«Prächtig und einzigartig»

Regionales Kulturgut – Teil 2: Das Schloss Zuckenriet thront über dem Dorf, eine katholische Kirche wurde schon vor 1100 Jahren erwähnt, und der Künstler Wilhelm Lehmann erschuf sein eigenes kleines Paradies in einer verlotterten Mühle.

Benjamin Pelzmann
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NIEDERHELFENSCHWIL. Der Schweizerische Kulturgüterschutz KGS ist auf den Stufen Bund, Kanton und Gemeinde organisiert. Abgestützt auf das nach dem Zweiten Weltkrieg unterzeichnete Haager Abkommen (Wiler Zeitung vom 9. März) führt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz mit den Kantonen Inventarlisten nach. Darauf sind die Kulturgüter von nationaler und regionaler Bedeutung zu finden. Die Kantone führen eine eigene Stelle für den Kulturgüterschutz, auf Gemeindeebene werden geplante Massnahmen umgesetzt.

Festlich gestaltete Kirche

In Niederhelfenschwil sind es zwei Bauten mit nationaler Bedeutung, die auf der St. Galler Liste zu finden sind: die Katholische Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Niederhelfenschwil und das Schloss Zuckenriet. Erstere wurde bereits im Jahr 903 erstmals erwähnt. Neu erbaut wurde sie in den Jahren 1786 und 1787, genau hundert Jahre später, 1887, erstmals renoviert. Der Innenraum der Kirche ist festlich gestaltet und weist ein grosszügig konzipiertes Kuppelgewölbe auf. Ein Teil der Kirche besteht aus Tuffstein, der teilweise ganz in der Nähe – bei der Kobesenmühle – gewonnen wurde.

Vom Turm zum Schloss

Das Schloss Zuckenriet, das über dem kleinen Dorf thront, wird vom KGS beschrieben als «prächtiger Bau an einzigartiger Lage». Es gebe im Kanton St. Gallen kein weiteres Beispiel dieser Gattung. Erbaut wurde es im 11. und 12. Jahrhundert unter Abt Ulrich von Eppenstein – damals noch als viereckiger Turm. Sein heutiges Aussehen erhielt das Schloss Zuckenriet in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Das Schloss gelangte in den 30er-Jahren des 18. Jahrhunderts in den Besitz der Fürstabtei St. Gallen, nach der Jahrhundertwende ging es dann in Privatbesitz über.

Das Wohnhaus renoviert

Von regionaler Bedeutung ist die Kobesenmühle. Die an ein Wohnhaus aus dem 17. Jahrhundert angebaute Mühle wurde 1758 errichtet und wird heute als Ausstellungsraum genutzt. «1918 zog der Künstler Wilhelm Lehmann hierher», sagt Markus Lehmann von der Stiftung, die das Lebenswerk des Künstlers erhalten und pflegen will. «Er fand ein altes Wohnhaus vor, das sich in schlechtem Zustand befand.» Zusammen mit seiner Frau habe er die Anlage mit üppigem Garten dann aber wieder bewohnbar gemacht.

Kunst und Raum schützen

Der Künstler sei stark mit der Natur verbunden gewesen, habe mit dem gearbeitet, was er darin fand, sagt Markus Lehmann, der mit dem Künstler verwandt ist. Die aus Wurzeln herausgeschnitzten Statuen und andere Kunstwerke stellt er mit seinem Team turnusmässig in der Mühle aus, heuer wieder ab dem 7. April. Auch Holzschnitte hat Wilhelm Lehmann angefertigt, in denen er sich kritisch mit dem Zeitgeschehen auseinandersetzt. Rund um das Wohnhaus und die Mühle stehen noch weitere Häuser in der nach einem Jakob («Kobes») benannten Kobesen. Die ganze Anlage wirkt paradiesisch, als sei die Zeit stehengeblieben. «Das ist unser Ziel», so Lehmann. «Wir wollen die Kunst und den Raum dieses Ortes intakt behalten und schützen.» Auch der Garten bei der Mühle wird noch traditionell genutzt. Verena Lehmann, die Tochter des Künstlers Wilhelm Lehmann, bewohnt die Kobesenmühle noch heute.

Quellen: www.kulturgueterschutz.ch www.gsk.ch www.hls-dhs-dss.ch www.niederhelfenschwil.ch

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