Pionierprojekt in Wil: Velos ersetzen die Geschäftswagen

Der Verein Velo Wil hat sich zum Ziel gesetzt, Wil zur Velostadt zu machen. Jetzt sollen Cargobikes im Arbeitsalltag etabliert werden.

Gianni Amstutz
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Solche Cargobikes werden demnächst öfter auf den Strassen Wils zu sehen sein.

Solche Cargobikes werden demnächst öfter auf den Strassen Wils zu sehen sein.

Bild: Gianni Amstutz

Die Idee ist simpel: Das Velo soll nicht nur in der Freizeit oder auf dem Arbeitsweg genutzt werden, sondern auch bei der Arbeit selbst. «Im Arbeitsalltag hat das Velo ein grosses Potenzial», sagte Tobias Winniger, Co-Präsident Velo Wil, bei der Präsentation des neusten Projekts des Vereins. Dieses wurde in Zusammenarbeit mit der Stadt, den Technischen Betrieben und der Raiffeisenbank lanciert.

Da das Velo als Arbeitswerkzeug dabei aber nicht nur eine Person von A nach B bringen, sondern den Geschäftswagen ersetzen soll, reichen handelsübliche Zweiräder nicht aus. Stattdessen kommen sogenannte Cargobikes zum Einsatz. Diese sind mit einer Ladefläche und elektrischer Fahrunterstützung ausgestattet.

Acht Monate können die Cargobikes getestet werden

Die teilnehmenden Unternehmen und Wohnsiedlungen – insgesamt zehn an der Zahl – erhalten die Cargobikes für eine Testphase von acht Monaten gratis zur Verfügung gestellt. In dieser Zeit können sie die Eignung der Velos als Ersatz fürs Auto auf Herz und Nieren prüfen. Nach Ablauf des Tests können sie die Velos bei Bedarf übernehmen. Die Stadt unterstützt den Kauf mit einem Beitrag von bis zu 2000 Franken aus dem Energiefonds, wie von Stadtrat Daniel Stutz zu erfahren war.

Dass das Projekt im Februar lanciert wurde, sei kein Zufall, sagte Tobias Winniger. Es gehöre zur Versuchsanlage, die Cargobikes auch bei widrigen Wetterbedingungen testen zu können. Nur so sei eine Beurteilung möglich. Er hofft, dass möglichst viele der Teilnehmenden nach Ablauf der Frist aufs Zweirad umsatteln. Ausserdem werde durch den Test auch die Sichtbarkeit und Bekanntheit der Cargobikes verstärkt, was einen Werbeeffekt erziele und hoffentlich weitere Unternehmen zum Nachahmen animiere.

Für die Stadt sei das Projekt einer von vielen Schritten hin zur 2000-Watt-Gesellschaft (Energieverbrauch pro Person und Jahr), sagte Daniel Stutz. Diese soll gemäss neuen Zielsetzungen des Bundes bereits 2050 Realität werden. Um diese ambitionierte Vorgabe zu erreichen, müsse gerade bei der Mobilität einiges unternommen werden. 41 Prozent des Energieverbrauchs und 54 Prozent der Treibhausgasemissionen seien Schätzungen zufolge in Wil auf diesen Bereich zurückzuführen, führte der Stadtrat aus.

Das Projekt «Cargobikes statt Geschäftswagen» vereine mehrere interessante Aspekte: Es sei raumsparend, emissionsfrei und ermögliche Sharing-Konzepte – also das Teilen eines Fahrzeugs, wie das bei den teilnehmenden Wohnsiedlungen gehandhabt wird. «Wil leistet damit Pionierarbeit», sagte Stutz.

Auch Beat Bollinger, Leiter der Raiffeisenbank Wil und Umgebung, hob die Einzigartigkeit des Projekts hervor. «Es ist etwas ganz anderes.» Das habe die Verantwortlichen der Raiffeisenbank von Beginn weg angesprochen und sie überzeugt, sich mit einem Sponsoring zu beteiligen.

Die Teilnehmenden setzen sich vielfältig zusammen: Vom Blumenladen über Metzgerei und Bäckerei bis hin zur Wohnsiedlung. Andrea Schwörer beispielsweise lebt in der Siedlung Solero und teilt sich das Cargobike mit zwei weiteren Familien. Sie hatte bereits die Möglichkeit das ungewohnte Gefährt zu testen und ist – nach anfänglicher Skepsis – begeistert.

«Das Cargobike erleichtert mir den Alltag, egal ob ich mit den Kindern irgendwo hingehe oder Einkäufe erledige.»

Als Vorteil nennt sie wie viele der Unternehmer, dass sich mit dem Velo Staus umgehen lassen. Das spare nicht nur Zeit, sondern schone auch die Nerven. Mit dem rund drei Meter langen Cargobike einen Parkplatz zu finden, sei bisher ebenfalls noch kein Problem gewesen. «Inzwischen lassen wir das Auto fast immer zu Hause.» Nur noch für weitere Strecken benötige sie dieses.