Gemeindechronisten laden zur ersten Ausstellung:«Degersheim und seine Bahn»

Im September wurde die Degersheimer Chronikstube eröffnet. Jetzt wird mit der ersten Ausstellung aufgewartet.

Andrea Häusler
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Das Team der Gemeindechronisten: Silvan Locher, Hanspeter Indermaur und Leo Kessler. (Bilder: Andrea Häusler)

Das Team der Gemeindechronisten: Silvan Locher, Hanspeter Indermaur und Leo Kessler. (Bilder: Andrea Häusler)

Am 1. Oktober 1910 fährt der erste Eisenbahnzug in Degersheim ein. Der Anschluss der damaligen 3760-Einwohner-Gemeinde ans Schienennetz ist ein geschichtlicher Markstein, dessen Ursprung ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Ausgehend von der örtlichen «Donnerstagsgesellschaft» bildete sich 1889 ein Initiativkomitee für eine Eisenbahnverbindung St.Gallen–Herisau–Degersheim–Neckertal–Wattwil–Rapperswil. Führender Kopf war der Degersheimer Stickereifabrikant und Kurhauserbauer Isidor Grauer-Frey. Der Weg bis zur Realisierung der heutigen Zugstrecke war lang, diskussionsintensiv und mit Finanzierungsproblemen gepflastert. Und es blieben auch Wünsche unerfüllt. So blieb Grauers Vision einer Fortsetzung der Bahnverbindung nach Zug und damit die Anbindung der Ostschweiz an den Gotthard ein Traum.

Zwischen der Inbetriebnahme der Bahnstrecke und der Fusion der Bodensee-Toggenburg-Bahn (BT) mit der «alten» Südostbahn zur «neuen» Schweizerischen Südostbahn AG (SOB) im Jahr 2001 liegen 91 Jahre voller Ereignisse. Da waren unter anderem die Einweihungsfestivitäten ums Loki-Denkmal im Jahr 1965, das internationale Dampflokfest 1972, die Inbetriebnahme der neuen Stationsanlage 1983 und der Doppelspur im Jahr 2003.

Ergänzt wird die Ausstellung mit Trouvaillen aus der Chronikstube: Hier ein Siegel des letzten Vogts, Ignaz Neff (1766–1798).

Ergänzt wird die Ausstellung mit Trouvaillen aus der Chronikstube: Hier ein Siegel des letzten Vogts, Ignaz Neff (1766–1798).

Das Team der Chronikstube Degersheim, Hanspeter Indermaur, Silvan Locher und Leo Kessler, haben das, was die Zeit als Wort- oder Bilddokumente überdauert hat, zusammengetragen, sortiert, aufbereitet und zu einer Ausstellung vereint: der ersten seit der Eröffnung des Büroarchivs im Feuerwehrdepot im September dieses Jahres.

Ausstellung mit Aktualitätsbezug

Die Wahl des Schwerpunktthemas habe natürlich mit der aktuellen Diskussion um die Gestaltung des Bahnhofgebiets im Zusammenhang mit dem Bahnhofumbau der SOB zu tun, sagt Hanspeter Indermaur. «Wir wollen Degersheim aber auch etwas bieten und damit dokumentieren, dass die Chronikstube eine Daseinsberechtigung hat und wir unsere Aufgaben als Gemeindechronisten ernstnehmen». Deshalb beschränkt sich die Ausstellung auch nicht auf «Degersheim und seine Bahn». Gleichzeitig werden Trouvaillen gezeigt, die bereits in der Chronikstube lagern. Beispielsweise ein Siegel aus dem Besitz des letzten Vogtes, Ignaz Neff.

Auf der Suche nach Zeitzeugen

Weder Apps noch E-Tickets: alte Fahrkarten.

Weder Apps noch E-Tickets: alte Fahrkarten.

Seit der Eröffnung hat sich im Büro beim Werkhof einiges getan. Ein grosser Teil der Dokumente sei inzwischen digitalisiert, sagt Hanspeter Indermaur. Dennoch bleibt noch viel zu tun. Unter anderem müsse die Bevölkerung sensibilisiert und überzeugt werden, dass ihre lokale «Schätze» in der Chronikstube gut aufgehoben sind.

Hinweis: Was wäre Degersheim ohne seine Bahn? Das Team der Chronikstube hat sich mit dieser und anderen Fragen rund um die BT und SOB auseinandergesetzt. Die daraus entstandene Ausstellung wird am Freitag, 29. November, eröffnet und dauert bis zum 1. Dezember. Ausstellungsort ist der Theoriesaal der Feuerwehr. Die Ausstellung ist freitags von 17 bis 20 Uhr, samstags von 18 bis 20 Uhr und am Sonntag von 14 bis 16 Uhr geöffnet.