Per Autostopp einmal um die Welt

Der Eschliker Thomas Schlittler reist per Anhalter rund um die Welt. Heute verlässt er Istanbul und reist weiter nach Osten. In drei Monaten möchte er in China ankommen. Auf seiner Reise stieg er schon bei 170 verschiedenen Menschen ins Auto.

Daria Baur
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Von Erdine nach Istanbul: Die Vielfalt der Menschen, die Thomas Schlittler (2. v. l.) mitnehmen, könnte kaum grösser sein. (Bild: pd)

Von Erdine nach Istanbul: Die Vielfalt der Menschen, die Thomas Schlittler (2. v. l.) mitnehmen, könnte kaum grösser sein. (Bild: pd)

ESCHLIKON. Von Winterthur aus fuhr er per Autostopp über Österreich, die Slowakei, Ungarn, die Ukraine, Serbien, Bosnien, Kosovo und Bulgarien bis nach Istanbul. Heute will Thomas Schlittler die Stadt in der Westtürkei verlassen und weiter nach Osten gefahren werden. Sein Ziel ist es, einmal um die ganze Welt zu reisen.

Bei einem Zigeuner zu Hause

«Die Verschiedenheit der Menschen, die anhalten, ist enorm», sagt er. Zwar seien es grösstenteils Männer, aber er sei schon bei Unternehmern, Sozialarbeitern oder gar einem Helikopterpiloten der Armee eingestiegen. Die Fahrer seien meistens sehr freundlich. Oft laden sie ihn noch zu einem Kaffee, zum Essen oder gar zum Übernachten ein. Schlittler berichtet von einem besonderen Erlebnis: «Ich wurde von einem Zigeuner – er bezeichnete sich selbst so – mitgenommen und zu ihm nach Hause eingeladen.»

Viele seiner Fahrer hatten schlecht über Zigeuner geredet und alle in einen Topf geworfen. Er war deshalb froh, persönlich einen Zigeuner kennenzulernen, um sich ein eigenes Bild zu machen. «Jetzt weiss ich aus erster Hand, dass es auch sehr nette und grosszügige Zigeuner gibt.» So erging es ihm auch mit andern Gesellschaftsgruppen oder Nationalitäten. «Viele Leute warnten mich zum Beispiel, per Autostopp durch die Ukraine zu reisen. Klar muss man sich jeweils an die anderen Kulturen gewöhnen, aber überall gibt es nette Leute, die mich mitnehmen. Und schliesslich sind auch alles nur Menschen», sagt der Eschliker, der Journalist ist und seine Reise für die «Aargauer Zeitung» sowie das Online-Portal Watson dokumentiert.

Mehr als sechs Stunden gewartet

Auf die Idee, per Autostopp um die Welt zu reisen, kam er bereits vor sieben Jahren, als er als 19-Jähriger – ebenfalls per Autostopp – Kanada bereiste. «Es hat mich einfach fasziniert. Das Spannende am Autostopp ist, dass man nie weiss, was einen erwartet und bei wem man als Nächstes im Auto mitfahren wird.» Steht er an der Strasse, warte er normalerweise zwischen fünf und 15 Minuten, bis jemand anhält. Seine längste Wartezeit allerdings betrug mehr als sechs Stunden. «Dafür war es dann ein umso netterer Mann.»

Einmal in einer Stadt angekommen, ist Thomas Schlittler ein gewöhnlicher Tourist. Er übernachtet in Hostels oder per Couch Surfing, isst in Restaurants und schaut sich Sehenswürdigkeiten an. «Einige Male habe ich auch im Zelt übernachtet. Das waren allerdings nur etwa zehn Nächte, was für die drei Monate, in denen ich schon unterwegs bin, nicht viel ist.»

In Istanbul, das Schlittler heute verlässt, blieb er eine Woche. In anderen Städten übernachtet er normalerweise zwei- bis dreimal, in kleineren Orten eine Nacht. «Jeden Tag wieder zu packen und weiterzureisen, wäre mir zu anstrengend.» Wenn ihm die Massenschläge der Hostels mal zu viel werden, nimmt er sich für eine Nacht ein Zimmer in einem Drei-Sterne-Hotel.

Von Sibirien nach Alaska

Istanbul ist die Stadt, die dem 26-Jährigen bisher am besten gefällt. Bosnien war, wie er sagt, sein «Lieblings-Balkanland». Und noch ein anderes Land hat ihn sehr beeindruckt: Transnistrien. Das Land zwischen Moldawien und der Ukraine ist zwar seit mehr als 20 Jahren unabhängig und besitzt seine eigene Währung sowie Regierung, wird aber von keiner anderen Nation anerkannt.

Heimkehr noch ungewiss

Am 1. Juni ist Schlittler losgereist und sass bisher schon bei rund 170 einzelnen Fahrern oder ganzen Gruppen im Auto. Das Datum seiner Heimkehr ist noch ungewiss. «Als nächstes reise ich nach Georgien und nach Armenien, dann weiter bis nach China.» Dort trifft er im Dezember seine Freundin, die für zwei Monate mit ihm mitreisen wird. Die Krisenländer wie Syrien und Irak möchte er umgehen. «Wo einem das EDA davon abhält hinzureisen, gehe ich auch nicht hin», sagt Schlittler.

Nach Asien sei ein nächstes Ziel, ungefähr in einem Jahr von Sibirien nach Alaska zu reisen.