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Projekt mit Klärungsbedarf: Die wichtigsten Fragen und Antworten zur geplanten ARA in Niederuzwil

Ein riesiges Vorhaben: In Niederuzwil soll eine Abwasserreinigungsanlage für die ganze Region Wil-Uzwil entstehen. Die Komplexität des Projekts wirft viele Fragen auf. Die «Wiler Zeitung» versucht, einige davon zu beantworten.
Tobias Söldi
Die ARA in Niederuzwil: Geht es nach der Lenkungsgruppe, soll hier ab 2021 eine moderne gemeinsame ARA gebaut werden. (Bild: Andrea Häusler)

Die ARA in Niederuzwil: Geht es nach der Lenkungsgruppe, soll hier ab 2021 eine moderne gemeinsame ARA gebaut werden. (Bild: Andrea Häusler)

Die Idee klingt zunächst einfach: Die Abwässer von Wil, Jonschwil, Uzwil und Zuzwil sollen künftig in einer gemeinsamen, modernen Abwasserreinigungsanlage (ARA) in Niederuzwil gereinigt werden. Zu diesem Schluss ist eine 2016 gegründete Lenkungsgruppe unter der Leitung von Lucas Keel, Gemeindepräsident von Uzwil, gekommen. Als «Generationenprojekt» bezeichnete er es vergangenen August.

Die Hintergründe, die zu dieser Absicht geführt haben, sind komplex. Auslöser ist die vom Bundesrat genehmigte revidierte Gewässerschutzverordnung, die seit 2016 in Kraft ist. Sie verlangt, dass rund 100 ARA mit einer zusätzlichen Reinigungsstufe ausgerüstet werden, welche ermöglicht, sogenannte Mikroverunreinigungen aus dem Wasser zu filtern. Im Kanton St. Gallen betrifft dies zehn ARA, darunter jene in Wil.

Doch warum braucht es deswegen eine gemeinsame ARA? Warum gerade in Niederuzwil? Und was ist mit dem Gestank? Lucas Keel:

«Das sind wichtige Fragen, aber nur ein Bruchteil der Themen, die wir in der Lenkungsgruppe bearbeiten. Der Zusammenschluss ist eine sehr komplexe Sache.»

Die «Wiler Zeitung» versucht eine Auslegeordnung.

Was sind Mikroverunreinigungen überhaupt? Und was kümmern sie einen?

Mikroverunreinigungen sind Substanzen, die in Gewässern in Konzentrationen von wenigen Nano- bis Mikrogramm pro Liter vorkommen. Sie stammen von Reinigungsmitteln, Medikamenten, Körperpflegeartikeln oder Industriechemikalien. «Für bestimmte Wasserlebewesen sind diese Verunreinigungen schädlich. Wir tragen Verantwortung für unsere Gewässer. Von sauberem Wasser profitieren letztlich alle», sagt Lucas Keel. Das Bundesamt für Umwelt schreibt vom negativen Einfluss auf Wachstum und Fortpflanzung von Fischen oder Amphibien.

Nur Wil muss eine neue Reinigungsstufe einbauen. Warum wird das nicht gemacht?

Dahinter stecken zunächst finanzielle Überlegungen. «Die Vorstudien des Kantons haben klar gezeigt, dass ein Zusammenschluss allen Beteiligten letztlich Kostenvorteile bringt», sagt Keel. Ersparnisse erwachsen aus der gebündelten Investition in die Infrastruktur und insgesamt tieferen Betriebskosten. Es geht aber auch um Solidarität: «Wir verfolgen gemeinsam die Idee der Eliminierung von Mikroverunreinigungen, um unser Wasser zu schützen.» In Niederuzwil würde so das Wasser für die ganze Region von Mikroverunreinigungen befreit werden.

Warum will man etwas Neues bauen, wenn das alte noch funktioniert?

Von den vier ARA ist Wil, 1956 erbaut, die älteste. Die letzte grössere Erweiterung wurde 2000 bis 2004 durchgeführt. Die anderen ARA nahmen ihren Betrieb in den 70er-Jahren auf: Uzwil 1970 (letzte Erweiterung 1995 bis 1999), Zuzwil 1974 (Erweiterung 1992 bis 1995), Jonschwil 1978 (Erweiterung 2000 bis 2004). Mit oder ohne Zusammenschluss, Massnahmen sind nötig: «Ohne die Regionalisierung werden wir etwa 2022 wieder über eine Erneuerung der ARA Niederuzwil nachdenken.» Dasselbe gelte – früher oder später – für alle beteiligten ARA.

Warum muss die neue ARA gerade nach Niederuzwil? Geht es nicht anderswo?

Der Kanton hat in mehreren Studien untersucht, welche Standorte entlang der Thur für einen Zusammenschluss in Frage kommen und dabei Niederuzwil favorisiert. Dafür gibt es verschiedene ökologische und ökonomische Gründe: Aufgrund der topografischen Lage ist der Pumpaufwand gering; verschiedene Teile der heutigen ARA, etwa einzelne Becken, können weiter genutzt werden; der Standort nahe der Autobahn ist gut erschlossen. «Es gibt gute Gründe, dass die ARA Niederuzwil dort steht, wo sie jetzt ist», sagt Keel.

