Plakate wecken Assoziationen

Plakate sind Kurzmitteilungen, die eine Idee visuell verwirklichen. Mitglieder der Orts- und Regionalpartei der SVP Wil unternahmen an der Neujahrsbegrüssung eine Zeitreise in die künstlerische, grafische und politische Vergangenheit.

Philipp Stutz
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Historiker Klaus Rüdiger, Präsident der SVP Wil, führte durch die Ausstellung und erläuterte die bildliche Aussage einzelner Plakate. (Bilder: Philipp Stutz)

Historiker Klaus Rüdiger, Präsident der SVP Wil, führte durch die Ausstellung und erläuterte die bildliche Aussage einzelner Plakate. (Bilder: Philipp Stutz)

SCHWARZENBACH. Eine hundertjährige Setzmaschine aus dem Hause Linotype mit nur einem Magazin zieht die Blicke auf sich. Ebenso wie eine Steindruckpresse, ein Setzkasten, verschiedene Holzschriften, Schneidwerkzeug sowie ein Handtiegel. Sie lassen das Druckgewerbe von anno dazumal aufleben und nostalgische Erinnerungen aufkommen: an Gutenbergs geniale Erfindung mit den beweglichen Lettern, die Jahrhunderte überdauert hat. Hinzu kommen mehr als 120 Plakate namhafter Künstler aus der Zeit, als die Schweiz anerkannt führend im Bereich der Affichen war.

Nichts an Aktualität eingebüsst

«Es sind Plakate, die Assoziationen wecken», sagte Historiker Klaus Rüdiger, Präsident der SVP-Ortspartei Wil, der einige Exponate in der «Galerie alte Plakate» in Schwarzenbach genauer unter die Lupe nahm. Etwa eine Affiche der Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (BGB), die als Vorgängerin der SVP gilt und das klassische Motiv des Sämanns zum Inhalt hat. Sensibilisiert wird der Ausstellungsbesucher darauf, wie sich im Laufe der Zeit gesellschaftlich vieles entwickelt und verändert hat. Doch die Grafik aus jener Zeit ist heute so aussagekräftig und aktuell wie ehedem, berührt und stimuliert den Betrachter wie vor 50 oder 100 Jahren. Auch einige der politischen Aussagen sind aktuell geblieben, wie etwa die Erbschaftssteuer, deren Reform erneut zur Diskussion steht.

Ältestes Werbemittel

Die Plakate sind in der Ausstellung so zufällig angeordnet, als begegnete man ihnen in der Strasse an Plakatwänden der damaligen Zeit. «Plakate sind Kurzmitteilungen, die eine Idee visuell verdichten», sagte Galeristin Brigitte Karrer-Hug. Als älteste Werbemittel seien sie noch heute beliebt. Viele Produkte sind durch sie nachhaltig in Erinnerung geblieben. Erwähnt seien etwa die Marken Knorr, Maggi, Bell, Pepita. Aber auch das Bekleidungsgeschäft PKZ oder die Rössli-Stumpen. «Plakate sind ein Urmedium der Massenkommunikation», erläuterte Brigitte Karrer-Hug, deren Vater in Zürich eine Druckerei geführt und unzählige Plakate gedruckt hat. Die Feinabstimmung an der Druckmaschine habe er immer selbst ausgeführt. «Das Plakat sucht den Dialog mit dem Betrachter», fügte Brigitte Karrer-Hug hinzu. Ausgestellt sind Exponate von grossen Künstlern der Vergangenheit, aus der Zeit der Hochburg der Plakatkunst in der Schweiz, die weltweit anerkannt war. Bei den Plakaten handelt es sich mehrheitlich um prämierte Werke, die eng mit dem Zeitgeschehen verbunden sind. Unter den Künstlern finden sich derart bekannte Namen wie Celestino Piatti, Herbert Leupin und Alois Carigiet.

Galeristin Brigitte Karrer-Hug vor einem Plakat, das sich mit dem Stimmrecht für Mann und Frau beschäftigte. Das Frauenstimmrecht in der Schweiz wurde erst am 7. Februar 1971 eingeführt.

Galeristin Brigitte Karrer-Hug vor einem Plakat, das sich mit dem Stimmrecht für Mann und Frau beschäftigte. Das Frauenstimmrecht in der Schweiz wurde erst am 7. Februar 1971 eingeführt.