RAD: Mehr als ein Edelhelfer

Trotz ausgekugelter Schulter beim Tirreno-Adriatico und Sturz am Sonntag nähert sich Stefan Küng der Bestform. Reto Hollenstein muss dagegen mit gebrochenem Ellbogen wochenlang pausieren.

Urs Huwyler
Drucken
Einmal kommt der Moment, in dem Stefan Küng seine Chancen wahrnehmen kann. (Bild: Alexandra Wey/Keystone)

Einmal kommt der Moment, in dem Stefan Küng seine Chancen wahrnehmen kann. (Bild: Alexandra Wey/Keystone)

Urs Huwyler

sport@thurgauerzeitung.ch

«Wann muss/soll ich die eigene Chance für den Teamleader opfern?» Eine Frage, die auch Stefan Küng, Reto Hollenstein und Michael Albasini, die drei Thurgauer aus der Region Wil, immer wieder mal stellen. Öfters hätten sie ohne Stallorder eine bessere Platzierung herausfahren können. «Aber grundsätzlich gilt: Wir sind Angestellte und müssen den Job erledigen. Wie jeder Arbeiter», stimmt das Trio aus dem Micarna-Team überein.

Zuletzt sorgte bei BMC – wie im Vorjahr – Stefan Küng für Tempo, fuhr Lücken zu, positionierte sich in Fluchtgruppen, stellte sich in den Dienst von Greg Van Avermaet. Bei Gent–Wevelgem war es am Sonntag nicht anders. Küng «motorte» vorne, bis ihn ein Sturz 48 km zurückwarf und er das Ziel mit rund fünf Minuten Rückstand erreichte. «Ich war nicht aufmerksam genug, fuhr dem Vordermann ins Rad. Mein Fehler», stellte der als Ersatzmann ins Team gekommene Ostschweizer fest.

Bisher zwei Siege in Mannschaftszeitfahren

«Alles für den Belgier», lautete die Taktik auch in Belgien. «Greg ist ein Weltklassefahrer, verfügt über Allrounder-Qualitäten», lobt der (Edel)-Helfer seinen Chef. 2017 gewann Van Avermaet die Klassiker E3 Harelbeke, Gent-Wevelgem und Paris-Roubaix. 2018 fällt die Bilanz bisher nicht überragend aus. Bei den Erfolgen in den Mannschaftszeitfahren an der Valencia-Rundfahrt und bei Tirreno-Adriatico war Stefan Küng als Lokomotive ebenfalls mehr als nur dabei.

Insgesamt zahlten sich Aufwand und Ertrag teamintern bisher nicht aus. «Teilweise ist es schwierig, in der Spitzengruppe mitzufahren und sich in der entscheidenden Phase auf Kommando einholen lassen zu müssen. Vielleicht sollte ich vermehrt durchzuziehen versuchen als schliesslich irgendwo im Feld klassiert zu werden», sagt Stefan Küng. Ende Saison wird es BMC in der jetzigen Form nicht mehr geben. Probleme, einen neuen Arbeitgeber zu finden, wird Küng nicht haben. Aber eigene Erfolge zahlen sich im wahrsten Sinne des Wortes aus.

An der Algarve-Rundfahrt stand Küng in Lagoa als Dritter im Zeitfahren auf dem Podest, in den Aufstiegen bewies der 24-Jährige weitere Fortschritte in Richtung Allrounder. «Ich bin motiviert, die Form stimmt.»

Heute Mittwoch startet er bei Quer durch Flandern, am Sonntag an der Flandern-Rundfahrt. «Die beim Tirreno-Adriatico ausgekugelte Schulter behindert mich nicht», zeigt sich Stefan Küng zuversichtlich. Welche Rolle wird ihm zugedacht? Dass er mit Michael Schär zusammen wie bei Gent-Wevelgem ein 5-Minuten-Loch zufahren muss, dürfte nicht in seinem Sinne sein.