Piratenstimmung im Bergholz

In einem Monat sollte der neue Spielplatz Bergholz begehbar sein. An der Planung waren Kinder, Eltern und Anwohner beteiligt. Das Projekt ist eine der ersten umgesetzten Massnahmen des Aktionsplans «Kinderfreundliche Stadt Wil».

Donat Beerli
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Die Bauarbeiten für den Spielplatz Bergholz sollten bis zum Ende dieser Woche beendet werden. (Bild: pd)

Die Bauarbeiten für den Spielplatz Bergholz sollten bis zum Ende dieser Woche beendet werden. (Bild: pd)

WIL. Es wird gebohrt, Erde ausgehoben und Pflanzen werden eingesetzt. Bald klettern hier Kinder auf der Piratenburg herum, erkunden das gestrandete Schiff oder toben sich auf dem Bodentrampolin aus. Die Bauarbeiten befinden sich in der Endphase. «Wir sollten Ende dieser Woche mit den Garten- und Landschaftsbauarbeiten fertig sein», sagt Daniel Wegmüller vom zuständigen Planungsbüro. Der neue Spielplatz Bergholz ist Bestandteil des Spielplatzkonzepts und Teil des Aktionsplans «Kinderfreundliche Stadt Wil 2015–2018». In der Schrift sind acht Ziele definiert, die zu einer Steigerung der Kinderfreundlichkeit beitragen sollen.

Partizipativer Prozess

Beispielsweise sollen Kinder und Jugendliche bei Bau- und Gestaltungsprozessen, die sie besonders betreffen, einbezogen werden. In der Umsetzung sieht das folgendermassen aus: Für den Spielplatz Bergholz unternahmen Klassen des Mattschulhauses im Rahmen des Werk- und Handarbeitsunterrichts Exkursionen zu anderen Spielplätzen und sammelten Ideen, wie der ihre einmal aussehen soll. Über die Ideen wurde unter der Moderation der soziokulturellen Animateurin Barbara Käser debattiert und Ende Oktober 2014 hatten die Kinder dann die Gelegenheit, ihre selbst gebastelten Modelle dem zuständigen Gremium zu präsentieren. Ihre Ideen wurden aufgenommen und dienten als Fundament bei der Planung des Spielplatzes. «Die Vorschläge der Kinder waren bereits sehr auf ein Thema fokussiert», sagt Daniel Wegmüller. Am Ende setzte sich die Idee des Piratenmottos durch.

Erstmalige Umsetzung

Eltern und Anwohner wurden ebenfalls in den Prozess einbezogen, da das Areal nicht nur als Spielplatz, sondern auch als Begegnungsort für das Quartier dienen soll. Nachdem das Planungsbüro einen ersten Entwurf entwickelt hatte, wurde dieser nochmals den Kindern vorgelegt. Mit deren Einverständnis und Optimierungsvorschlägen konnte die definitive Umsetzung in Angriff genommen werden. «Die Mitwirkung aller beteiligten Personen ist in dieser Form erstmalig», sagt Stadtrat Dario Sulzer, Vorsteher des Departments Soziales, Jugend und Alter. Dies sei jedoch nur der Anfang, so Sulzer, der Teil des fünfköpfigen Projektteams ist, das den Aktionsplan «Kinderfreundliche Stadt Wil 2015–2018» erarbeitet hat. Auch in Zukunft werde man den Um- oder Neubau von Spielplätzen aufbauend auf den Erfahrungen aus diesem Projekt partizipativ gestalten, erklärt er.

Unicef-Label seit Juni 2015

Die Idee, Wil gezielt kinderfreundlicher zu gestalten, entstand vor ein paar Jahren, als Stadtparlament und Stadtrat beschlossen, sich um das Unicef-Label «Kinderfreundliche Gemeinde» zu bewerben. In der Folge wurde der Aktionsplan erarbeitet und Anfang Jahr bei der Unicef eingereicht. Die Bemühungen trugen Früchte. Seit Juni gehört Wil zum Kreis der 19 «Kinderfreundlichen Gemeinden» der Schweiz. Im Aktionsplan der Stadt Wil ist unter anderem auch die Ausweitung des familienergänzenden Betreuungsangebot erwähnt oder die Realisierung von generationenübergreifenden Quartiertreffpunkten. Zudem will die Stadt Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit geben, mit Tieren, der Natur und der Umwelt in Kontakt zu kommen.

Dazu sollen öffentliche Räume mit Elementen aus der Natur gestaltet und die Bevölkerung für gute Rahmenbedingungen für Tiere sensibilisiert werden. Einen wichtigen Eckpunkt des Aktionsplans bildet ausserdem der Tag der Kinderrechte. Dazu hat sich die Stadt vorgenommen, der Bevölkerung jedes Jahr ein Kinderrecht vorzustellen. Am diesjährigen Stadtfest gab es dazu bereits einen Stand, der von der Jugendarbeit Wil zusammen mit Jugendlichen betrieben wurde. Um die definitiven Resultate ihres Mitwirkens zu testen, müssen sich die Schüler des Mattschulhauses noch gedulden. Wann der Spielplatz für die Kinder geöffnet werde, sei vom Wetter abhängig, sagt Max Forster, Leiter Betriebe und Entsorgung. «Falls es warm bleibt, wachsen die Grünflächen schneller, womit der Spielplatz in circa einem Monat bereit sein sollte.»

Dario Sulzer Stadtrat, Vorsteher Departement Soziales, Jugend und Alter (Bild: pd)

Dario Sulzer Stadtrat, Vorsteher Departement Soziales, Jugend und Alter (Bild: pd)

Daniel Wegmüller Landschaftsarchitekt Planungsbüro Wegmüller (Bild: pd)

Daniel Wegmüller Landschaftsarchitekt Planungsbüro Wegmüller (Bild: pd)