Pensionskasse ist unter Druck

Die Angestellten der Stadt Wil sind in der städtischen Pensionskasse versichert. In dieser fehlen bei einem Deckungsgrad von 90,2 Prozent heute mindestens 11 Mio. Franken. Ein Zustand, der bei Christoph Hürsch (CVP) Fragen aufwirft.

Monique Stäger
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In der Pensionskasse der Stadt Wil klafft eine Lücke von rund zehn Prozent. Dies entspricht einem Betrag von 11 Mio. Franken. Der Deckungsgrad beträgt 90,2 Prozent. Diese Unterdeckung ist eine Folge der Anpassung des technischen Zinssatzes von 4 auf 3,5 Prozent, der Entwicklung auf den Kapitalmärkten und der demographischen Entwicklung. «Die Tatsache, dass die städtische Vorsorgeeinrichtung auf dem Leistungsprimat beruht, unterstützt diesen Trend», ist das Fazit des CVP-Parlamentariers Christoph Hürsch. Er gelangte deshalb erneut mit einer Interpellation an den Stadtrat – eine erste hatte er bereits im Frühling 2009 eingereicht.

Kasse im Wandel

Die Pensionskasse der Stadt Wil wird als unselbständige öffentlich-rechtliche Anstalt geführt. Das heisst, die Stadt haftet für die Renten ihrer Versicherten. In der Kasse sind heute rund 330 Personen versichert. Sollten die Mitarbeitenden der neu gegründeten Thurvita AG ebenfalls in der städtischen Pensionskasse integriert werden, würde diese Zahl auf mehr als 600 Personen ansteigen. «Die Thurvita hat sich aber noch nicht entschieden», sagt Stadtpräsident Bruno Gähwiler. Mit der Gemeindefusion von Wil und Bronschhofen am 1. Januar 2013 müssen künftig auch die 30 Bronschhofer Verwaltungsangestellten in die Vorsorgelösung miteinbezogen werden. In den vergangenen Jahren haben sich die Rahmenbedingungen in der beruflichen Vorsorge verändert. Nebst der erhöhten Veränderlichkeit der Arbeitsverhältnisse und der gestiegenen Lebenserwartung sind die Entwicklungen auf den Kapitalmärkten unsicher. Dazu kommen neue bundesrechtliche Vorgaben: Die öffentlich-rechtlichen Anstalten müssen ab dem 1. Januar 2014 rechtlich, organisatorisch und finanziell aus der Verwaltungsstruktur herausgelöst und verselbständigt werden.

Frage nach Primatwechsel

Die Frage nach einem Primatwechsel der städtischen Kasse war ebenfalls Inhalt der Interpellation von Christoph Hürsch. Das Leistungsprimat, welches für die Versicherten zurzeit gilt, müsste in ein Beitragsprimat überführt werden. Dies wäre aber mit Folgekosten verbunden, und es drohten gemäss Hürsch Rentenkürzungen oder Beitragserhöhungen. Bereits 2009 hatte Hürsch zu einem Primatwechsel angeregt. «Nun sind wir gezwungen, dies aus einer Schwäche heraus zu tun», kritisiert der CVP-Politiker und bezieht sich dabei auf die Unterdeckung der Kasse. Die Delegierten der Pensionskasse der St. Galler Gemeinden entscheiden im November über einen allfälligen Primatwechsel.

Änderung des Reglements

Bis Ende 2013 hat die Stadt Wil Zeit, die Anpassungen der Pensionskasse gemäss Bundesrecht vorzunehmen. Die bevorstehende Verselbständigung führt zu einer Anpassung des Pensionskassenreglements. «Keiner muss Angst um seine Rente haben, die Renten sind sicher», betont Bruno Gähwiler. «Bei einer Änderung des Pensionskassenreglements müssen die Primatfrage, das Rentenalter und die künftige Finanzierbarkeit geregelt werden.» Er stellt dem Parlament im ersten Halbjahr des nächsten Jahres eine Vorlage in Aussicht.

Christoph Hürsch zeigt sich mit der Beantwortung seiner Interpellation durch den Stadtrat nicht zufrieden. «Hinsichtlich der bedrohlichen Lage der Kasse», wie er abschliessend bemerkt.