Plutoniumverseuchte Zigaretten und eine Auftragskillerin: Der Niederuzwiler Robert Singer hat einen Thriller geschrieben

Mit dem Roman hat sich der Schulleiter einen Jugendtraum erfüllt. Jetzt hat ihn das Schreibfieber gepackt.

Tobias Söldi
Hören
Drucken
Teilen
Singers Buch gibt es auch in der Bibliothek Uzwil – wenn es nicht gerade ausgeliehen ist.

Singers Buch gibt es auch in der Bibliothek Uzwil – wenn es nicht gerade ausgeliehen ist.

Bild: Tobias Söldi

Robert Singer ist ein aufgestellter Gesprächspartner, einer, dessen Begeisterung ansteckt, der Lebensfreude versprüht. Doch irgendwo in ihm drinnen schlummert eine Faszination für das Dunkle, das Abgründige, das Böse. Einen Hang, den er in seinem ersten Roman «Wo?», der Ende November erschienen ist, zum Ausdruck bringt.

Im Zentrum des 430 Seiten starken Werks steht ein Paar, das in eine dunkle Geschichte verwickelt wird. Deren Bausteine könnten auch einem Kinothriller zu Grunde liegen: eine Entführung in Südafrika, eine versuchte Vergewaltigung, eine Auftragsmörderin, die sich in der High Society bewegt, Vergiftungsversuche mit plutoniumverseuchten Zigaretten. «Meine Frau fragt mich immer: ‹Wo holst du nur all diese Ideen her?›», erzählt Singer, Vater dreier Kindern und Schulleiter der Schulanlage Oberberg-Algetshausen in Henau.

Die ersten Seiten in Afrika geschrieben

So ganz genau weiss das der 50-Jährige selber nicht.

«Ich habe ohne Konzept drauflosgeschrieben. Es ist regelrecht aus mir ‹herausgeflutscht›.»

Die Geschichte und die Figuren von «Wo?» entwickelten sich erst während des Schreibprozesses. «Manche Wendungen haben mich selbst überrascht», erinnert er sich. Figuren handelten plötzlich anders, als er es erwartet hatte. Es sind diese Momente, die er auch als Leser liebt. Wenn er hinters Licht geführt, auf eine falsche Fährte gelockt wird, die ganze Geschichte in einem anderen Licht erscheint.

Die Anfänge von «Wo?» hingegen kann Singer ziemlich genau bestimmen. Sie liegen in Südafrika, wo er vor knapp drei Jahren Ferien machte. Irgendwo in der Pampa im Mapungubwe-Nationalpark. Die Duschen in separaten Hütten regten Singers Fantasie an. Er fragte sich:

«Wäre es nicht ein raffinierter Mordversuch, wenn sich eine tödliche Schlange in eine Dusche schleicht? Und sich später herausstellt, dass es die Art in dieser Region gar nicht gibt?»

Ins Endprodukt hat es diese Szene zwar nicht geschafft, der Entschluss aber, ein Buch zu verfassen, stand. Und die ersten Zeilen schrieb Singer gleich in Südafrika nieder.

Kein Schaffer im stillen Kämmerlein

In den folgenden eineinhalb Jahren hat er sich an freien Abenden, an Wochenenden oder in den Ferien in seine Thriller-Welt vertieft und recherchiert, Schauplätze besucht, geschrieben, vorgelesen, überarbeitet. «Ich habe oft in der Stube oder im Garten gearbeitet und dabei sogar Musik gehört», erinnert er sich an den Entstehungsprozess  – das Klischee des still in seinem Kämmerlein arbeitenden Autors trifft auf Singer nicht zu. Ende November ist «Wo?» bei einem österreichischen Bezahlverlag veröffentlich worden. «Dass einmal ein physisches Buch vor mir liegt, hätte ich nie gedacht», sagt er stolz.

In zwei Wochen präsentiert er das Werk in der Bibliothek Uzwil (siehe Hinweis), wo er selber oft zu Besuch ist. Auf die «Feuertaufe» blickt er mit Vorfreude – und mit Nervosität.

«Das Buch ist ein wenig wie mein Baby. Es fällt mir leichter, über die Schule zu sprechen als über das Buch. Es ist etwas Persönliches.»

Das Schreibfieber hat ihn gepackt

Den Traum vom eigenen Roman träumte Singer schon als Jugendlicher. Damals hat er aber noch romantische Gedichte geschrieben – «zur Selbstfindung», wie er heute lachend sagt. Schulaufsätze habe er geliebt. «Probleme hatte ich nur mit Seitenbegrenzungen.» Am Lehrerseminar schrieb er Geschichten für die Studentenzeitung, als Lehrperson Theaterstücke und Musicals für Schulklassen. «Schreiben wirkt beruhigend. Ich kann in eine andere Welt eintauchen.»

Zu einem eigenen Roman hatte es aber nie gereicht: Ideen seien zwar da gewesen, aber wieder verworfen worden oder in der Schublade gelandet. Jetzt aber, den fertigen Erstling in der Hand, hat ihn das Fieber gepackt: Ein zweites Buch, «Wann?», ist in der Überarbeitung, sein drittes, «Wer?», hat er bereits in Angriff genommen. Zwar werden die Geschichten noch düsterer, doch für Singer steht die Freude im Vordergrund: am Entwickeln seiner Geschichte und Figuren, am Überraschen der Leser.

Hinweis: Buchvernissage: Donnerstag, 23. Januar, 19 Uhr in der Bibliothek Uzwil, Eintritt frei. Anmeldung unter 0719504170 oder bibliothek@uzwil.ch. «Wo?» kann direkt beim Verlag unter www.novumverlag.com oder über die Homepage www.robert-singer.com bezogen werden.