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Raser und Angeber auf der Strasse: Die Polizei hat ein wachsames Auge

Ob Motorrad, Sportwagen oder Familienkutsche: Vor allem in Oberbüren gehen Temposünder der Kantonspolizei ins Netz.
Marco Enzler
Der grösste Feind des bleifüssigen Autofahrers: der «Blechpolizist». (Bild: Ralph Ribi)

Der grösste Feind des bleifüssigen Autofahrers: der «Blechpolizist». (Bild: Ralph Ribi)

Gutes Wetter und perfekte Sicht, eine einladende Strasse und mächtig viele PS unter der Motorhaube: Ideale Voraussetzungen, um ein bisschen Dampf abzulassen. Doch wer sich zu sehr von seinem Bleifuss leiten lässt, der wird regelmässig dicke Post von der Polizei erhalten.

«Viele fluchen»

Das Bussgeld, das dem Staat abgeliefert werden muss, ist vielen ein Dorn im Auge – nicht wenige lassen ihrem Frust auf Social Media freien Lauf. Die Bussgelder liessen sich einfach vermeiden. Florian Schneider, Stellvertretender Leiter Kommunikation der Kantonspolizei St.Gallen, sagt: «Viele Leute fluchen über die Polizeikontrollen. Dabei sind es nicht wir, die zu schnell gefahren sind.»

Tempolimiten werden nur selten grob überschritten

«Generell gibt es in den Region Fürstenland und Neckertal kein übermässiges Problem mit Rasern», sagt Florian Schneider. Immer wieder erwische man zwar Schnellfahrer, grössere Tempoüberschreitungen kämen aber nur in Einzelfällen vor.

Eine Schwierigkeit bestünde allerdings darin, dass nur diejenigen Raser erfasst werden, die von der Kapo auch tatsächlich erwischt werden. Und: «Vor zehn Jahren gab es beispielsweise den ‹Raserartikel› noch gar nicht. Vergleiche sind somit nur schwer möglich.» Laut Schneider gebe es in der Region auch nicht die typische «Raserstrecke». Aber: Auf dem Autobahnabschnitt im Bereich Oberbüren oder auf der Staatsstrasse Oberbüren-Niederbüren könnte man täglich Geschwindigkeitsmessungen durchführen und würde immer noch etliche Lenker erwischen, die das Tempolimit nicht einhalten.

«Poser-Fahrer» machen mehr zu schaffen

Viel mehr als die Temposünder machen der Kantonspolizei aber die «Poser-Fahrten» zu schaffen. Während in der Stadt Wil das Rasen aufgrund der häufigen Verkehrsüberlastungen schon gar nicht möglich ist, scheint sich die «Bahnhofsrunde» einer gewissen Beliebtheit zu erfreuen. Viele Anwohner stören sich ob der Motorengeräusche. Vor allem Fahrzeuge, die bewusst verändert wurden, dröhnen besonders laut. Florian Schneider sagt: «Wenn wir Hinweise aus der Bevölkerung bekommen, betreffen diese meist die Lärmemissionen einzelner Fahrzeuge.» Lärm sei auch bei den Ortsgrenzen, wo alle beschleunigen, für die Anwohner immer wieder ein Ärgernis. Florian Schneider appelliert an die Fahrer: «Mit einem angepassten Fahrstil tönen auch umgebaute Fahrzeuge nicht übermässig laut.»

Auch Unfälle haben eine Saison

Ein weiterer Punkt, den die Polizei feststellt, ist die Unfallart, die je nach Jahreszeit in ihrer Häufigkeit variiert. Während sich laut Florian Schneider in den Sommermonaten Selbstunfälle aufgrund erhöhter Geschwindigkeit häufen, rutschen die Fahrzeuge im Winter typischerweise in den Kurven von der Strasse. In der Verkehrsunfallstatistik des Kantons St.Gallen für das Jahr 2018 wird zudem ausgeführt, dass sich Unfälle mit Personenschaden im Sommer – wenn sich mehr Leute auf der Strasse bewegen – häufen. Unfälle mit Sachschäden sind dagegen im Winter häufiger.

Die Autofahrer zeigen einen Lerneffekt

Die Polizei muss sich oft anhören, dass die Geschwindigkeitsmessungen nur dazu dienen, das staatliche Budget aufzustocken. Trotzdem seien die «Blitzkästen» ein gutes Mittel, um die Tempolimiten durchzusetzen. «Wenn wir eine semistationäre Messanlage zum ersten Mal an einem Ort aufstellen, fahren erfahrungsgemäss rund zehn Prozent aller Fahrzeuge zu schnell», sagt Schneider. «Wenn wir sie dann abbauen und nach einigen Monaten erneut aufstellen, sind es schon nicht mehr zehn Prozent, die zu Beginn gebüsst werden.» Je öfter man den Vorgang wiederhole, desto tiefer sei die Quote. Für die Polizei ist das ­erfreulich. «Wir können so die Tempolimiten längerfristig durchsetzen», sagt Florian Schneider. Diese Vorgehensweise sei geeignet, um die Gewohnheiten der Autofahrer positiv zu beeinflussen.

Interessant sei, dass sich viele Leute vor allem über die tiefen Bussen aufregten, bei den saftigeren hätten jedoch viele wieder Verständnis.

Hinweis: Weitere Informationen unter www.kapo.sg.ch

Ab wann ist ein «Raser» wirklich ein Raser?

Umgangssprachlich ist ein «Raser» schnell gefunden. Für einmal zügig unterwegs und schon trägt man den unehrenhaften Titel. Im Sinne des Schweizer Strassenverkehrsgesetz ist der Fall dagegen klar geregelt: Art. 90 – der viel zitierte «Raserartikel» – ist erfüllt, wenn jemand «durch vorsätzliche Verletzung elementarer Verkehrsregeln das hohe Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern eingeht».
Weiter hat der Gesetzgeber konkrete Geschwindigkeitsvorgaben erlassen, deren Überschreitung in jedem Fall den Tatbestand erfüllen. So gilt als Raser, wer beispielsweise in einer Tempo-30-Zone mit 70 km/h oder mehr unterwegs ist, oder bei erlaubten 50 km/h deren 100 auf dem Tacho hat. Auch wer mit 140 km/h durch die 80er-Zone brettert, hat die gleichen Konsequenzen zu befürchten, wie derjenige der mit 200 km/h auf der Autobahn fährt.
Dem Delinquenten drohen im Falle einer Verurteilung zwischen einem und vier Jahren Haft. Allerdings werden die meisten Strafen bedingt ausgesprochen; die betroffenen Raser müssen ihre Strafe also erst bei einem zweiten Verstoss tatsächlich absitzen. (pd/mae)

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