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Patent Ochsners Idylle der weiten Welt

Am Ende steht Büne Huber auf dem Rand der Bühne, lässt seinen Blick über die jubelnde Audienz schweifen und bernert schliesslich leise in sein Mikrophon: «Das Land bin ig.» So geschieht es natürlich nicht.
Pablo Rohner
Büne Huber begeisterte als Hit-Sänger und Erzähler. (Bild: Pablo Rohner)

Büne Huber begeisterte als Hit-Sänger und Erzähler. (Bild: Pablo Rohner)

Am Ende steht Büne Huber auf dem Rand der Bühne, lässt seinen Blick über die jubelnde Audienz schweifen und bernert schliesslich leise in sein Mikrophon: «Das Land bin ig.» So geschieht es natürlich nicht. Aber die Szene lässt sich gut einbilden, unter dem frischen Eindruck von zweieinhalb Stunden Patent Ochsner stehend, soeben mit den letzten Tönen von «W. Nuss vom Bümpliz» in die garstige Pflotsch-Nacht entlassen.

Patent Ochsner vereint

Patent Ochsner sind ein Phänomen. Wie keine andere Schweizer Band schafft es das 1990 gegründete Ensemble um Frontmann und Texter Büne Huber generationen- und geschmacksübergreifend die Leute in die Säle des Landes zu locken. Eine Viertelstunde vor Beginn ist das Foyer am Freitagabend im Wiler Stadtsaal pumpenvoll, um den Merchandise-Stand drängt sich eine Traube Fans. Von der T-Shirt-Wand prangt die ikonische Vogelperspektive auf den Metallkübel, von dem Patent Ochsner ihren Namen herhaben. Die Produktepalette geht über herkömmliche Band-Devotionalien wie Kleidungsstücke und Tonträger weit hinaus. Patent Ochsner sind eine Band mit Sendungsbewusstsein, davon zeugen auch die Fanartikel. So liegt neben einem Liederbuch mit den Noten zu 31 Songs auch ein Kochbuch mit Gerichten, welche die Band auf ihrem Blog veräussert hat.

Poesie des Alltags

Im Saal drängen sich die Leute in den ersten Reihen, der Neo-Hippie stellt sich neben die gemechte Kurzhaarfrisur und Anzugträger. Es wird um Plätze gefeilscht, schliesslich will man nicht wie beim letztenmal «einen Turm» vor sich stehen haben. Als dann Patent Ochsner im Dunkel auf die Bühne kommen, schnellen Bierbecher und Rivellafläschen einträchtig in die Höhe. Nach einem grollend verschrobenen Intro holen Patent Ochsner mit «Fischer» das Publikum gleich mit einem euphorisch mitgesungenen Klassiker ins Boot. Das achtköpfige Miniorchester nimmt den Besucher mit auf einen Trip vom Wohnzimmer an den Strand, vom Heckengärtchen in den Dschungel. Patent Ochsner entfalten die weite Welt aus der heimischen Idylle, das ganz Grosse aus dem ganz Kleinen. Aus Büne Hubers Texten spricht eine überbordende Poesie des Alltags, des nachbarlichen, gänzlich schweizerischen Alltags mit seinen universalen Gefühlen und Sehnsüchten.

Der grosse Erzähler

Seinen Höhepunkt erreicht das Konzert im letzten Drittel, in dem die Band das balkanpoppige «Schmierfett» und die alten Hits «Scharlachrot» und «Belpmoos» spielt, erweitert und veredelt durch diverse Soli auf Gitarre, Saxophon, Trompete und Violine, was besonders der Hymne «W. Nuss vo Bümpliz», tausendfach gehört, einige zusätzliche Substanz verleiht. Zwischen den Liedern wird Büne Huber seinem Ruf als grosser Erzähler gerecht, was das Publikum in zwei Lager teilt. Die einen hängen lächelnd an seinen Lippen, anderen geraten seine Monologe etwas gar lang. Als er den ehemaligen Top-Manager Daniel Vasella aufgrund eines eingespielten Zitats als «zynisches Arschloch» betitelt, brandet in weiten Teilen des Stadtsaals Jubel auf. Doch von irgendwo schreit auch einer: «Hör uf liire, du Hippie.»

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