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Politik und Volk besorgt über Ausstieg der Genossenschaft für Alterswohnungen

Die GAW will nicht länger Teil des Projekts «Älter werden im Quartier» sein. Grund dafür ist, dass die Stadt ihr kein Baurecht für den Bau von zwei Gebäuden erteilen will. Das sorgt nun sowohl auf politischer Ebene als auch bei der Bevölkerung für Sorgenfalten.
Gianni Amstutz
Eine Visualisierung des Projekts «Älter werden im Quartier». (Visualisierung: PD)

Eine Visualisierung des Projekts «Älter werden im Quartier». (Visualisierung: PD)

«Älter werden im Quartier». So lautet der Name des Projekts, in Zuge dessen in Bronschhofen 34 Alterswohnungen, 44 Familienwohnungen, ein Restaurant und ein Einkaufsladen entstehen sollen. Nun dürften dereinst aber nicht nur betagte Wiler älter werden im Quartier, auch das Projekt selbst wird von seiner Idee bis zur Realisierung noch ein paar Monate oder gar Jahre mehr erleben, als angenommen.

Geplant war die Realisierung des Projekts bis im Jahr 2021. Die Eröffnung des Alterszentrums wird sich jedoch um mindestens ein Jahr verschieben. Einerseits muss die Stadt zuerst einen Sondernutzungsplan genehmigen, anderseits ist eine Teilzonenänderung nötig (die «Wiler Zeitung» berichtete). Eine Frage, die derzeit aber noch mehr beschäftigt, ist jene des Baurechts und der überraschende Ausstieg der Genossenschaft für Alterswohnungen Wil (GAW) aus dem Projekt. Diese hätte sich eigentlich mit zwei Bauten an der Überbauung unter der Federführung der Thurvita AG beteiligt. Doch nun steht das Projekt – zumindest in seiner ursprünglich geplanten Form – auf der Kippe.

GAW will nicht auf fremdem Boden bauen

Wie Bruno Gähwiler, Verwaltungsratspräsident der GAW, gegenüber dieser Zeitung erklärt hat, liegt der Grund für den Ausstieg der GAW aus dem Projekt daran, dass die Stadt die Baurechte für die Parzellen einzig an die Thurvita AG vergeben will. Unter diesen Voraussetzungen ist die GAW allerdings nicht mehr bereit, Gelder für den Bau von Gebäuden «auf fremden Boden» zu investieren. Dadurch würden 20 Millionen der geschätzten 50 Millionen Franken aus der Planung fallen. Thurvita-CEO Alard du Bois-Reymond sagte, dass für den Ausstieg der GAW verschiedene Varianten vorbereitet sind. Eine Möglichkeit wäre eine Bankenfinanzierung, eine andere ein Investorenwettbewerb.

Erwin Böhi reicht Anfrage ein

Der überraschende Ausstieg der GAW aus dem Projekt hat nun auch die Politik auf den Plan gerufen. SVP-Stadtparlamentarier Erwin Böhi will mit einer Anfrage an den Stadtrat Klarheit schaffen. So erkundigt er sich, ob der Stadtrat den Rückzug der GAW aus dem Projekt bestätigen könne und fragt nach den Gründen, die dazu geführt haben. Zudem will er wissen, wie die Verzögerungen bei der Realisierung erklärt werden können. Schliesslich bittet er den Stadtrat darum, einen Terminplan für die Projektierung, unter Berücksichtigung der Genehmigungsverfahren für den Baurechtsvertrag, den Sondernutzungs- und Teilzonenplan bekanntzugeben sowie eine Angabe zum Baustart des Projekts zu machen.

Fragezeichen hinter dem Entscheid des Stadtrats

Doch nicht nur die Politik beschäftigt das Thema. In einem offenen Brief (siehe Box) wenden sich nun auch sieben Einwohner der Stadt Wil direkt an den Stadtrat – und setzen grosse Fragezeichen hinter dessen Entscheidung, nur auf einen Partner zu setzen. Dass die Stadt sowohl der Thurvita AG als auch der GAW ein Baurecht erteilt, sollte ihrer Meinung nach eigentlich reine Formsache sein. Sie haben deshalb kein Verständnis für das Vorgehen des Stadtrats und verlangen – wie auch Stadtparlamentarier Erwin Böhi –, dass die Regierung ihren Entscheid begründet.

Da die Anfrage von Böhi hängig ist und das Parlament Erstinformationsrecht geniesst, sind dem Stadtrat aber die Hände gebunden. Er kann zurzeit keine Erklärung in dieser Frage abgeben.

Der offene Brief an den Stadtrat

Vor einigen Jahren erfuhr die Wiler Öffentlichkeit vom interessanten Thurvita-Konzept «Älter werden im Quartier» im Zusammenhang mit einer geplanten Überbauung in Bronschhofen. Erfreut nahm man wenig später zur Kenntnis, dass diese durch eine ausschliesslich lokale – und offenbar grundsolide – Trägerschaft, bestehend aus der katholischen Kirchgemeinde, der Thurvita AG und der Genossenschaft für Alterswohnungen Wil (GAW), realisiert werden soll. Dass der Thurvita AG und die GAW seitens der Stadt Wil als Eigentümerin der beiden Landparzellen ein Baurecht einzuräumen war, konnte als blosse Formsache betrachtet werden, ist diese doch bei beiden Institutionen als Genossenschafterin beziehungsweise Aktionärin beteiligt und auch im Verwaltungsrat – jeweils mit Stadtrat Dario Sulzer – vertreten.

Gross war die Überraschung, als der «Wiler Zeitung» zu entnehmen war, dass die GAW entgegen einer früheren grundsätzlichen Zustimmung (und mehr als ein Jahr nach der Gesuchseinreichung) kein Baurecht erteilt werde mit der Begründung: «Der Stadtrat möchte die Sicherstellung der Altersstrategie – so wie sie auch in der Eigentümerstrategie zwischen der Stadt und der Thurvita AG vereinbart ist – nur mit einem gesamtverantwortlichen Partner und somit einem Bauberechtigten sicherstellen.» Abgesehen davon, dass diese «Erleuchtung» dem Stadtrat reichlich spät kam, ist deren Begründung eine Leerfloskel und damit absolut nichtssagend.

Wie Bruno Gähwiler als Präsident der GAW überzeugend darlegte, ist für die Genossenschaft ein Unterbaurecht seitens der Thurvita AG kein gangbarer Weg. Unseres Erachtens hat die Wiler Bevölkerung einen Anspruch darauf, vom Stadtrat über seine Beweggründe, einen über viele Jahre bewährten Partner auszuschalten, einlässlich informiert zu werden. Noch wäre Zeit, auf den kaum nachvollziehbaren Entscheid zurückzukommen und damit einem für die Stadt wichtigen Projekt nicht unnötig Steine in den Weg zu legen.

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