Quantitativer Quantensprung – qualitatives Mittelmass

TV-Kritik

Simon Dudle
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Moderator Lukas Ninck präsentierte das neue Format «Alle Spiele – alle Tore». (Bild: Simon Dudle)

Moderator Lukas Ninck präsentierte das neue Format «Alle Spiele – alle Tore». (Bild: Simon Dudle)

Der pickelharte Konkurrenzkampf unter Privat-Fernsehsendern wie Teleclub (Swisscom) und My Sports (UPC) hat für den Sportfan Vor- und Nachteile. Wer ab dieser Saison alle nationalen und internationalen Fussballspiele verfolgen will, muss tief in die Tasche greifen und für mehrere Sender bezahlen. Als Alternative bleiben einzelne Livespiele im Schweizer Fernsehen – oder Zusammenfassungen.

Das Positive: Wer sich für Challenge-League-Fussball und den FC Wil interessiert, bekommt neu deutlich mehr präsentiert als bis anhin – zumindest quantitativ. Und das erst noch frei Haus. Zwei Spiele pro Runde werden auf dem neuen Sender Teleclub-Zoom live übertragen. Eines am Freitag, eines am Montag. Musste bis zur vergangenen Saison ein Fünfliber pro Partie aufgeworfen werden, so entfällt diese Gebühr ab sofort. Zudem gibt es neu am Montagabend ab 22 Uhr eine Rundenzusammenfassung mit allen Toren. Ein Novum in der Geschichte des zweitklassigen Schweizer Fussballs.

Den Analysen fehlte es an Tiefgang

Wer sich die knapp dreistündige Sendung am Montagabend angesehen hat, erhielt allerdings einen zwiespältigen Eindruck. Der Unterhaltungswert beim Spiel Schaffhausen gegen Aufsteiger Rapperswil-Jona war bescheiden. Dies hatte mehrere Gründe: Sportlich kam keine Spannung auf, da die Munotstädter mindestens eine Klasse besser waren und locker 6:0 gewannen. Das Ambiente im neuen Schaffhauser Stadion war einschläfernd. Und auch die Analysen von Vaduz-Spieler Philipp Muntwiler und dem Thurgauer Goalietrainer Pascal Zuberbühler hatten nicht allzu viel Tiefgang. Dass Muntwiler bei der Aussprache über den Spielers Kllokoqi stolperte und Moderator Lukas Ninck über Trainer Jakovljevic, passte ins Bild. Bei den Spielzusammenfassungen wurde selbst bei mittlerweile schläfrigem Auge deutlich, dass für das am Sonntagnachmittag ausgetragene Spiel des FC Wil gegen Vaduz keine HD-Kamera verfügbar war. Da sollte es eigentlich keine Rolle spielen, wenn bei einem Abendspiel im Bergholz die vorgegebenen 500 Lux an Lichtstärke nicht ganz gleichmässig verteilt sind. Manch ein Wiler Steuerzahler dürfte zum Schluss gekommen sein: Die kolportierten 200000 Franken, welche die Stadt als Bergholz-Eigentümerin für die Aufbesserung der Lichtanlage einschiessen muss, könnten auch sinnvoller investiert werden.

Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch