Pilotbetrieb wird feste Institution

Nach dreijähriger Pilotphase wird aus dem b'treff am Bütschwiler Bahnhof eine feste Institution. Initiantin Sylvia Suter und viele Freiwillige bieten Menschen in schwierigen Situationen Hilfe an: In Form von Kleidung, Essen oder Beratung.

Alexandra Scherrer
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Stellenleiterin Sylvia Suter: «Viele Menschen, denen es schwer fällt, von der Gesellschaft akzeptiert zu werden, fühlen sich wohl im b'treff.» (Bild: Alexandra Scherrer)

Stellenleiterin Sylvia Suter: «Viele Menschen, denen es schwer fällt, von der Gesellschaft akzeptiert zu werden, fühlen sich wohl im b'treff.» (Bild: Alexandra Scherrer)

BÜTSCHWIL. «Mir händ offä», steht in grossen Lettern auf einer Tafel vor der Tür. Aus den Räumen beim Bahnhof Bütschwil, die früher als Schalter gedient hatten, ist ein Treffpunkt geworden. Der b'treff. Das «b» könne für vieles stehen, sagt Stellenleiterin Sylvia Suter, für Betroffenheit, Beistand aber auch für Begegnung oder für Bahnhof.

Treffpunkt mit Stammgästen

Kaum haben sich die zwei freiwilligen Helferinnen und Sylvia Suter in der Gaststube eingefunden, tauchen die ersten Gäste auf. An diesem Nachmittag sind es bekannte Gesichter. «Wir haben viele Stammgäste, die an bestimmten Tagen vorbeikommen», erzählt die 53jährige Ganterschwilerin. Verschieden wie die Besucher selbst sind auch ihre Bedürfnisse. Drei Bereiche – die Lebensmittelabgabe, der Hol- und Bringmarkt mit Secondhandkleidern und die Gaststube – sind im Bahnhofgebäude untergebracht und werden von 25 freiwilligen Helfern betreut. An diesem Tag sitzen ein älterer Mann und ein Mädchen mit ihren Grosseltern bei Kaffee und Tee in der Gaststube. Eine Helferin sucht am Computer nach niederschwelligen Stellenangeboten in der Umgebung. Drei bis vier Stellen findet sie jede Woche. Diese hängt sie auf farbige Zettel gedruckt ins Schaufenster.

In drei Bereichen helfen

Die Tür geht auf. Eine Frau bleibt im ersten Raum stehen, dort wo die Secondhandkleider aufgehängt sind. Sie sucht nach einer Jacke für ihren Sohn, ist sich aber bei der Grösse nicht sicher. Sylvia Suter berät sie. Ein Kleidungsstück kostet einen Franken, drei Stücke können pro Woche bezogen werden. Die Auswahl reicht von Babiekleidung bis zu Hüten und Taschen, alles saisongerecht und in gutem Zustand. «In diesem wie auch in den anderen Bereichen können wir zum Glück auf die Hilfe von Sympathisanten zählen», sagt Suter, denn die Nachfrage sei gross, vor allem nach gutem Schuhwerk. Jeden Donnerstagabend werden die Kleiderständer weggeräumt, damit die gelieferten Esswaren ausgelegt werden können. Die Lebensmittelabgabe wird in Zusammenarbeit mit der Schweizer Tafel durchgeführt. Personen mit einem Caritas-Ausweis können für wenig Geld Lebensmittel beziehen.

Als die ersten Besucher die Runde wieder verlassen haben, trifft bereits jemand Neues ein. Zielstrebig geht er zu einem der zwei Gäste-Computer. «Manche suchen Unterstützung für das Schreiben eines Lebenslaufs oder das Ausfüllen von Formularen, andere wollen einfach das Internet benützen», sagt Suter. Obwohl acht Personen am Tisch sitzen, gibt es Momente des Schweigens. Das sei völlig normal. Es könne an den sprachlichen Barrieren liegen oder auch daran, dass einige Besucher Individualisten seien.

Blick in die Zukunft möglich

Der Entscheid, dass aus dem Projekt nach der Pilotphase eine feste Institution wird (siehe Kasten), hat Sylvia Suter und die freiwilligen Helfer gefreut und sie in ihrer Arbeit bestätigt. Ausserdem gebe es ihnen Sicherheit für das Planen künftiger Vorhaben. Ihr schwebt vor, einen Werktreff zu gründen, wo Gelegenheitsarbeiten vermittelt und handgefertigte Artikel hergestellt werden, die dann zum Beispiel am b'treff-Fest, das dieses Jahr am 24. Mai stattfindet, verkauft werden.

Jeden Donnerstagabend findet die Lebensmittelabgabe statt.

Jeden Donnerstagabend findet die Lebensmittelabgabe statt.

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