Quartierstützpunkt: Migros steigt aus

Die Thurvita, die Stadt und die Katholische Kirchgemeinde planen an der Hauptstrasse in Bronschhofen eine Siedlung mit Alterswohnungen und einem Spitex-Stützpunkt. Bestandteil ist auch ein Laden. Die Migros sagt nun ab und eröffnet einen Supermarkt an der AMP-Strasse.

Philipp Haag
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In der Gewerbehalle von AV Bürge in Bronschhofen wird ein Migros-Supermarkt untergebracht. (Bild: Philipp Haag)

In der Gewerbehalle von AV Bürge in Bronschhofen wird ein Migros-Supermarkt untergebracht. (Bild: Philipp Haag)

BRONSCHHOFEN. Kleiner Dämpfer für das Zentrumsentwicklungsprojekt an der Hauptstrasse in Bronschhofen: Die Migros verabschiedet sich und realisiert einen Supermarkt an der AMP-Strasse im Dorf. Der Ausstieg des Partners ist endgültig. «Es ist nicht ein Entscheid gegen das Projekt», sagt Silke Seichter, Mediensprecherin der Migros Ostschweiz. Im Gegenteil, die Migros Ostschweiz erachtet das Modell einer Siedlung mit altersgerechten Wohnungen, einem Spitex-Stützpunkt und einem Laden (siehe Kasten) als spannend. Das Problem liegt bei der Ungewissheit, ob das Vorhaben realisiert wird, da es sich erst in der Planungsphase befindet und einen politischen Prozess durchlaufen muss. Ausserdem ist der Migros Ostschweiz der Zeithorizont zu lang. Der frühestmögliche Bezug im Jahr 2020 ist dem Detailhändler zu spät.

Supermarkt in Gewerbehalle

Da die Migros im Stadtzentrum von Wil laut Silke Seichter gut frequentiert ist, möchte der Detailhändler den Standort mit einer weiteren Filiale in der Nähe ergänzen. Durch die Ausweichmöglichkeit in Bronschhofen würde ausserdem die Verkehrsüberlastung in der Innenstadt ein wenig abgeschwächt, im besonderen am Samstag. Aus diesem Grund hat sich die Migros Ostschweiz entschieden, in der Gewerbehalle der AV Bürge an der Ecke AMP-Strasse/Gebenloostrasse einen Supermarkt zu realisieren. Die Eröffnung ist auf Herbst des nächsten Jahres geplant, vorausgesetzt, das Baubewilligungsverfahren verläuft planmässig, sprich ohne Einsprachen, und das Bauverfahren ohne Zwischenfälle. Das Baugesuch wird in den nächsten Tagen bei der Stadt Wil eingereicht. Die schnelle Realisierungsphase ist möglich, weil die Migros Ostschweiz keinen Neubau erstellen muss, sondern sich in eine bestehende Baute einmietet. «Die Migros investiert rund zwei Millionen Franken in den Innenausbau», sagt Silke Seichter. Auf einer Verkaufsfläche von 550 m² werden Artikel des täglichen Bedarfs angeboten, inklusive Frischeabteilung mit Früchten und Gemüse sowie einer Ausbackstation für Backwaren. An Parkplätzen sind 28 vorgesehen. Ausserdem ist es den Kunden laut Silke Seichter werktags ab 16 Uhr sowie am Samstag erlaubt, die Parkfelder der AV Bürge zu nutzen.

Ein weisser Fleck weniger

Mit dem Supermarkt an der AMP-Strasse füllt der Detailhändler einen weissen Fleck in seinem regionalen Filialnetz. «Wir haben schon länger nach einem Standort in Bronschhofen gesucht», sagt Silke Seichter. Die Migros Ostschweiz ist überzeugt, «dass die Kundinnen und Kunden es schätzen, wenn wir näher zu ihnen kommen, und sich über einen Migros im Dorf freuen werden», wie die Migros-Ostschweiz-Mediensprecherin sagt. Dies trotz einer hohen Dichte in der Region an Migros-Läden und Filialen des Discounters Denner, der ebenfalls zum Migros-Konzern gehört, in Wil, im Stelz bei Wil, in Münchwilen (im Bau), in Sirnach, in Zuzwil (im Bau) und in Bazenheid.

Am Projekt festhalten

Den Ausstieg der Migros Ostschweiz aus dem Quartierstützpunktprojekt nehmen die drei anderen Partner, die Thurvita AG, die Stadt Wil und die Katholische Kirchgemeinde Wil, «mit Bedauern zur Kenntnis», wie sie in einer gemeinsamen Medienmitteilung schreiben. Die Planungsvereinbarung der vier Partner beinhaltet die Möglichkeit eines Ausstiegs. Die Absage der Migros bedeutet aber nicht das Ende des innovativen Projekts. «Auf das Gesamtprojekt hat der Ausstieg keine negativen Konsequenzen.» Die drei verbliebenen Partner halten am Projekt und am weiteren Vorgehen fest. Sie begeben sich auf die Suche nach einem neuen Partner, der sich vorstellen kann, einen Laden in der Siedlung zu betreiben. «Entsprechende Gespräche werden nun geführt», schreiben die Thurvita, die Stadt und die Katholische Kirchgemeinde, «mögliche Partner haben bereits ihr grundsätzliches Interesse bekundet».