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Was Autoposern und männlichen Schimpansen gemein ist: Imponiergehabe fordert Polizei und Zoodirektion

Im «Persönlich im Hof zu Wil» wurde Zoodirektorin Karin Federer und dem Chef der Kantonspolizei St. Gallen, Bruno Zanga, auf den Zahn gefühlt.

Josef Bischof
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«Persönlich im Hof zu Wil»: Roland P. Poschung im Gespräch mit Zoo-Direktorin Karin Federer und Polizeikommandant Bruno Zanga (von links).

«Persönlich im Hof zu Wil»: Roland P. Poschung im Gespräch mit Zoo-Direktorin Karin Federer und Polizeikommandant Bruno Zanga (von links).

Bild: Josef Bischof

Sie steht Auge in Auge mit wilden Tieren. Er führt das Korps der Kantonspolizei, deren Mitglieder nicht selten in schwierige Situationen geraten. Beide haben in ihrer Fachrichtung promoviert, sie in der Veterinärmedizin, er in der Rechtswissenschaft. Am Sonntag gaben Karin Federer, Tierärztin und Direktorin des Walter Zoos in Gossau, und Bruno Zanga, Kommandant der Kantonspolizei St. Gallen, im Hof zu Wil Einblick in ihr Leben und ihren Erfahrungsschatz.

Vor sieben Jahren ist der Start zu den Gesprächen «Persönlich im Hof zu Wil» erfolgt. Nach coronabedingtem Unterbruch sind sie am Sonntag fortgesetzt worden. Ein beachtliches Publikum wartete gespannt darauf, was Moderator Roland P. Poschung seinen Gästen zu entlocken vermochte.

900 Mitarbeitende oder 1067 Tiere

Beide Gäste konnten fürs erste mit grossen Zahlen aufwarten. Bruno Zanga steht einem Korps mit über 900 Mitarbeitenden vor, am 1. November seit exakt zehn Jahren. Vorher war der Jurist 18 Jahre im Migrationsbereich des Kantons St. Gallen tätig. Für die Betreuung der 1067 Tiere im Walter Zoo, verteilt auf 123 Tierarten, sowie die Organisation des Betriebs stehen 74 Mitarbeitende, 48 Aushilfen und 45 Freiwillige im Einsatz. Der Zoo zählt jährlich 270’000 Besucher. Um das Wohl der Tiere kümmert sich mittlerweile eine zweite Tierärztin. Karin Federer hat als Direktorin des Zoos auch viele administrative Arbeiten zu erledigen. Auf dem 2017 erworbenen angrenzenden Land ist eine Erweiterung des Zoos geplant. Die vorgesehenen Kosten von über 40 Millionen Franken dürften der Direktorin nach eigener Aussage noch die eine oder andere schlaflose Nacht bereiten.

1'000 Rechtsextreme und ein ausgebüxtes Zebra

Auf herausfordernde Momente angesprochen, führte Bruno Zanga die Versammlung von 5'000 Rechtsextremen im Oktober 2016 in Unterwasser an, welche einigen Wirbel verursacht hatte. Im Vorfeld sei von einer Versammlung im süddeutschen Raum die Rede gewesen. Der Anlass in Unterwasser sei als Musikfest für Kinder angekündigt worden. Die Polizei sei völlig überrascht worden und habe beim Eintreffen in Unterwasser bereits 1'000 Rechtsextremen gegenüber gestanden. Als Lehre daraus verfolge man Aktionen im Vorfeld von Veranstaltungen jetzt genauer. In Unterwasser beispielsweise hätte man aufgrund der Tatsache, dass hektoliterweise Bier bestellt worden sei, aufmerksam werden müssen.

Von Unglücksfällen sei der Zoo in letzter Zeit verschont geblieben, sagte Karin Federer erleichtert. Das Zebra, das ausgebüxt sei, habe glücklicherweise selbstständig wieder zu seinem Stall zurückgefunden. Auch mit Demonstrationen von Tierschützern sei der Zoo nicht konfrontiert worden. Das schreibt die Direktorin der fortschrittlichen Tierhaltung zu.

Autoposer und männliche Schimpansen

Den Autoposern, welche der Polizei in grösseren Ortschaften – allen voran Rorschach – zu schaffen machen, stellte die Zoodirektorin das Verhalten von männlichen Schimpansen gegenüber. Im Kampf gegen die lärmenden Autofahrer seien nur der Rückbau von Anlageteilen oder der Einzug des Fahrzeuges erfolgversprechend. Im Kampf gegen randalierende Hooligans sieht der Polizeikommandant personalisierte Tickets als zielführend.

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