Quo vadis Komturei Tobel?

Seit der Kanton Thurgau die Komturei Tobel vor rund drei Jahren mit einem Startkapital von 2,9 Millionen Franken in eine Stiftung umgewandelt hat, kommt diese nicht aus den Schlagzeilen.

Merken
Drucken
Teilen

Seit der Kanton Thurgau die Komturei Tobel vor rund drei Jahren mit einem Startkapital von 2,9 Millionen Franken in eine Stiftung umgewandelt hat, kommt diese nicht aus den Schlagzeilen. Gemeindeammann Roland Kuttruff drückt es aus, was die Bewohner von Tobel-Tägerschen schon lange beschäftigt, nämlich ein grosses Unbehagen. Passiert ist in diesen drei Jahren eigentlich nicht viel – mit Ausnahme einiger künstlerischen Anlässen, die kaum viel eingebracht haben. Aber das Geld ist weg.

Und auch die 100 000 Franken, die die Gemeinde seinerzeit eingeschossen hat, haben sich in Luft aufgelöst. Das Stickereilokal und andere Gebäudeteile präsentieren sich noch heute genauso zerfallen und verwahrlost, wie sie die Strafgefangenen 1973, also vor 37 Jahren, verlassen haben.

Da fragt man sich, wo war da die Finanz- und Stiftungsaufsicht des Kantons, die die fast drei Millionen Franken gesponsert hat? Ist es wie beim kantonalen Elektrizitätswerk, wo 35 Millionen Franken verloren gingen, aber eigentlich niemand schuld war?

Relation fehlt

Eigentlich hätte man es doch in Frauenfeld wissen sollen, dass es unmöglich war und ist, mit weniger als drei Millionen Franken die in mehr als 30 Jahren heruntergekommenen Komturei-Gebäude wieder einigermassen herzurichten. Das hätten doch auch die Kantonsräte, die den vorerwähnten Beitrag bewilligt hatten, wissen müssen. Da musste man nicht einmal ein Baufachmann sein.

Als Vergleich erwähne ich, dass der Kanton Thurgau für die Renovation der Häuser vom Arenenberg 40 Millionen Franken auszugeben bereit ist und in diesen Tagen erfuhr man, dass die Renovation des Schlosses Hohenklingen ob Stein am Rhein 60 Millionen gekostet hat. Wo ist da die Relation zur Komturei?

Es sei daran erinnert, dass der Kanton 1807 bei der Übernahme der Komturei nicht nur viele Ländereien bis nach Wängi hinunter übernahm, sondern erst noch einen Barbetrag

von gegen 400 000 Gulden kassierte, was heute einem zweistelligen Millionenbetrag entspricht. Es sei auch daran erinnert, dass der 1803 neugegründete, aber mausarme Kanton Thurgau den ganzen Aufbau einer funktionsfähigen Verwaltung mit dem Geld aus der Komturei finanzierte. Besteht da nicht eine gewisse moralische Verpflichtung des Kantons der Komturei gegenüber?

Verantwortung tragen

Vor einigen Jahren war eine private Firma bereit, die Komturei zu übernehmen. Dabei hat es sich aber gezeigt, dass eine wirtschaftlich rentable Nutzung der Komturei-Gebäude wegen der vielen denkmalpflegerischen Auflagen nicht möglich ist. Darum hat die Firma auch vom Kauf der Komturei Abstand genommen. Der Kanton kann sich jetzt nicht aus der Verantwortung stehlen, es gibt meines Erachtens keine andere Lösung, als dass der Kanton die Komturei wieder zurücknimmt und

eine Lösung sucht, die seiner Schuld und Verantwortung am jetzigen traurigen Zustand Rechnung trägt.

Robert Borer Sonnenwiesstrasse 15 9555 Tobel