Aus vier ARA wird eine grosse. Wie hoch ist da die Gefahr
der Abhängigkeit?

Eine Kläranlage in der Grösse einer solchen, wie sie in Niederuzwil geplant ist, wird grundsätzlich mehrstrassig gebaut. Das bedeutet: Es gibt mehrere parallele Reinigungsstufen, die in einem Notfall oder bei Sanierungen separat genutzt werden können. «Eine grosse Kläranlage besteht eigentlich aus zwei Anlagen auf einem Areal», erklärt Lucas Keel. Aus diesem Grund biete eine grosse Abwasserreinigungsanlage mehr Reaktionsmöglichkeiten als eine kleine. «Je grösser die ARA, desto höher die Sicherheit und stabiler der Betrieb.»

Was ist der Stand der Dinge? Was sind die nächsten Schritte? Und wann ist Baubeginn?

Die Realisierung einer gemeinsamen ARA in Niederuzwil befindet sich in der ersten Phase. Nach der Initialisierung Ende 2016 und dem Entscheid der beteiligten Gemeinden, das Vorhaben in Angriff zu nehmen, geht es zurzeit um die Auswahl der Planer für das Vorprojekt. Die Lenkungsgruppe wird dabei durch das Zürcher Büro TBF+Partner AG unterstützt. «Unser Ziel ist es, Mitte 2019 die Planer mit dem Vorprojekt zu beauftragen», sagt Keel. 2021 soll das Volk über ein ausgearbeitetes Bauprojekt entscheiden können.

Was passiert mit den bestehenden ARA in Wil, Jonschwil und Zuzwil?

Eine klare Antwort auf diese Frage kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gegeben werden. «Das muss im Vorprojekt geklärt werden», sagt Lucas Keel. Denkbar sei der Rückbau oder die Nutzung als Ausgleichs- oder Havariebecken. «Wenn die Gebäude und technischen Funktionen nicht mehr nötig sind, werden sie abgebrochen.» Lehnt eine der Gemeinden das Projekt ab, ist das Vorhaben gescheitert und die bestehenden ARA bleiben in Betrieb. Keel betont: «Dann müsste die zusätzliche Reinigungsstufe in Wil gebaut werden.»

Ein Riesending: Wie hoch sind die Kosten dafür? Und wer zahlt?

Verlässliche Aussagen zu den Kosten können ebenfalls noch nicht gemacht werden. Die Vorstudien des Kantons gehen von 80 Millionen Franken aus, sagt Lucas Keel. «Das ist eine sehr grobe Schätzung. Das Vorprojekt wird zeigen, ob diese Annahme stimmt.» Auch die Fragen der Trägerschaft, der Finanzierung und des Kostenschlüssels werden im Rahmen des Vorprojekts geklärt. Klar ist, dass sich der Bund zu 75 Prozent an den Investitionskosten für die Reinigungsstufe zur Eliminierung der Mikroverunreinigungen beteiligt.

Eine Abwasserleitung von Wil nach Niederuzwil – ist das keine Gefahr für die Umwelt?

Noch ist nicht klar, wo die Leitungen von Wil, Jonschwil und Zuzwil nach Niederuzwil durchführen würden. Mit Blick auf die Umweltgefahr gibt Lucas Keel Entwarnung: «Es ist natürlich unser ureigenstes Interesse, dass das Wasser und die Umwelt bestmöglichst geschützt werden.» Ausserdem sei die geplante Leitung nicht die erste, die durch ein kritisches Gebiet geführt wird. Und: «Unsere Fachleute sagen, dass eine Leitung nicht einfach ‹bricht›, sondern über die Jahre allenfalls undicht wird. Um dies zu vermeiden, wird regelmässig kontrolliert und gewartet.»

Eine Kläranlage in Niederuzwil: Das stinkt doch zum Himmel. Und erst der Verkehr.

Die Angst vor Geruchsemissionen ist unbegründet. «Eine ARA lässt sich heute so bauen, dass man den Geruch im Griff hat», sagt Lucas Keel. Eine Kläranlage stinke vor allem lokal, zudem bestünde die Möglichkeit, das Areal einzuhausen, das heisst, ganz einfach abzudecken. Die Verkehrsbelastung wird vor allem während der Bauzeit zunehmen: «Es wird eine grosse Baustelle werden, das lässt sich nicht kleinreden.» Ist die Anlage einmal in Betrieb, werde sich das Verkehrsaufkommen aber gegenüber heute nicht substanziell erhöhen.

Hinweis: Wil und Uzwil haben den Kredit für das Vorprojekt bereits genehmigt. In Jonschwil und Zuzwil ist das Budget mit dem entsprechenden Kredit Thema an den Bürgerversammlungen heute Donnerstag (Jonschwil) und am Freitag (Zuzwil).

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