Privilegien müssen gerechtfertigt werden

Auch dieses Jahr sind in den verschiedenen Sportschulen Schüler eingetreten, die Schule und Spitzensport unter einen Hut bringen möchten. Wer das in einem Jahr auch tun will, muss bereits jetzt die Weichen dafür stellen. Voltige Lütisburg hat diesbezüglich seine Mitglieder informiert.

Urs Nobel
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Ramona Näf war die erste Voltigiererin, die in einer Sportschule Aufnahme fand. (Bild: Esther Di Maria)

Ramona Näf war die erste Voltigiererin, die in einer Sportschule Aufnahme fand. (Bild: Esther Di Maria)

VOLTIGE. Von Monika Winkler-Bischofbergers Schützlingen bei Voltige Lütisburg befinden sich momentan drei Schülerinnen in einer Sportschule. Zwei in Wil, eine in St. Gallen. Grundsätzlich bekundet der Verein aus dem Toggenburg Interesse, dass seine Voltis in die Sportschule können. Um den Weg für das nächste Jahr zu ebnen, organisierte die Haupttrainerin und Longenführerin der ersten Mannschaft einen Informationsabend, der sehr gut besucht war. Als wichtigsten Faktor zu einer Teilnahme in der Sportschule bezeichnete Monika Winkler-Bischofberger, dass die sportliche Leistung, die Motivation und das familiäre Umfeld dazu stimmen müssen. Und dass Voltigiererinnen erst ab dem Alter von zwölf Jahren (Oberstufe) daran teilnehmen können.

Rechtzeitig in die Wege leiten

Es sei bereits jetzt der Zeitpunkt, alles in die Wege zu leiten, um den Schritt per Sommer 2016 zu wagen. «Ich muss die Möglichkeit haben, interessierte Mitglieder in das Kader zu integrieren, sofern sie es noch nicht sind. Denn die Swiss-Olympic-Talent-Card ist eine Voraussetzung, um Aufnahme an einer Sportschule zu finden.» Dank der im Voltigeverband neu integrierten Talentförderung-Gruppe (Tafö) könne aber auch schon eine «regionale Talent-Card» reichen. Vom rein sportlichen Standpunkt ist Monika Winkler-Bischofberger überzeugt, dass ihre Schützlinge dank des Besuchs einer Sportschule grosse Fortschritte machen können. Das hat Ramona Näf bewiesen, welche die erste Voltigiererin in der Schweiz war, die Aufnahme in einer Sportschule fand.

Engmaschige Betreuung

Die Wiler Sportschule hat einen sehr guten Ruf und ist zertifiziert. Sie bekommt von ihren Abgängern und deren Eltern ein ausnahmslos gutes Zeugnis. «Es ist die engmaschige Betreuung, die den Erfolg der Schule ausmacht. Aber die Schülerinnen und Schüler müssen ihre Privilegien rechtfertigen.» Um nochmals auf Ramona Näf zurückzukommen, kann Monika Winkler bestätigen, dass die junge Sportlerin vom guten Umfeld an der Sportschule profitiert und positive Zeichen gesetzt habe. «Ramona hat enorm profitiert.»

Mit den Kunstturnerinnen

Voltige Lütisburg und deren Verantwortliche sind sich aber auch bewusst, dass für sie ein grösserer Aufwand auf dem Programm steht. Monika Winkler-Bischofberger beispielsweise müsste mit ihren Schützlingen dreimal in der Reithalle stehen. Einmal kann sie sich das vorstellen. Für die anderen vorgeschriebenen Trainings hofft sie, dass sie mit den Kunstturnerinnen einen gemeinsamen Weg findet. «Ich bin gut befreundet mit der Erfolgstrainerin Marianne Steinemann und wäre froh, ihr meine Schülerinnen beispielsweise an zwei Tagen abzugeben.»

Es kann nicht alles gratis sein

So verlockend ein Schulbesuch an einer Sportschule auch tönt, Monika Winkler-Bischofberger muss sich zur Decke strecken, um alle Anforderungen an sie und ihre Schützlinge zu erfüllen. Sie macht sich deshalb Gedanken, wie es ihr möglich sein könnte, noch mehr als bis anhin in der Reithalle zu stehen. «Was gut ist, darf auch etwas kosten.» Möglich, dass ein Teil den betroffenen Eltern zusätzlich belastet wird, möglich auch, dass man neue Geldquellen suchen muss.