RAD: Bahn und Strasse als Erfolgsziel

Bahnweltmeister und Weltrekordhalter Stefan Bissegger trainiert derzeit auf Mallorca. Anfang Saison wird der Fokus des 19-jährigen Thurgauers zwangsläufig auf der Strasse liegen.

Urs Huwyler
Drucken
Teilen

Urs Huwyler

sport@thurgauerzeitung.ch

Mindestens zwei Jahre ist es her, seit die Thurgauer Radprominenz um Marcello Albasini, Ralph Näf oder Michael Albasini nicht nur von Stefan Küng (Wilen), sondern auch Stefan Bissegger (Mettlen) schwärmte. «Er bringt wie Küng vom Motor, koordinativ und der Athletik her ­alles mit, was es braucht, um ­erfolgreich zu sein», hiess es. Im Juli 2016 setzte das Talent mit dem U19-WM-Titel und Weltrekord (3:12,416 Sekunden) in der 3000-m-Einerverfolgung an der Bahn-WM in Aigle ein erstes Ausrufezeichen. «Eine ganz starke Zeit», fand auch Stefan Küng.

Die Parallelen zwischen den beiden Bahn- und Strassenspezialisten sind auffällig. «Wir sind uns vom Körperbau und den Qualitäten ziemlich ähnlich, haben die gleichen Stärken», ergänzt Stefan Bissegger, der bis Sonntag mit Kollegen privat auf Mallorca trainiert. Wobei sich Küng von der Bahn verabschiedet hat. «Ich werde», so die jüngere Kopie, «im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio weiterhin beide Disziplinen bestreiten. Allerdings ist es kaum möglich, in meiner Disziplin vom Bahn-Radsport zu leben.»

Team Roth-Akros

Es zeigte sich im Zusammenhang mit dem schwachen Auftritt des Bahnvierers in Rio, dass vier Jahre Vorbereitung auf einen Höhepunkt keine Erfolgsgarantie sind. Für Bissegger findet 2017 erst im Juli mit der Junioren-EM der erste grosse Wettkampf statt. «Für die Elite stehen mit vier Weltcups, der EM und WM lediglich sechs Rennen in der Verfolgung auf dem Programm. Das ist wenig. Vielleicht werde ich für den einen oder anderen Weltcup aufgeboten», hofft das Mitglied des VC Bürglen-Märwil. Bei dieser Terminplanung ist klar, dass die Strasse Priorität hat.

Mittelfristig möchte der Fahrradmechaniker in Ausbildung bei Radsport Krapf AG Bischofszell Profi werden, sein Hobby, für das er die gesamte Freizeit einsetzt, zum Beruf machen. Paris–Roubaix zu gewinnen, das wäre was. 2017 fährt er für das U23-Team von Roth-Akros, versucht die Punkte herauszufahren, um 2018 in Roths Continental-Mannschaft aufsteigen zu können. «Ich habe den Vorteil, von meinem radsportbegeisterten Lehrmeister Norbert Krapf immer frei zu erhalten. Das hilft enorm.»

Trainer Albasini?

Bei Roth-Akros war auch Marcello Albasini als Sportlicher Leiter der Continental-Equipe im Gespräch, doch zog sich der erfahrene Trainer zurück. Zu vieles stimmte für ihn nicht, und im Vorfeld gab es Ungereimtheiten. Nun engagiert er sich beim Continental-Team Vorarlberg, in dem einst auch der neue Katusha-Profi Reto Hollenstein (Sirnach) fuhr und Patrick Schelling (VC Fischingen) nach den Erfolgen 2016 (u. a. Dritter der Österreich-Rundfahrt) die Leaderrolle innehat. Zu einer losen Zusammenarbeit Bissegger/Albasini könnte es trotz unterschiedlicher Mannschaften kommen. Bisher erstellte der Ex-Profi Godi Schmutz die Trainingspläne des gelobten Talents, das vor acht Jahren nach Velofahrten mit der Familie die ersten Rennen bestritten hatte und sofort Siege einfahren konnte. «Am kommenden Montag sitzen Godi, Marcello und ich zusammen, besprechen, wie es weitergeht», sagt Bissegger.

Marcello Albasini hält sich allerdings zurück. «Godi Schmutz hat gute Arbeit geleistet. Wenn ich in irgendeiner Form helfen kann, mache ich das. Wichtig ist für mich zu hören, wo es hingehen soll, welche Schwerpunkte gesetzt werden sollen», betont Albasini. Dazu gehöre, die Einsätze allenfalls zu dosieren. Die Gefahr bei Junioren, alles machen zu wollen, weil sie von allen Seiten gepusht würden, bestehe. «Mir ist es so ergangen», erinnert sich Stefan Küng.