Paul Riniker und sein «Requiem»

Die Gemeinde Jonschwil und das Schweizer Wanderkino Roadmovie haben die Bevölkerung zu einem Kinoabend eingeladen. Gezeigt wurden ein Film über die Tour de Suisse, ein Kurzfilm und der Spielfilm «Usfahrt Oerlike».

Kathrin Meier-Gross
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Gemeindepräsident Stefan Frei bedankt sich bei Regisseur Paul Riniker und Roadmovie-Organisatorin Alva Hagner für den Filmabend. (Bild: Kathrin Meier-Gross)

Gemeindepräsident Stefan Frei bedankt sich bei Regisseur Paul Riniker und Roadmovie-Organisatorin Alva Hagner für den Filmabend. (Bild: Kathrin Meier-Gross)

SCHWARZENBACH. «Ist er das, der Riniker?» stupft ein Mann seine Sitznachbarin an und deutet auf den älteren Herrn in der hintersten Reihe. – «Ja, das ist er.» Tatsächlich ist der bekannte Schweizer Dokumentarfilmer und Regisseur an diesem Montagabend von Zürich her angereist um Red und Antwort zu seinem Kinofilm «Usfahrt Oerlike» zu stehen.

Das Besondere: Die Gemeinde Jonschwil hat überhaupt kein Kino. Und genau das war eine der Voraussetzungen des gemeinnützigen Vereins «Mobiles Kino Roadmovie» für diesen Event, beziehungsweise die Wahl des Durchführungsorts. Die weiteren Bedingungen lauten, die Gemeinde darf nicht grösser als 5000 Einwohner sein und muss eine Primarschule haben. Gemeinden, die diese drei Anforderungen erfüllen, können sich bei Roadmovie bewerben. Im Kanton St. Gallen hat dieses Jahr die Gemeinde Jonschwil das grosse Los gezogen.

Kino erlebbar machen

Als gegen zwanzig Uhr die Gäste ihre Apérogläser abstellen und im Cubo-Event-Lokal von Möbel Svoboda die Sitze aufsuchen, liegt kein einziges Popcörnchen mehr auf dem Boden. Dabei hatten hier am Nachmittag gegen zweihundert Primarschulkinder acht Kurzfilme geschaut; hatten gehört und gesehen, wie ein Filmprojektor rattert, und gestaunt, welche Technik das Wanderkino im Gepäck mitführt. Gezeigt wurde ihnen auch, wie viel Arbeit hinter einem Comicfilm steckt.

«Wir wollen das Kino erlebbar machen», sagt Alva Hagner, die als Moderatorin und Organisatorin mit Roadmovie unterwegs ist. Und: «Die Leidenschaft für Filme wecken und vor allem auf das Schweizer Filmemachen hinweisen.» Roadmovie ist von Mitte September bis Mitte November mit Schweizer Filmen im ganzen Land unterwegs. Wenn möglich, bringt das dreiköpfige Team einen Gast mit, der am Film mitgewirkt hat.

Dicke Freunde geworden

Dieser Gast nun erzählt in bewegten Worten, dass «Usfahrt Oerlike» zu einer Art Requiem für die Hauptdarsteller Jörg Schneider und Mathias Gnädinger geworden sei. Nach dem Film erwähnt Riniker, dass ihm aufgefallen sei, wie die Jonschwiler sehr aufmerksam auf die humorvollen Aussagen reagiert und öfters herzlich gelacht hätten. Zu den Dreharbeiten befragt, erzählt er, dass sich die Hauptdarsteller anfänglich kaum gekannt hätten. Nach zwei Tagen aber seien sie dicke Freunde gewesen, die sich mit ihren Rollen identifiziert hätten. Sie hätten sich kritisch mit dem Drehbuch auseinandergesetzt und ihre Ideen eingebracht.

1,9-Millionen-Dreh

Gedreht wurde während sechs Wochen. Mit Gesamtkosten von 1,9 Millionen Franken sei der Film relativ günstig geworden, fügt Riniker, der im nächsten Jahr seinen siebzigsten Geburtstag feiern kann, an.

Aktuelles Thema

Gemeindepräsident Stefan Frei spricht dem Publikum aus dem Herzen, als er sich für das einmalige Filmerlebnis bedankt. Er ist sich bewusst, dass das Thema des Films sehr aktuell ist und auch von den Behörden berücksichtigt werden muss.