«Polizisten» in der Reuse

Vor acht Jahren wurden im Wiler Stadtweiher 100 Edelkrebse angesiedelt. Mittlerweile dürfte der Bestand bei mehreren tausend Tieren liegen. Die Stadt hat kürzlich eine Bewilligung zum Fang der sogenannten «Gesundheitspolizisten» erhalten.

Ursula Ammann
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Guido Bundi, Aufseher der Jugendfischerei, und Max Forster vom Departement Bau Umwelt und Verkehr begutachten den gefangenen Edelkrebs. (Bild: zVg)

Guido Bundi, Aufseher der Jugendfischerei, und Max Forster vom Departement Bau Umwelt und Verkehr begutachten den gefangenen Edelkrebs. (Bild: zVg)

«Hier verkriechen sich die Krebse am liebsten», erklärt Guido Bundi: Der Aufseher der Jugendfischerei zeigt auf die unter dem Wasser durchschimmernden Steine und Wurzeln am Ufer des Stadtweihers. Im Oktober 2004 wurde der Weiher mit 100 Edelkrebsen (50 Weibchen und 50 Männchen) besetzt. Heute, nach acht Jahren, könne der Bestand auf mehrere tausend Tiere geschätzt werden, so Bundi.

Scheren zählen

Mitte August setzte die Stadt unter anderem im Beisein des kantonalen Fischereiaufsehers ein paar Reusen, worin sich am Tag darauf 148 Krebse tummelten. Diese wurden auf ihren gesundheitlichen Zustand überprüft: auf Krankheiten wie die Krebspest beispielsweise oder auf fehlende Gliedmassen. «Es ist völlig normal, dass der Krebs im Laufe seines Lebens einmal eine Schere oder eine Antenne verliert», erklärt Guido Bundi. «Aber nur, wenn sie wieder nachwächst, ist das Tier auch gesund.» Auch die Grösse, das Geschlecht und die Fangstellen wurden am besagten Tag registriert. Ein Teil der Krebse wurde dem Fischereiaufseher übergeben, der sie in einem anderen Gewässer ansiedelte. Kleine bis mittelgrosse Tiere fanden den Weg zurück in den Weiher.

Der gesundheitliche Zustand, aber auch die stattliche Anzahl der gefangenen Edelkrebse – letztere lässt auf den Gesamtbestand rückschliessen – wurde vom kantonalen Amt für Natur, Jagd und Fischerei positiv bewertet. Deshalb ist die Stadt Wil nun seit kurzem im Besitz einer «Bewilligung zum Fangen von Krebsen». Doch was passiert mit den gefangenen Edelkrebsen? Ein Leitfaden, den das Departement für Bau, Umwelt und Verkehr zusammen mit Guido Bundi kürzlich ausgearbeitet hat, bestimmt die Regeln: Der Fang darf nur ausserhalb der zehnmonatigen Schonzeit und nur im Beisein des Aufsehers (Guido Bundi) oder dessen Stellvertreter erfolgen. Jeder Krebs wird registriert – mit Fangdatum, Geschlecht, Verletzungen und Grösse: Edelkrebse, die von der Nasenspitze bis zum Schwanz-Ende weniger als zwölf Zentimeter messen, müssen zurück ins Wasser.

Nur für private Teller

Die anderen dürfen theoretisch auf dem Teller landen. Allerdings nicht in Restaurants, sondern nur in Privathaushalten, sprich in Elternhäusern der Jungfischer, wie Guido Bundi sagt. Max Forster vom städtischen Departement für Bau, Umwelt und Verkehr erklärt, dass sich die Eltern bei Interesse anmelden müssen. «Zuerst müssen diese Eltern aber einen Kurs besuchen, wo ihnen der fachgerechte Umgang mit den Tieren nähergebracht wird», betont Forster. Die Weitervergabe oder der Weiterverkauf an Dritte sei strengstens untersagt, zitiert er aus dem Leitfaden. Mit einer grossen Nachfrage nach den Krebsen zu Speisezwecken rechnet Max Forster aber ohnehin nicht. Es habe auch nicht Priorität, diese zu «verwenden». «Das Wichtigste ist, zu sehen, dass sich der Edelkrebs im Stadtweiher etabliert hat und sich hier wohl fühlt», fügt Max Forster an.

Bild: URSULA AMMANN

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