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Podium zur Integration: Der Psychologe Ahmad Mansour wünscht sich einen liberalen Islam in Europa

«Integration scheitert nicht, weil die Leute böse sind, sondern weil sie Angst haben, ihre Identität zu verlieren» – Für den den palästinensischen Psychologen Ahmad Mansour fördert Angst radikale Gedanken. Er forderte an einem Podium im Wiler Stadtsaal, dass sich der Islam in Europa westlichen Werten anpassen müsse – und nicht umgekehrt.
Christof Lampart
Sie diskutierten im Wiler Stadtsaal Integrationsfragen: Ahmad Mansour, Helene Aecherli, Fredy Fässler, Bekim Alimi und der Gastgeber des Podiums und Präsident der Schweizerischen Freidenker-Vereinigung, Andreas Kyriacou. (Bild: Christof Lampart)

Sie diskutierten im Wiler Stadtsaal Integrationsfragen: Ahmad Mansour, Helene Aecherli, Fredy Fässler, Bekim Alimi und der Gastgeber des Podiums und Präsident der Schweizerischen Freidenker-Vereinigung, Andreas Kyriacou. (Bild: Christof Lampart)

Ahmad Mansour nahm am Montagabend auf Einladung der Freidenker-Vereinigung Schweiz im Rahmen eines Podiums zu Integrationsfragen Stellung. Weitere Teilnehmer der gut überwachten und von der Journalistin Helene Aecherli geleiteten Gesprächsrunde, welche von über 100 Personen im Stadtsaal besucht wurde, waren der Imam der Wiler Moschee, Bekim Alimi, und der St. Galler Regierungsrat und Sicherheitsdirektor Fredy Fässler (SP).

Mansour sagte, dass für ihn Demokratie durchs Streiten gefestigt werde – und nicht durch die Vermittlung unterschwelliger Ängste oder einer falschen Harmonie. Mansour sagt:

«Man muss aushalten, dass andere Leute eine andere Meinung haben.»

Streiten könne man nicht nur mit Menschen, sondern auch mit Gott. «Ich bin Moslem und trinke am Freitagabend ein Glas Wein. Ich bin bereit vor Gott zu stehen und ihm zu sagen: Ich habe kein Problem damit gehabt, das zu tun und ich verstehe nicht, warum du ein Problem damit hast.»

Zu Ahmad Mansour

Der deutsch-israelische Ahmad Mansour ist ein Psychologe, der sich intensiv mit Integrationsfragen beschäftigt und Gast in verschiedenen deutschen Polit-Talk-Sendungen ist. Der Islamismus-Experte engagiert sich mit Initiativen und Projekten gegen Radikalisierung. Seit 2004 lebt Mansour in Deutschland und hat seit 2017 die deutsche Staatsbürgerschaft. (dar)

Radikalismus entsteht durch Ängste

Er selbst sei einst auch radikal gewesen, denn als junger Palästinenser fand er sich sofort nach seiner Ankunft in Deutschland in einer arabischsprechenden Parallelgesellschaft wieder, mit der die Deutschen nichts zu tun haben wollten. Statt Integration wurde im Alltag Separation vorgelebt, was im Heranwachsenden die Wut auf alles Nichtarabische stärkte: «Ich hasste alle, die Schweinefleisch assen oder ihre Eltern ins Altersheim abschoben.» Demgegenüber stand die Haltung vieler Deutsche, die in Moslems «Schläfer», «nicht integrierbare Sozialempfänger» oder, wie die Linken, «Kuscheltiere» sahen.

Die Moslems wiederum, etwa die Flüchtlinge, die seit 2015 in einer Migrationsbewegung zu Hunderttausenden aus Afghanistan und Syrien nach Deutschland strömten, litten nicht nur unter der Verallgemeinerung, sondern befürchteten in der Fremde auch den Verlust ihrer kulturellen Identität. Doch wer sich ängstige, sei empfänglich für radikale Gedanken. Mansour sagt dazu:

«Integration scheitert nicht, weil die Leute böse sind, sondern weil sie Angst haben, ihre Identität zu verlieren.»

Deshalb müsse Europa Migranten von Anfang an klarmachen, welche Werte hier gelten. Wer diese akzeptiere, könne bleiben, andere nicht. Zu den Werten gehöre auch, dass eine Muslima ein sexuelles Verhältnis mit einem Christen haben dürfe und dass ein Ehrenmord inakzeptabel sei. Oder dass eine Staatsangestellte neutral sein müsse und deshalb öffentlich kein Kopftuch tragen dürfe.

Er wünsche sich einen liberalen Islam, der für die Menschenrechte eintrete und keine Ängste schüre. Als Moslem trete er dafür ein, dass der Islam die Religionsfreiheit akzeptiere. Und diese schliesse ein, aus der Religion auszusteigen zu können und sie zu kritisieren zu dürfen. Bekim Alimi erwiderte, dass er da völlig einer Meinung mit Mansour sei – und lud ihn ein, bei Gelegenheit in der Wiler Moschee zu den Gläubigen zu sprechen.

Weltoffene Wiler Muslime

Regierungsrat Fredy Fässler. (Bild: Regina Kühne)

Regierungsrat Fredy Fässler. (Bild: Regina Kühne)

In Wil pflege man einen europäischen und nicht arabisch geprägten Islam, der einen starken Austausch mit anderen Religionen und die Akzeptanz der in der Schweiz geltenden Werte und Gesetze betone, sagte der Imam. Für Regierungsrat Fredy Fässler ist eine Integration «nie abgeschlossen». Im Kanton St. Gallen unterrichte man Asylbewerber nicht nur im Deutsch, sondern auch in Staatskunde, um sie mit dem geltenden System, den Werten und Pflichten vertraut zu machen. Fässler sagt:

«Der Diskurs über die Integration ist ein zentrales Mittel, um diese gut gelingen zu lassen.»

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