-Version «What now, my Love» zum besten gab. Das Publikum war nun endgültig hingerissen. «You're nobody till somebody loves you» (Russ Morgan/Larry Stock/James Cavanaugh, 1944) brachte alsbald das Ende dieses Abends in Erinnerung.

Das Finale bestritten alle vier Solisten mit – ja, welchem legendären Titel wohl: «My Way» (Claude François/Paul Anka, 1967). Ein glanzvoller Abschluss eines mitreissenden Abends.