PROJEKTWOCHE: Willkommen in May Beetle City

Das Oberstufenzentrum Degenau in Jonschwil verwandelt sich für eine Woche in eine Kleinstadt mit einer Vielzahl an verschiedenen Geschäften. Diese werden von den Schülerinnen und Schülern eigenständig verwaltet und geführt.

Gianni Amstutz
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Die Schülerinnen und Schüler müssen den Zoll passieren, um Einlass nach May Beetle City zu erhalten. (Bilder: Gianni Amstutz)

Die Schülerinnen und Schüler müssen den Zoll passieren, um Einlass nach May Beetle City zu erhalten. (Bilder: Gianni Amstutz)

Gianni Amstutz

gianni.amstutz@wilerzeitung.ch

Die Lernenden des Oberstufenzentrums Degenau stehen Schlange, um ins Schulhaus zu kommen. Ein eher ungewohntes Bild, zieht es üblicherweise die meisten doch eher in die entge­gengesetzte Richtung. Der Andrang hat einen besonderen Grund: In dieser Woche verwandelt sich die Schule in eine kleine Stadt namens May Beetle City. Sie wird ganz von Klassen geführt. Sowohl politische Entscheide wie auch der Betrieb der zahlreichen Geschäfte obliegen den 135 Schülerinnen und Schülern.

Der Kreativität der Jungunternehmer sind dabei keine Grenzen gesetzt. So finden sich in der Stadt neben einem vielfältigen gastronomischen Angebot auch ein Kino, ein Casino, ein eigener Getränkehandel sowie ein Beauty-Salon. Um Schüler und Besucher über anstehende Anlässe und Geschehnisse in der Stadt zu informieren, betreibt eine Gruppe Lernender zudem einen eigenen Internetradiosender. Dieser sowie weitere Informationen zum Projekt sind unter www.maybeetlecity.jimdo.com zu finden. «Wir wollten den Schülern bewusst keine Einschränkungen in ihren Tätigkeiten machen», sagen Andres Wachter und Barbara Megert, Oberstufenlehrpersonen und Mitorganisierende. Sie hätten ihnen lediglich verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt. Auch während der Projektwoche hielten sich die Lehrpersonen weitestgehend aus dem Betrieb und den Entscheidungen heraus. Bei Fragen und Problemen stünden sie den Schülern jedoch unterstützend zur Seite.

Verschiedene Kompetenzen werden gefördert

Die Projektwoche fördere gleich mehrere Kompetenzen, welche für die Schüler im späteren Leben wichtig seien, erklärt Barbara Megert. «Die Schüler lernen, selbstständig Entscheidungen zu treffen, aber auch ökonomisches Denken.» Zu Beginn der Woche habe jeder Schüler und jede Schülerin eine Aufgabe und ein Startkapital der stadteigenen Währung Bugs. Diese ist dem Kurs des Frankens angeglichen. Danach dürfe jeder selbst entscheiden, wie er sich den «Lebensunterhalt» verdienen wolle. Denn die Schüler seien sowohl Produzenten als auch Konsumenten. Die Präsenzzeiten für die Schüler seien deshalb länger als ihre Arbeitszeit, damit sie die Möglichkeit hätten, ihr verdientes Geld auszugeben, erklärt Wachter. «Damit die Stadt funktioniert und die Schüler gefordert werden, sind wir auf Besucher angewiesen», sagt er.

Manche Geschäfte müssten wahrscheinlich im Lauf der Woche schliessen oder zumindest einen Teil der Angestellten entlassen, um weiter bestehen zu können, sagt Barbara Megert. Besonders in der Gastronomie herrsche mit 18 Angeboten eine grosse Konkurrenz. Arbeitslose könnten sich beim Arbeitsamt melden, wo ihnen nach Möglichkeit eine neue Anstellung angeboten werde. «Es ist aber auch denkbar, dass ein neues Geschäft im Laufe der Woche eröffnet wird, wenn die Schüler ein Bedürfnis entdecken, das noch nicht abgedeckt wird», sagt Andres Wachter.

Ein fünfköpfiger Stadtrat sorgt in der Stadt für einen reibungslosen Ablauf und regelt die Rahmenbedingungen. Auch Steuern werden erhoben. An einer Gemeindeversammlung könne sich die Bevölkerung von May Beetle City in den politischen Prozess einbringen und mitentscheiden, wofür die Steuergelder eingesetzt werden sollen.

Hinweis

May Beetle City im OZ Degenau ist von heute bis Donnerstag jeweils ab 11 Uhr geöffnet.

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