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PILOTPROJEKT: Wiler Suchtexperte steht möglicher Cannabisstudie positiv gegenüber

Hermann Gander, Stellenleiter der Suchtberatung, befürwortet grundsätzlich ein Umdenken im Umgang mit Cannabis. Trotzdem brauche es staatliche Regulierungen, sagt er. Mit dieser Haltung steht er nicht alleine da.
Eine regulierte Cannabisabgabe würde zu einer besseren Kontrolle der Produktionsstandards führen. (Bild: Keystone)

Eine regulierte Cannabisabgabe würde zu einer besseren Kontrolle der Produktionsstandards führen. (Bild: Keystone)

Rund ein Drittel aller Schweizerinnen und Schweizer hat schon mindestens einmal gekifft. Das zeigt eine Umfrage des Bundesamts für Statistik. In der Politik wird deshalb seit Jahren immer wieder über den richtigen Umgang mit Cannabis diskutiert. Nun auch in Wil. Die Juso und SP wollen, dass Wil die Teilnahme an einem Cannabis-Pilotprojekt prüft. Ein solches wurde von der Universität Bern bereits beantragt und soll untersuchen, welche Auswirkungen eine regulierte Abgabe auf die Gesellschaft hat.

Zurzeit ist eine Motion im Nationalrat zur Schaffung eines Experimentierartikels hängig. Bei einer Annahme würde der Studie grünes Licht erteilt. Eine Beteiligung der Stadt Wil oder weiterer Städte sei denkbar, sagt Sven Trelle, Co-Direktor des Klinischen Studienzentrums der Universität Bern, welche das Projekt durchführen würde.

Schaden durch Regulierung minimieren

Aber macht ein solches Projekt überhaupt Sinn oder droht dadurch, die Anzahl der Cannabiskonsumenten zu steigen? Hermann Gander, Stellenleiter der Suchtberatung Region Wil, steht einem Pilotprojekt positiv gegenüber. «Aus fachlicher Sicht schauen wir, wo der Schaden durch eine Droge am kleinsten ist.»

Ein Verbot sei dabei nicht die Lösung. In den USA sei beispielsweise nie so viel Alkohol konsumiert worden wie zur Zeit der Prohibition. Und auch die Verbotspolitik im Umgang mit Cannabis habe nicht den gewünschten Effekt. «Wenn sich jemand Hanf besorgen will, erhält er ihn. Ein Verbot hält niemanden davon ab», sagt Gander. Zudem fördere der restriktive Umgang mit der Droge die Kriminalität, führe zu Steuerausfällen und verunmögliche letztlich den Jugendschutz.

Gerade dieser sei jedoch bei Cannabis und allen anderen Suchtmitteln besonders wichtig. Die Entwicklung des Gehirns sei bis 23 (bei Frauen) respektive 26 Jahren (bei Männern) grösstenteils abgeschlossen. Zwar führe Cannabis nicht zu physiologischen Schäden, es könne jedoch wie andere Drogen die persönliche Entwicklung beeinflussen.

Das Stichwort hierbei laute Konditionierung. In der Pubertät lernten Jugendliche den Umgang mit Problemen und das Lösen von Konflikten, erklärt Gander. Der Konsum von Drogen als Lösungsstrategie verhindere das Erlernen dieser Fähigkeiten. Zudem präge sich eine Person ein, dass mit Drogen Konflikte vermieden werden könnten und greife dadurch auch später mit einer grösseren Wahrscheinlichkeit zu diesem Mittel. Ausserdem sei bei Jugendlichen auch das Risiko von durch Cannabiskonsum ausgelöste Psychosen höher.

Grenzen setzen nur durch Legalisierung möglich

Dass Hermann Gander ein PilotUprojekt zum Umgang mit Cannabis befürwortet, bedeutet nicht, dass er jegliche Repression abschaffen würde. «Cannabis kann problematisch sein, ebenso wie Alkohol und Nikotin.» Bei Jugendlichen mache eine repressive Handhabung daher Sinn. Er ist sich auch bewusst, dass auch bei einer regulierten Abgabe an Erwachsene der Konsum bei Jugendlichen nicht komplett verhindert werden kann.

Er betont aber: «Die Gesellschaft könnte mit einer regulierten Legalisierung von Cannabis ein wichtiges Zeichen und gleichzeitig Grenzen im Umgang mit dem Suchtmittel setzen.» Solange der Stoff illegal sei, sei das nicht möglich.

Mit seiner Haltung ist Gander indessen nicht alleine. Auch der Fachverband Sucht nimmt in einem Positionspapier zum Umgang mit Cannabis Stellung. Der Fachverband Sucht befürworte eine gesetzliche Neu-Regulierung von Konsum, Anbau und Handel von Cannabis. Dies bedinge eine vorgängige Legalisierung, heisst es im Papier. Als legale Substanz könne Cannabis einer staatlichen Kontrolle unterstellt werden. Durch Steuerungsmassnahmen sei eine Kontrolle von Risiken oder unerwünschten Nebeneffekten möglich.

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