Pflegerinnen spannen zusammen

Die Idee geistert schon länger durch den Hinterthurgau, nun wird sie konkret: Die Spitex-Vereine Tannzapfenland, Münchwilen-Eschlikon und Sirnach haben ihren Zusammenschluss in die Wege geleitet.

Olaf Kühne
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Petra Sewo Präsidentin Spitex Münchwilen-Eschlikon (Bild: Christoph Heer)

Petra Sewo Präsidentin Spitex Münchwilen-Eschlikon (Bild: Christoph Heer)

MÜNCHWILEN. Eigentlich ist der Gesundheitsbereich eine boomende Branche. Stetig steigende Umsätze – oder, je nach Sichtweise, steigende Kosten. Grund zur Freude bei den Leistungserbringern, müsste man meinen. Doch nicht zuletzt an der Front, in der Pflege, zeigen sich die negativen Folgen dieser Entwicklung. Steigende Kosten für den Steuerzahler ziehen eine stärkere politische Einmischung nach sich. Schlagworte wie Leistungskatalog und Pflegefinanzierung bedeuten für die Basis, für die Mitarbeiterin einer Spitex-Organisation, einen Haufen Administration und eine minutengenaue Zeiterfassung.

Patienten nicht tangiert

«Der zwischenmenschliche Kontakt zu unseren Klienten, ein kurzes persönliches Gespräch liegen da meistens nicht mehr drin», sagt Petra Sewo. Die Präsidentin der Spitex Münchwilen-Eschlikon ist derzeit aber nicht mit dieser auch für sie bedauerlichen Tendenz beschäftigt. Vielmehr will sie ihren Verein in eine gesicherte Zukunft führen.

«Wir funktionieren jetzt gut», betont Sewo, «für unsere Patienten gibt es keine Probleme.» Vielmehr stosse die lokale Spitex mit ihrer geringen Grösse an Grenzen. «Der Leistungskatalog der Pflegefinanzierung überträgt uns Aufgaben, für die wir spezialisierte Mitarbeiterinnen brauchen», sagt sie und benennt als Beispiele die Kinder-Spitex, die Psychiatrie-Spitex oder die Palliativ-Pflege. «Für Bereiche, in denen wir vielleicht zwei, drei Fälle im Jahr haben, können wir keine Vollzeit-Fachperson einstellen.» Zumal in einer Branche, die stark auf Teilzeitmitarbeiterinnen setzt.

Zwar hätten Untersuchungen gezeigt, so Sewo weiter, dass die Spitex ein konkurrenzfähiger Arbeitgeber sei. Vor allem bei jüngeren Fachpersonen habe sich dieses Image indes noch nicht durchgesetzt. «Wahrscheinlich könnten wir auch hier als grössere Organisation mehr bewirken», sagt Sewo. Letzte Woche wurden deshalb wegweisende Pflöcke eingeschlagen: Die drei Spitex-Vereine Münchwilen-Eschlikon, Sirnach und Tannzapfenland leiteten ihren Zusammenschluss in die Wege.

Start für Jahr 2018 vorgesehen

40 Vertreter der drei Vereine sowie der betroffenen Gemeinden Münchwilen, Eschlikon, Sirnach, Bichelsee-Balterswil und Fischingen trafen sich für den Start des Projektes. Ihr Ziel: Am 1. Januar 2018 startet im Hinterthurgau eine regionale Spitex.

Bis dahin arbeiten verschiedene Gruppen am Zusammenschluss. So sind in der Steuergruppe die drei Spitex-Präsidenten Sewo, Traudi Schönegger (Sirnach) und Paul Widmer (Tannzapfenland) sowie Politiker aller Gemeinden vertreten, während sich die Teilprojektgruppen um das Budget und «Dienstleistungen/organisatorische Strukturen» kümmern. Unterstützt werden sie von einem externen Projektkoordinator.

Viel Zeit für die Involvierten, aber auch viel Arbeit. Gilt es doch, selbst auf den ersten Blick irrelevante Fragen zu klären. So beispielsweise die Rechtsform der künftigen Organisation. «Im Moment tendieren wir wieder zu einem Verein», sagt Sewo, «aber das ist noch nicht definitiv.» Für die Patienten dürfte eine professionelle Betreuung im Vordergrund stehen. In diese Richtung zielt denn auch die Reorganisation. «Die gemeinnützige Spitex soll auch in Zukunft erste Adresse für ambulante Gesundheitsversorgung sein», sagte Sewo anlässlich der Projektinitiierung – im Wissen darum, dass künftig eine Professionalisierung auf allen Stufen unerlässlich sein wird. «In allen drei Vereinen arbeiten die Vorstände ehrenamtlich. Aber auch sie sehen sich mit immer anspruchsvolleren Vorgaben konfrontiert.»

Vermehrt Lehrlinge ausbilden

Als aktuelle Hauptsorge benennt die Spitexpräsidentin indes die Personalrekrutierung. Auch hier verspricht sie sich von einer grösseren, professionelleren Organisation eine klare Verbesserung. Und nicht zuletzt will man in der künftigen Hinterthurgauer Spitex vermehrt Lehrlinge ausbilden – ein Aspekt, der auch bei Jüngeren auf Interesse stossen dürfte.