Rabattfieber wieder ausgebrochen

REGION. Die Verkaufsläden gehen auf Kundenfang. Ein probates Mittel dazu sind Sale-Angebote. Mit Rabatten, Sonderverkäufen oder «Preisbrechern» lockt man die Kunden ins Geschäft. Die Detailhändler hoffen, dem Januarloch mit guten Schnäppchen ein Schnippchen schlagen zu können.

Christoph Heer
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Die Ausverkaufszeit ist in vollem Gang, die Briefkästen quellen fast über vor lauter «Sale»-Prospekten. (Bild: Picasa)

Die Ausverkaufszeit ist in vollem Gang, die Briefkästen quellen fast über vor lauter «Sale»-Prospekten. (Bild: Picasa)

Der Preisbrecher: Ein gebogenes Fernsehgerät, laut Interdiscount das gegenwärtig Bestverkaufte überhaupt, steht so lange der Vorrat reicht im Regal. Kostenpunkt heute, 1999 Franken. Vor wenigen Tagen kostete das gleiche Produkt noch satte 400 Franken mehr. So manch ein Konsument, manch eine Konsumentin mag sich das fragen: Wie ist das möglich? Sind das Restposten oder wird genau kalkuliert und bewusst mehr eingekauft, damit die Übriggebliebenen in der Ausverkaufszeit dementsprechend heruntergesetzt werden können?

Sale statt Ausverkauf

Vielfach ist in den täglich eintreffenden Prospekten von Sale die Rede. Dieser englische Ausdruck steht für Verkauf, Ausverkauf, Räumungsverkauf oder Schlussverkauf. Mittlerweile beginnt diese «Sale»-Phase mit Sonderangeboten bereits vor Weihnachten und Neujahr und dauert zum Teil bis in den Februar hinein. Früher nannte man diese Phase «Ausverkauf»; die zeitliche Dauer war damals gesetzlich geregelt.

Blick in die Möbelbranche

Die Prospekte des Einrichtungshauses Lipo flattern im Jahr 29mal ins Haus. Das ganze Jahr hindurch werden Aktionen und Promotionen angeboten. Dabei werden stets die vergangenen Jahre als Planungsindiz herbeigezogen. «Vergünstigte Einzelprodukte sind für uns eher schwierig zu verkaufen. Daher bieten wir vielfach zum Beispiel 20 Prozent auf das ganze Sortiment an, womit wir eine grössere Anzahl Kunden ansprechen können. Was jetzt in den vergangenen Tagen am besten verkauft wurde, ist schwierig zu sagen, denn wir verfügen über ein ausgesprochen breites Spektrum an Angeboten», sagt Catherine Ladwein. Die Leiterin Marketing und Kommunikation von Lipo erklärt, dass man bei Lipo auf ein ausgeklügeltes System baue, um in der Ausverkaufszeit erfolgreich agieren zu können. «Es liegt uns fern, auf eine Sale-Zeit hin mehr einzukaufen, um dann gewisse Rabatte zu ermöglichen. Mehr als 90 Prozent unseres Sortiments gehört auch in dieser Zeit zum Standardsortiment, ganz nach dem Motto «es hät solang's hät».

Rabatt dank Lieferant

Der Multimedia-Anbieter MElectronics von Migros erlebt stürmische Zeiten während der Ausverkaufszeit. «Was heute gekauft wird, gilt morgen bereits als alt. Warum gerade die Zeit nach Weihnachten für viele ein lukratives Geschäft darstellt, liegt wohl auch daran, dass viele Konsumenten Zeit haben. Wir kaufen jedoch nicht mehr ein, nur damit wir auf sogenannte Restposten Rabatte bieten können. Vielmehr liegt es daran, dass uns von Seiten der Lieferanten eine zweite oder dritte Lieferung eines Produkts billiger angeboten wird», ist bei der Marketingabteilung von Migros Ostschweiz in Erfahrung zu bringen.

Tagesangebote würden vielfach überrannt, so dass sie um die Mittagszeit bereits vergriffen seien. «Ende Jahr und die Zeit vor einer Fussball-Weltmeisterschaft sind die besten Verkaufszeiten», lautet die Erfahrung bei Migros Ostschweiz.

Fust mit bis zu 70 Prozent

Während der kalten Jahreszeit sind bei Fust Luftbefeuchter und Heizgeräte gefragt. «Grossandrang spüren wir vor allem während der Sale-Zeiten mit Vergünstigungen von bis zu 70 Prozent. Im Vordergrund steht aber jederzeit das möglichst attraktive Preis-Leistungs-Verhältnis», sagt Sabine Weber. Die Assistentin der Unternehmensleitung betont, der Sonderverkauf werde genutzt, um Lagerbestände zu bereinigen und Platz für Neuheiten zu schaffen. Interdiscount lockt mit bis zu 50 Prozent Rabatt. «Wir sind stets bemüht, unseren Kunden bestmögliche Preise zu bieten.» Vielfach machen Lagerliquidationen von uns oder unseren Lieferanten Preissenkungen möglich. «Während der Dezember unser stärkster Verkaufsmonat ist, gilt der Januar als beliebtester für grössere Anschaffungen wie Waschmaschinen, Kaffeemaschinen, Computer oder Smartphones», erklärt Luca Sartowicz, stellvertretender Mediensprecher.

«Sale», wo man hinschaut. Die Läden überbieten sich mit Rabatten. (Bild: Christoph Heer)

«Sale», wo man hinschaut. Die Läden überbieten sich mit Rabatten. (Bild: Christoph Heer)