Pausenbrötli statt Lottoscheine:
Flawiler Kultkiosk vom Strassenrand auf den Schulhausplatz gezügelt 

Aufladen, absetzen, abfahren: Innerhalb gut einer Stunde wurde gestern der Flawiler Kultkiosk von der Wilerstrasse weg vor das Oberstufenzentrum Feld verlegt.

Andrea Häusler
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Der Kiosk wird vom Tieflader auf die Fundamente vor dem Schulhaus gehievt.

Der Kiosk wird vom Tieflader auf die Fundamente vor dem Schulhaus gehievt. 

Bilder: Andrea Häusler

Am 31. Dezember 2016 drehte Elsy Bosshart letztmals den grauen Rollladen des Kiosks an der Wilerstrasse herunter und beschloss damit eine Ära, die rund 60 Jahre lang Bestand gehabt hatte. Die Parkierungssituation habe ihr wirtschaftlich das Genick gebrochen. Damit hatte sie damals das Aus nach dreijähriger Tätigkeit als Geschäftsführerin begründet. Seither stand das Gebäude leer, diente Vereinen noch als zentrale Plakataushangstelle. Schliesslich drohte dem Kult-Kiosk der Abbruch.

Doch es kam anders. 20000 Franken war dem Gemeinderat die Idee von Dani Müller wert, das Objekt mit Baujahr 1954 zu versetzen und als Pausenkiosk im Oberstufenzentrum Feld zu nutzen. Die Eigentümer Silvia und Roland Keller unterstützen den Vorschlag des Lehrers, indem sie das Gebäude kostenlos abgaben.

Nach rund 60 Jahren verlässt der Kiosk seinen Standort an der Wilerstrasse.
8 Bilder
Fundamentreste erinnern an den Ort, wo über Jahrzehnte  Lottoscheine entgegengenommen, Zigaretten und Zeitschriften verkauft worden waren,
Der Schlagbaum, der die Zufahrt zum Oberstufenzentrum verhindert, stellt Denkaufgaben.
Im Schritttempo nähert sich der Schwertransport und damit der Kiosk dem Bestimmungsort.
Das Fundament am neuen Standort ist vorbereitet.
Die Guten sind gelöst, der Kiosk für den Ablad bereit.
Der Kiosk schwebt am Kranarm über den Asphalt.
Mit Fäustel und Geissfuss gegen die alte Türschwelle.

Nach rund 60 Jahren verlässt der Kiosk seinen Standort an der Wilerstrasse.

Gestern fuhren nun die Last- und Kranwagen vor, um das Vorhaben umzusetzen: speditiv und einigermassen unspektakulär. Nach gut einer Stunde war alles vorbei.

Verlegung in einem Stück

Allerdings war in den Tagen zuvor einiges an Vorarbeit geleistet worden. Und der verkleidete Holzbau wurde nicht wie angekündigt zerlegt, sondern in einem Stück auf einen Tieflader gehievt und dem neuen Bestimmungsort zugeführt. Wobei die enge Zufahrt mit Schlagbaum sowie das Geäst der Pausenplatzbepflanzung letztlich doch noch einige Denkaufgaben stellten, vor allem aber fahrerisches Geschick verlangten.

Im Schritttempo rollte die traditionsbehaftete Fracht über die letzten Meter dem neuen Standort neben dem Schulhauseingang zu. Einige Schüler hatten sich unter den schützenden Vordächern des Schulhauses und der Turnhalle versammelt, um den Ablad live zu verfolgen.

Noch eine letzte Kontrolle der drei auf Punktfundamenten gelagerten Stahlträger, ein Überprüfen der Masse und dann spannten sich die Tragriemen und der 3,7 Tonnen schwere Kiosk schwebte am Kranarm über den Asphalt auf die Basiskonstruktion.

Mit Spitzeisen gegen die alte Türschwelle

Ein Stück vor, eines zurück, etwas nach links und rechts – dann passte alles. Fast alles. Die armierte Betonschwelle unter der Seitentür kollidierte mit dem Fundament: Fäustel, Spitzeisen und Muskelkraft waren gefragt. Immerhin stand die Tür noch im Lot, liess sich zumindest problemlos öffnen.

Der Blick ins Innere offenbarte, was die Zeit an Spuren hinterlassen hatte und was den Schülern an Arbeit bevorsteht. Sie sollen ihren neuen Pausenkiosk nämlich als Projekt ausgestalten und den neuen Bedürfnissen anpassen. Denn letztlich sollen hier weder Lottoscheine angenommen noch Zeitschriften oder Zigaretten verkauft werden. Die neue Ära bringt dem Kiosk ein neues Sortiment: Pausenbrötli zum Beispiel, Getränke vielleicht, Schokolade oder Früchte.

Doch auch das (finanzielle) Engagement der Gemeinde ist noch einmal gefragt: Podeste sollen die derzeit bestehende Höhendifferenz zwischen Pausenplatz und Kioskboden noch ausgleichen.