PENDLER: Schwierige Suche nach Verbündeten

Einmal mehr gab es diese Woche für die Region Wil keine guten Neuigkeiten im öffentlichen Verkehr. Ab Ende 2018 sind längere Wartezeiten unumgänglich. Nun sollen innerhalb des Kantons Verbündete gesucht werden. Das ist jedoch leichter gesagt als getan.

Simon Dudle
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Knotenpunkt Wil: Nun muss das Busnetz an die geänderten Gegebenheiten angepasst werden. (Bild: Simon Dudle)

Knotenpunkt Wil: Nun muss das Busnetz an die geänderten Gegebenheiten angepasst werden. (Bild: Simon Dudle)

Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch

«Jetzt können wir nur noch Schadensbegrenzung betreiben. Das ist das Maximum, mehr liegt nicht drin.» So die deutlichen Worte von Lucas Keel, dem Präsidenten der Fachgruppe Verkehr bei Regio Wil, zur aktuellen Situation im öffentlichen Verkehr. Denn seit dieser Woche ist publik, was zu befürchten war: Das Bundesamt für Verkehr (BAV) und die SBB gehen nicht auf Forderungen ein, welche 12000 Personen der Region mittels Unterschrift bekräftigt hatten. Der Verlust des Vollknotens hat zur Folge, dass ein Bazenheider oder Bettwieser künftig in Wil eine Viertelstunde auf den Anschlusszug nach St. Gallen warten muss (siehe Ausgabe von gestern).

Dementsprechend fallen die Reaktionen aus. Bettina Anderau-Latzer, Projektleiterin Verkehr der Stadt Wil, sagt: «Die Situation ist unbefriedigend.» Stadtpräsidentin Susanne Hartmann ergänzt: «Wir haben gewusst, dass es mit unseren Forderungen schwierig wird. Aber natürlich hätten wir uns etwas mehr erhofft.»

Jetzt geht es um das Jahr 2035

Der Zeithorizont für die Forderungen, welche per Ende 2018 hätten umgesetzt werden sollen, war schlicht der falsche. Die Würfel für nächstes Jahr sind längst gefallen. Zumal berücksichtigt werden muss, dass kleine Änderungen im Fahrplan grosse Auswirkungen haben können. Urs K. Scheller, Präsident der Interessengemeinschaft öffentlicher Verkehr Region Wil, sagt: «Wenn in Chur ein Zug um eine Minute verschoben wird, hat das Auswirkungen bis nach Genf.» Das BAV und die SBB planen derzeit nicht den Fahrplanwechsel 2018, sondern kümmern sich um Massnahmen des Jahres 2035. Ein aus zwei Varianten bestehendes Gesamtkonzept ist in Arbeit. Entweder stehen schweizweit sieben Milliarden Franken mit einer Umsetzung per 2030 zur Verfügung, oder es sind zwölf Milliarden bis 2035. Ende 2018 übergibt der Bundesrat dem Parlament die Botschaft. Dieses entscheidet wohl 2019, welche Projekte enthalten sind und wie viel Geld zur Verfügung steht.

Für die Region Wil geht es trotz der Enttäuschung darum, den Kopf nicht in den Sand zu stecken. «Wir müssen und werden dranbleiben. Und wir wollen innerhalb des Kantons Verbündete suchen», sagt Stadtpräsidentin Hartmann. Das wird allerdings zu einer Knacknuss. Denn in den einzelnen Regionen haben alle eigene Bedürfnisse. Für die Rheintaler geht es um Themen wie den Ausbau zu einer Doppelspur oder den Erhalt des Eurocity-Stops in St. Margrethen. Für die Stadt St. Gallen ist die möglichst schnelle Verbindung nach Zürich wohl wichtiger als der Anschluss nach Wil. «Die Forderungen von Wil und St. Gallen sollen miteinander verschmolzen werden», sagt Anderau-Latzer. Denn eines ist klar: Nur mit einem starken gemeinsamen Auftritt verschafft man sich Gehör beim BAV und den SBB.

Doppelt so viele Fernverkehrszüge

Bei aller Enttäuschung ist aber auch festzuhalten, dass die Region Wil nicht per se Verliererin ist. So ist in den nächsten Jahren der kontinuierliche Ausbau des städtischen und regionalen Busnetzes geplant – angefangen schon beim nächsten Fahrplanwechsel Ende 2017. Per Ende 2018 soll es in der Stadt Wil einen durchgehenden Viertelstundentakt geben. Auch in Uzwil und Flawil darf man sich freuen: Diese beiden Orte haben ab 2019 stündlich zwei Direktverbindungen nach Zürich und darüber hinaus. Das sind doppelt so viele wie heute. Ab 2021 wird wohl auch Bern wieder ohne Umsteigen erreichbar sein – auch ab Wil.