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Ramadan – die Zeit der Fernsehserien

Während des Ramadans haben die meisten Unternehmen in Kairo die Arbeitszeit für alle Mitarbeiter auf sechs Stunden reduziert. Was also machen die Menschen mit der gewonnenen Zeit? Einige legen sich vor dem Sonnenuntergang noch etwas hin.
Lucienne Suter
Plakate für Ramadan-Serien an einer Kairorer Strasse. (Bild: Yehia Sayed)

Plakate für Ramadan-Serien an einer Kairorer Strasse. (Bild: Yehia Sayed)

Während des Ramadans haben die meisten Unternehmen in Kairo die Arbeitszeit für alle Mitarbeiter auf sechs Stunden reduziert. Was also machen die Menschen mit der gewonnenen Zeit? Einige legen sich vor dem Sonnenuntergang noch etwas hin. Im Durchschnitt verbringen die Ägypter während des Ramadans rund fünf Stunden täglich vor dem Fernseher. Der Ramadan ist nicht mehr nur eine religiöse Zeit, sondern ist längst kommerzialisiert worden. Die Unterhaltungsindustrie in Ägypten ist zu einem Grossteil auf diesen Monat ausgerichtet – nie werden so viele Serien ausgestrahlt und geschaut wie während des Ramadans.

Wenn man sich in diesen Tagen mit Freunden und Bekannten trifft, sind die Serien oft das Gesprächsthema Nummer eins. «Welche Serien verfolgst du diesen Ramadan?» ist eine Frage, die oft direkt nach der Begrüssung gestellt wird. Und die Ägypter können stundenlang darüber diskutieren, welche denn nun die beste Serie, die interessanteste Geschichte, der kreativste Regisseur und die talentiertesten Schauspieler sind. Für die Produzenten, Regisseure und Schauspieler ist diese Zeit natürlich die grosse Chance, um bekannt zu werden und sich im Filmbusiness zu etablieren.

Vom Leben in Villen und Slums

Mir persönlich gefällt es, dass es unzählige verschiedene Serien gibt, welche unterschiedliche Aspekte der ägyptischen Gesellschaft aufzeigen. Einige werden in prachtvollen Villen gedreht und zeigen das Leben der elitären Gesellschaftsschicht. Es gibt jedoch auch eine Vielzahl an volkstümlichen Serien, welche das oft schwierige Leben von Menschen in den Slums zeigen. Kriminalität, Prostitution, Betrug und Intrigen, aber auch Drama und Liebe sind beliebte Themen in den diesjährigen Serien. Ich habe dieses Jahr drei Lieblingsserien, welche ich, so gut es die Zeit erlaubt, täglich verfolge. Die erste heisst «Grand Hotel» und ist die Abkupferung einer spanischen Serie mit demselben Namen. Die Handlung findet in den späten Vierzigerjahren in einem Hotel in Assuan statt. Die zweite ist eine Komödie über zwei Cousinen, welche unterschiedlicher nicht sein könnten, aber durch das Schicksal gezwungen sind, an einem Strang zu ziehen, da sie beide hinter dem Erbe ihres verstorbenen Grossvaters her sind.

Mitreden können

Ein ernstes Thema wird in der Serie «Freier Fall» angesprochen, in der es um eine psychisch erkrankte junge Frau geht, welche ihren Ehemann und ihre Schwester umgebracht haben soll. Natürlich schaue ich ab und zu auch bei anderen Serien kurz rein, denn es gehört hier ja schliesslich zum guten Ton, bei diesem Thema mitreden zu können. Diesen Ramadan sollen übrigens um die fünfzig Serien im ägyptischen Fernsehen ausgestrahlt werden.

Lucienne Suter aus Wil lebt in Kairo. Für die Wiler Zeitung berichtet die 28-Jährige regelmässig über Erlebnisse in der ägyptischen Hauptstadt. Mit diesem Beitrag endet die Kolumnenserie.

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