Protest gegen Kickerei im Wiesengrund

In über 100 Jahren hat der Flawiler Sportplatz manches erlebt. Freudige Augenblicke, wie den Cup-Klassiker 2010 gegen den FC St. Gallen, aber auch bittere Momente, als das Areal nach dem 2. Weltkrieg auf Weisung der Gemeinde dem Ackerbau weichen musste.

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Ab 1948, kurz nach dem 2. Weltkrieg wurde wieder auf der Flawiler Schützenwiese gespielt. (Bild: pd)

Ab 1948, kurz nach dem 2. Weltkrieg wurde wieder auf der Flawiler Schützenwiese gespielt. (Bild: pd)

FLAWIL. Als die über 4000 Zuschauer am 18. September 2010 im Rahmen des Schweizer Cups den zwischenzeitlichen Ausgleichstreffer des FC Flawil zum 1:1 gegen den Superligisten FC St. Gallen bejubelten, hätte wohl keiner gedacht, dass dieses Spielfeld auch schon für andere Zwecke verwendet worden war.

Pachtzins von 500 Franken

Die Geschichte des Flawiler Sportplatzes beginnt im Jahr 1921. Zuvor hatte sich der 1912 gegründete FC Flawil während rund acht Jahren gegen eine jährliche Entschädigung von 20 Franken im Wiesengrund an der Burgauerstrasse eingenistet. Die Platzeröffnung wurde damals von einem Skandal überschattet. Eine stattliche Anzahl junger Flawiler stürmte das Spielfeld, um – nach ihrer turnerischen Auffassung – der blöden «Kickerei» vorzeitig einen Riegel zu schieben. Den Spielanpfiff konnten sie allerdings nicht verhindern, nur verzögern. 1921 sah sich der FC Flawil nach einem neuen «Rasen» um und verhandelte mit der Schützengesellschaft. Schliesslich konnte das Spielfeld südlich des Schützenhauses für fünf Jahre für 500 Franken gepachtet werden. Mit einer Sammelaktion, an der sich viele Flawiler Firmen beteiligten und die «Flawa» eine neue Platz-Apotheke stiftete, konnte der Betrag zusammengekratzt werden. Sportlich trug der FC Flawil dort jährlich ein Turnier aus.

2. Weltkrieg als Dämpfer

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges kam das Sportprogramm in Flawil zum Erliegen. Ein Grossteil der Vereinsmitglieder trat zum Wehrdienst an. Hinzu kam die Hiobsbotschaft der Gemeinde. Der Fussballplatz müsse dem Ackerbau weichen, um die Rationierungen erfüllen zu können, hiess es. Den Entscheid hob weder der Rekurs beim Bundesrat auf, noch zeigte der Einsatz der Flawiler Truppenkommandanten Wirkung. Da der Sportplatz nicht mehr genutzt werden konnte, suchte der FC Flawil nach Alternativen.

Bei einem Bauern wurde der Verein fündig. Der Landwirt erlaubte die Durchführung der Spiele auf seiner Wiese. Mit viel Frondienstarbeit kam eine neue Anlage zustande, die während drei Jahren, bis zum erneuten Wechsel auf die Schützenwiese, genutzt werden konnte. (pd)