Publikum bestimmte mit

Das diesjährige Neujahrskonzert der Tonhalle Wil wurde von den Kölner Symphonikern unter Inga Hilsberg bestritten. Auch für einen solchen Anlass untypische Werke wurden gespielt.

Carola Nadler
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Das Neujahrskonzert in der Tonhalle wurde von den Kölner Symphonikern und Solisten gestaltet. (Bild: Carola Nadler)

Das Neujahrskonzert in der Tonhalle wurde von den Kölner Symphonikern und Solisten gestaltet. (Bild: Carola Nadler)

WIL. Rund 70 Wiler hatten sich an der Abstimmung auf der Homepage der Tonhalle Wil beteiligt, wie Tonhallen-Leiterin Florence Leonetti mitteilte. Damit nahm das Publikum direkten Einfluss auf die Programmgestaltung. Auch eher Neujahrskonzert-untypische Werke wie Mozarts Zauberflöte oder Verdis Rigoletto schafften es ins Programm. «Wir wollen einmal nicht die üblichen Johanns junior und senior zu Wort kommen lassen», kommentierte Dirigentin Inga Hilsberg das Programm, das nur zwei Strauss-Polkas beinhaltete.

Immer wieder die Liebe

Ein fünfköpfiges Gesangssolisten-Ensemble trug mit sichtbarem Vergnügen Arien und Duette vor, Sektgläser schwenkend und Abendroben rauschend. Freilich ging es dabei nur um eins: die Liebe. Da sehnte sich ein mozärtlicher Vogelfänger nach einer Liebsten, da umflirtete ein keckes Kammermädchen ihren Dienstherrn und ein junger Fredy schmachtete vor dem Haus seiner angebeteten Eliza Doolittle.

Nebst den Operetten Fledermaus und Die lustige Witwe sowie dem Musical My Fair Lady hatten es aber auch zwei Opern von Giuseppe Verdi ins Programm geschafft. Aus La Traviata erklang das Trinklied und aus Rigoletto wurde La donna é mobile zelebriert. Von Dirigentin Hilsberg mit einem Heinz Erhardt-Zitat ergänzt: «Frauen sind wie Edelsteine. Man erträgt sie nur mit Fassung.»

Doch mit dem Radetzky-Marsch

Eine Frau am Dirigentenpult mag ungewohnt sein. Doch Inga Hilsberg machte nicht den Eindruck, dass sie der Männerwelt etwas beweisen müsste. Souverän und mit einer Portion Humor führte sie musikalisch und als Moderatorin durch den Abend, dirigierte präzise, akzentuiert und mit sichtbarer Freude.

Obwohl es nicht verwunderlich war, dass kein Pärchen aus dem Publikum der Aufforderung der Dirigentin nachkommen und es wagen würde, das Tanzbein zu schwingen, konnte es sich Hilsberg nicht verkneifen, ihre Einladung stets zu wiederholen. Den einzigen tänzerischen Beitrag lieferte der Kontrabassist, der mit seinem Instrument mitrockte und -swingte.

Selbstverständlich wurden Zugaben verlangt – und Tenor Lemuel Cuento schmetterte sein «O sole mio» ins Publikum – oder hätte es zumindest gerne getan, wenn ihm seine Kollegen keinen Strich durch die Rechnung gemacht und ihm mit eigenem Primadonnen-Geschmettere die Show gestohlen hätten.

«Bitte nur ja nicht den Radetzky-Marsch», hatte eine Teilnehmerin an der Abstimmung gewünscht, erzählte Florence Leonetti. Aber da kommt kein Neujahrskonzert-Publikum dran vorbei. Immerhin wurde dieser von den Kölner Symphonikern so schmissig gespielt, dass er sicherlich zu verschmerzen war.