Parallelen zwischen Schule und OL

Der in Balterswil wohnhafte Primarlehrer und Sportförderer Kilian Imhof tritt am 1. August in Mosnang seine Stelle als Schulleiter an. Daneben gehört sein Herz dem Orientierungslauf. Er sieht den OL als attraktiven, vielfältigen und kostengünstigen Sport in der Natur.

Urs Huwyler
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«Mister OL» Kilian Imhof wird ab dem 1. August als Schulleiter auch die Richtung für die Primarschule Mosnang vorgeben. (Bilder: Urs Huwyler)

«Mister OL» Kilian Imhof wird ab dem 1. August als Schulleiter auch die Richtung für die Primarschule Mosnang vorgeben. (Bilder: Urs Huwyler)

MOSNANG. Normalerweise gelte, sagt OL-Team-Weltmeister Martin Hubmann, für Sportler das «Hol-Prinzip». Wer etwas vom Trainer wolle, müsse selbst aktiv werden. Primarlehrer Kilian Imhof sei anders. Der künftige neue Mosliger Schulleiter gehe als Coach offen auf die Athleten zu, interessiere sich für sie, stehe ihnen beratend bei, sorge für ein optimales Umfeld. «Er achtet auf das Gesamtpaket. Kilian hat mich dorthin gebracht, wo ich jetzt bin», fügt der Bruder des weltbesten OL-Läufers, Daniel Hubmann, an. Der vierfache Weltmeister und fünffache Gesamtweltcupsieger arbeitet seit 13 Jahren mit Kilian Imhof (Balterswil) zusammen.

Zuletzt weilten die Hubmänner mit ihrem persönlichen Trainer fünf Tage in Schottland. Nahe des Loch Ness findet dieses Jahr während der Sommerferien die Weltmeisterschaft statt. Die beiden Eschliker rannten, der Chef legte die OL-Bahnen, kochte, übernahm den Taxidienst, arbeitete als Hausmann, überwachte die Trainings.

An der WM wird Imhof als Mitglied der «IOF Foot Orienteering Commission» nicht der Schweizer Delegation angehören, aber bei Bedarf seinen Athleten als Berater zur Verfügung stehen. Die Rolle im Hintergrund behagt ihm. Er sieht sich als Mosaikstein und nicht Zampano.

Frauen-Nationaltrainer

Während der letzten 35 Jahre kam in der Szene niemand an Kilian Imhof vorbei. 1980 wurde er Schweizer Einzelmeister, über 15 weitere Titel kamen dazu. Ab 1985 folgte die Aufnahme ins Junioren- und Elite-Kader. 1991 beendete der J+S-Experte sowie Fachleiter OL seine Leistungssport-Karriere. 1996 übernahm er als Nationaltrainer das Juniorinnen-Team. Dem Kader gehörte auch Simone Niggli an, die 2003 an der OL-WM in Rapperswil schweizweit einen OL-Boom auslöste. Kilian Imhof war damals Chef der Bahnlegung. Bis 2008 übernahm er den Chefposten bei den Frauen. Er ist Götti von Simone Niggli-Luders Tochter Malin.

Sportförderer des Jahres

2012 wurde der OL-Regio-Wil-Trainer im Kanton Thurgau als «Sportförderer des Jahres» ausgezeichnet. Die Laudatio für den vierfachen Familienvater, dessen Frau Regine und die Kinder ebenfalls vom OL-Virus befallen sind, hielt damals Daniel Hubmann. «Mein sportliches Herz gehört dem OL», betont der auf einem Bauernhof aufgewachsene Nachwuchsförderer und fügt an, die Kollegialität werde in diesem Sport über die Landesgrenzen hinaus grossgeschrieben. Wieder eine Stelle im OL-Bereich zu finden wäre für den Experten kein Problem. «Mir liegt auch die Schule am Herzen. Ich bin weiterhin gerne Lehrer und erhalte nun die Möglichkeit, bei der Entwicklung der Schule in Mosnang mitzuarbeiten. Und es gibt Parallelen zwischen der Schule und dem OL,» sagt Kilian Imhof und fügt an, der Weg sei mit normalerweise unter 20 Minuten Fahrzeit kein Problem. Das Pensum betrage 80 Prozent und er werde die Schulleiter-Ausbildung absolvieren.

1989 begann er seine Lehrertätigkeit an der Primarschule Oberhofen-Lengwil und wechselte 1994 an die Gesamtschule in Schmidshof, am 1. August 2008 übernahm Imhof nach den OL-Engagements eine 100-Prozent-Stelle an der Primarschule Tuttwil. Mit der Anstellung in Mosnang betritt der kommunikative Kilian Imhof Neuland. Wobei er als Lehrer an einer Gesamtschule sein eigener Schulleiter und Interessenvertreter war. «Was genau auf mich zukommt, weiss ich nicht. Ich bin bereit, neue Erfahrungen zu sammeln. Aber ich werde nicht alles ändern.» In seiner Lehrertätigkeit wurde er bisher von drei Schulleitern begleitet, die ihre Rolle unterschiedlich interpretierten.

Leitplanken setzen

Die ersten Gespräche mit den Lehrern, Schulratspräsident Max Gmür und Behördenvertretern stimmen Kilian Imhof zuversichtlich. Er sieht Parallelen mit dem Sport. Auch in der Schule sei der direkte Weg von A nach B nicht immer der schnellste und sinnvollste. Ein Cheftrainer habe den Athleten ein optimales Umfeld zu schaffen und die Individualität müsse Platz haben. «Der Schulleiter sollte Leitplanken setzen. Manchmal müssen sie themenbedingt enger, manchmal können sie weiter gesetzt werden.» Wobei Mosnang mit den Schulen im Dorf, Mühlrüti, Libingen und Dreien nicht der Standard-Schulgemeinde entspricht. «Eine gewisse Eigenständigkeit in den einzelnen Schulen soll erhalten bleiben. Wo etwas im Sinne der Gesamtausrichtung funktioniert, muss dies möglich sein», betont Kilian Imhof, der momentan Urlaub geniesst und die Zeit auch dafür nützt, um sich in die neue Aufgabe einzuarbeiten und schon mal in Mosnang anzutreffen sein wird. Ob das Sport-Dorf zur OL-Hochburg wird? Zumal Oberstufen-Schulleiter Ernst Rüegg ebenfalls der OL Regio Wil angehört. «Wenn jemand den Plausch hat, unterstütze ich ihn. OL ist ein attraktiver, vielfältiger und kostengünstiger Sport in der Natur. Aber ich werde die Mosliger nicht zu missionieren versuchen.» Daniel und Martin Hubmann dürften bestimmt irgendwann zu Besuch kommen.

Kilian Imhof mit Daniel (links) und Martin Hubmann an der WM 2014.

Kilian Imhof mit Daniel (links) und Martin Hubmann an der WM 2014.