Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Propaganda im HSK-Unterricht: Auch an Wiler Schulen ein Problem?

Der Unterricht in heimatlicher Sprache und Kultur (HSK) wirft bei Stadtparlamentarier und Kantonsrat Erwin Böhi viele Fragen auf. Vom Stadtrat erhofft er sich nun Antworten.
Claudio Weder
Kriegsschauspiel auf der Schulbühne: Eine schweizerisch-türkische Schülergruppe führte in Uttwil ein nationalistisches Theaterstück auf. (Bild: «Sonntags-Blick», 6. Mai 2018)

Kriegsschauspiel auf der Schulbühne: Eine schweizerisch-türkische Schülergruppe führte in Uttwil ein nationalistisches Theaterstück auf. (Bild: «Sonntags-Blick», 6. Mai 2018)

Hat der Stadtrat Kenntnis von den detaillierten Lehrplänen der einzelnen HSK-Angebote? Welcher Prozentsatz der Schülerschaft der einzelnen Sprachgruppen nimmt am HSK-Unterricht teil? Welche Trägerschaften stehen hinter dem Unterricht? Das sind Fragen, die der Wiler Stadtparlamentarier und Kantonsrat Erwin Böhi (SVP) im Rahmen einer schriftlichen Anfrage an den Stadtrat richtete.

Böhis Anfrage knüpft an die Debatte an, die Anfang Mai durch die Aufführung eines umstrittenen Schülertheaters in Uttwil angestossen wurde. Das von einer schweizerisch-türkischen Schülergruppe aus Flawil einstudierte Schauspiel zeigte gewaltverherrlichende und nationalistische Inhalte und löste eine schweizweite Welle der Empörung aus. Der HSK-Unterricht soll mehrsprachigen Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit bieten, ihre Kompetenzen in ihrer Herkunftssprache zu erweitern sowie Kenntnisse ihrer Heimatkultur zu vertiefen. Er ist ein fakultatives Angebot, das den Regelunterricht an den Volksschulen ergänzen soll. Das Problem dabei: «Im Unterricht kommen offenbar auch politische Themen zur Sprache», sagt Böhi.

Türkischunterricht als Sprachrohr Erdogans

Ein besonderes Sorgenkind seien die Angebote für türkisch sprachige Kinder: «Es ist bekannt, dass sich der türkische Staat gut um seine Diaspora kümmert. Es besteht die Gefahr, dass der türkische HSK-Unterricht zum Sprachrohr Erdogans instrumentalisiert wird.» Berichte aus der Vergangenheit zeigen laut Böhi, dass – vor allem während des Bürgerkriegs in Sri Lanka – auch tamilische HSK-Kurse zu politischen Propagandazwecken genutzt wurden.

Ob das Propaganda-Problem im Zusammenhang mit dem HSK-Unterricht auch an Wiler Schulen besteht, wisse man nicht. «Deshalb wollen wir beim Stadtrat nachhaken», sagt Böhi. Die Situation in Wil sei aber auch deshalb interessant, weil das HSK-Angebot hier besonders gross sei: Es werden Kurse in neun verschiedenen Sprachen angeboten. Die Situation in seiner Heimatstadt liegt Erwin Böhi besonders am Herzen. «Doch uns geht es letztlich auch darum, auf kantonaler Ebene etwas zu bewirken.» Deshalb plant Böhi, eine entsprechende Motion im Kantonsrat einzureichen.

Mehr Mitspracherecht der Kantone gefordert

«Das grösste Problem ist, dass der Kanton keinen direkten Einfluss auf den HSK-Unterricht nehmen kann.» Im Kanton St. Gallen wird der HSK-Unterricht von den Konsulaten oder Botschaften der Herkunftsländer oder von Vereinen organisiert. Der vom Volksschulamt der Stadt Zürich entwickelte HSK-Rahmenlehrplan schreibt zwar Richtlinien vor, doch niemand kontrolliert, ob diese auch eingehalten werden. Die Trägerschaft, welche die Kurse anbietet, muss unter anderem ein pädagogisches Konzept vorweisen können, qualifizierte Lehrpersonen beschäftigen und sowohl politisch als auch konfessionell neutral sein.

«Die Schulbehörden haben keine Ahnung davon, was im HSK-Unterricht behandelt wird», sagt Böhi. Die Motion fordert deshalb, dass die Kantone in Bezug auf die Organisation und Kontrolle der HSK-Kurse mehr Mitspracherecht erhalten. «Die im HSK-Unterricht behandelten Inhalte sollen vom Erziehungsrat genehmigt werden. Den lokalen Schulbehörden obliegt es dann, zu überprüfen, ob diese Inhalte auch tatsächlich umgesetzt werden.» Erwin Böhi selbst hält nicht viel vom HSK-Unterricht: «Der HSK war mir schon immer ein Dorn im Auge.» Er glaube nicht an die Wirksamkeit dieses Konzepts.

Auch den vom kantonalen Bildungsdepartement (BLD) propagierten Integrationsgedanken stellt er in Frage. Wie das BLD schreibt, sollen im HSK-Unterricht die Integration in die schweizerische Gesellschaft und das friedliche Zusammenleben zwischen Menschen verschiedener Herkunft einen hohen Stellenwert geniessen. «Wenn man aber fremdsprachige Kinder gesondert in ihrer Herkunftssprache und -kultur unterrichtet, hat das meiner Meinung nach nichts mit Integration zu tun – im Gegenteil.»

Kein zeitgemässes Konzept

Wie also weiter? «Da es keine klare rechtliche Grundlage gibt, kann man den HSK-Unterricht nicht einfach abschaffen», sagt Böhi. Viel wichtiger sei es, dessen Organisation und Struktur von Grund auf zu überdenken. Ursprünglich wurde der HSK-Unterricht eingeführt, um den damaligen Kindern der Gastarbeiter die geplante Rückkehr in ihr Heimatland zu erleichtern.

«Das Konzept ist also nicht mehr zeitgemäss, denn die meisten der Kinder, die heute diesen Unterricht besuchen, werden für immer hier bleiben, und viele von ihnen haben die Schweizer Staatsbürgerschaft.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.