RAMADAN: «Es geht um gemeinsame Werte»

Vertreter der Wiler Stadtregierung und anderer Religionen nahmen am Dienstagabend in der Moschee am Fastenbrechen der Islamischen Gemeinschaft teil. Alle Redner betonten das Verbindende.

Philipp Haag
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Rabbi Tovia Ben-Chorin.

Rabbi Tovia Ben-Chorin.

Philipp Haag

philipp.haag@wilerzeitung.ch

Datteln standen bereit, schön drapiert auf einem Teller. Die Frucht aus dem Orient wird im Islam traditionell zum Fastenbrechen serviert. «Das Essen wird mit etwas Süssem oder einem Schluck Wasser begonnen», erläuterte der Wiler Imam Bekim Alimi am Dienstagabend beim Eindunkeln. Die Islamische Gemeinschaft Wil hatte Imame aus der Ostschweiz, Vertreter der Wiler Stadtregierung sowie anderer Religionen zum Iftar in die neue Moschee im Südquartier eingeladen. Beim Iftar handelt es sich um das Mahl, das während des Fastenmonats Ramadan von Muslimen jeden Abend nach Sonnenuntergang eingenommen wird (siehe Infobox).

Koranrezitation vor dem Essen

Um die 130 Personen sassen im Parterre an langen Tischen zusammen liessen sich nach einer auf arabisch gehaltenen Koranrezitation das Mahl mit einem Salat, einer Suppe, einem Fleisch-Reis-Gericht und einem Dessert schmecken, unterhielten sich und pflegten das Zusammensein. Ein Wert, den alle Redner an diesem Abend beschworen. «Schön, mit Moslems zusammenzukommen und nicht über einen Konflikt reden zu müssen, sondern über gemeinsame Werte», sagte der St. Galler Rabbi Tovia Ben-Chorin nach der Begrüssung durch Abdullah Mustafa, Präsident der Islamischen Gemeinschaft Wil. Er freue sich, dass mehrere Identitäten unter einem Dach zusammen seien, sagte der Rabbi, und wünschte allen ein «Iftar mubarak», was so viel bedeutet wie ein «gesegnetes Fastenbrechen».

Die Wiler Gemeinschaft mache an diesem Abend vor, «was die Muslime gegenwärtig dringend brauchen, nämlich ein friedliches Zusammenleben», sagte der St. Galler Regierungspräsident Martin Klöti. An die Anwesenden richtete er den Appell, sich durch die schrecklichen Terrorattacken nicht vom Weg abbringen zu lassen «und sich den Glauben an die Religion und die Gemeinschaft nicht zerstören zu lassen.» Auch der Wiler Stadtrat Dario Sulzer betonte das Verbindende: «Wenn wir hier zusammen feiern, Muslime, Christen und Juden, dann steht nicht nur die religiöse, sondern auch die gesellschaftliche und identitätsstiftende Dimension im Vordergrund. Es geht um gemeinsame Werte.» Er attestierte den Muslimas und Muslimen, zu Wil zu gehören. «Sie sind Teil unserer Gesellschaft.»

Kunstwerk mit Fahne der Schweiz und Albaniens

Als äusseres Zeichen des Verbindenden und des Zusammengehörigkeitsgefühls schuf der Künstler Zeqir Memeti «als Symbol, dass ein friedliches Zusammenleben möglich ist» ein Werk, auf dem die Fahnen der Schweiz und Albaniens abgebildet sind. Memeti fertigt seine filigranen Arbeiten mit farbigen Stecknadeln an. Einige der Werke des aus Mazedonien angereisten Künstlers sind im Halbrund des Gebetsraums der Moschee zu sehen. Der Ort, an dem sich die Gläubigen kurz vor 23 Uhr zum Abendgebet zurückzogen. Sie lebten die Spiritualität, aber auch die Besinnung, die Offenheit und die Solidarität, die im noch bis 24. Juni dauernden Ramadan eine zentrale Bedeutung haben.