Pfarrer, Papst und Kaiser im Dorf: Noch heute ist Karl Anton Bischofberger an der Jonschwiler Kirche verewigt

Vor 100 Jahren verstarb Karl Anton Bischofberger. Er wirkte fast 40 Jahre als Pfarrer in Jonschwil. Noch heute ist er an der Kirche im Dorf verewigt.

Peter Eggenberger
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Der als Dorfpapst von Jonschwil in die Geschichte eingegangene Karl Anton Bischofberger wurde literarisch verewigt.

Der als Dorfpapst von Jonschwil in die Geschichte eingegangene Karl Anton Bischofberger wurde literarisch verewigt.

Bild: PD

Im Buch «Oberegger Geschichte» zitiert Autor David Hänggi-Aragai verschiedentlich aus Karl Anton Bischofbergers Kindheitserinnerungen, der als jüngstes von zwölf Kindern in bäuerlichem Milieu aufwuchs. «Unsere ganze Familie war musikalisch. Drei Brüder spielten eifrig Hand- und Mundorgel, ein weiterer Bruder war ein tüchtiger Violinspieler, einer spielte Klarinette, einer schlug kunstgerecht das Hackbrett. Mehrere gehörten der Blechmusik an.»

Auch die Musikalität der Mädchen würdigte Bischofberger: «Die älteste Schwester war eine vorzügliche Sopransängerin und Jodlerin, die zweite gute Altsängerin, die jüngste sang schön Sopran und Alt, und ich selber hatte eine kräftige Altstimme…»

Im dieser Tage erschienenen Jahrbuch 2020 der Gemeinde Jonschwil ruft Chronist Turi Locher Bischofbergers pfarramtliche Tätigkeit in Erinnerung. «Nach den Gymnasialjahren in St.Gallen und Feldkirch absolvierte er das Theologiestudium in Schwyz und Innsbruck. Im Alter von 27 Jahren erfolgten die Priesterweihe und die Wahl als Kaplan nach Kirchberg SG. Dann wurde er als Pfarrer nach Quarten versetzt, und 1881 wechselte er nach Jonschwil.»

Durch und durch katholisch

«Im Gegensatz zu Quarten traf er in Jonschwil ein durch und durch katholisches Umfeld an. Fast alle Vereinigungen hatten ihrem Namen ein K vorangestellt: katholischer Jünglingsverein, katholischer Arbeiterinnenverein, katholischer Männerverein und so weiter.

Und was noch nicht gegründet war, holte Bischofberger nach. So rief er den Krankenpflegeverein, den Leseverein, den katholischen Turnverein, den Konsumverein und andere Körperschaften ins Leben. In den meisten der Vereine sass er im Vorstand, womit die kirchliche Aufsicht gewährleistet war.

Konflikt zwischen Pfarrer und Gemeindeammann

1893 nahm Kaplan Heinrich Federer seine Tätigkeit in Jonschwil auf. Ab 1899 Redaktor der «Zürcher Nachrichten» und Schriftsteller, verewigte Federer seine Jonschwiler Jahre im Buch «Lachweiler Geschichten» und im 1924 erschienenen Roman «Papst und Kaiser im Dorf».

Dabei geht er auf den immer wieder aufflammenden, in zahlreiche Scharmützel mündenden Konflikt zwischen Gemeindeammann Cornelius Bösch und Pfarrer Bischofberger ein. Grund war die Knausrigkeit von Dorfkaiser Bösch, der als mit Abstand reichster Bewohner Jonschwils immer wieder kirchliche, vom Dorfpapst als dringendst notwendig erachtete Renovationen und Anschaffungen verhinderte. «Erst im Alter von 86 Jahren machte Bösch 1897 einem jüngeren Nachfolger Platz, womit sich die Wogen glätteten», schreibt Turi Locher.

Nun konnte Bischofberger seine Pläne weitgehend umsetzen. 1902 weihte er im Weiler Oberrindal die von ihm initiierte Kapelle Maria Trost ein, und auch im Alter war er voller neuer Ideen und Schaffenskraft. Noch immer im Amt tätig, verstarb der Dorfpfarrer am 26.Februar 1920. «Die Beerdigung am 1.März war eine der prächtigsten, die je in Jonschwil stattgefunden hat…», schreibt Chronist Turi Locher.

An der Kirche in Jonschwil erinnert eine Gedenktafel an den vor 100 Jahren verstorbenen Pfarrer Bischofberger.

An der Kirche in Jonschwil erinnert eine Gedenktafel an den vor 100 Jahren verstorbenen Pfarrer Bischofberger.

Bild: Peter Eggenberger