Osten lässt sich das nicht gefallen

Der Fluglärm im Osten hat stark zugenommen, vor allem in den sensiblen Nachtstunden nach 22 Uhr. Am Podium «Fluglärm im Osten» wurde am Dienstagabend erneut die Forderung laut, den Fluglärm fair zu verteilen und auch den Süden statt einseitig den Osten zu belasten.

Hans Suter
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Die Podiumsdiskussion «Fluglärm im Osten» zog viele interessierte und besorgte Bürgerinnen und Bürger an. Beim Apéro wurden die Diskussionen intensiv weitergeführt. (Bilder: Hans Suter)

Die Podiumsdiskussion «Fluglärm im Osten» zog viele interessierte und besorgte Bürgerinnen und Bürger an. Beim Apéro wurden die Diskussionen intensiv weitergeführt. (Bilder: Hans Suter)

WIL. Rund 200 Personen strömten in den Wiler Stadtsaal. Neugierig, interessiert, zum Teil ernsthaft besorgt. Das Thema Fluglärm bewegt die Gemüter, wie die Diskussion zeigte. Dank der humoresken Moderation des Frauenfelder Publizisten Armin Menzi blieb der Abend trotz aufgeladener Emotionen weitgehend ohne Gehässigkeiten.

Osten als Lärmabfallkübel

Max Schulthess vom Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) hatte einen schweren Stand, weil der Flughafen Zürich «aus Kapazitätsgründen» keinen Vertreter an die Podiumsdiskussion senden konnte. Sachlich versuchte er darzulegen, dass das Ostkonzept neben dem Nordkonzept und dem Südkonzept (über den Zürichsee) sehr wichtig für die Gewährleistung der Sicherheit seien. «Es braucht drei funktionierende Konzepte», unterstrich Schulthess. Hansjörg Bürgi, Chefredaktor des Aviatikmediums SkyNews.ch, stellte in Abrede, dass dieses Konzept genügend Sicherheit biete, weil es nach wie vor zu Kreuzungen komme. «Nur in der Schweiz wird nach politischer Richtung geflogen, auf allen anderen Flughäfen der Welt bestimmt die Windrichtung den Flugverkehr», zitierte Moderator Armin Menzi einen Piloten. In den Augen von Grüne-Nationalrätin Yvonne Gilli macht dies deutlich, dass der Osten zusammenhalten müsse, um etwas gegen den zunehmenden Fluglärm in der Region zu erreichen. «Lärm macht krank», betonte die Wiler Ärztin. «Der Körper des Menschen gewöhnt sich nicht an den Lärm.»

St. Gallen kritisiert

Aus dem Publikum wurde der Vorwurf laut, der Kanton St. Gallen engagiere sich nicht genügend im Fluglärmstreit. Es kümmere die Regierung wenig, dass die Region Wil in zunehmendem Mass belastet werde, solange die Region Rapperswil-Jona davon verschont bleibe. Fände in fairer Weise auch das Südkonzept Anwendung, gäbe es eine Entlastung im Osten. Die Thurgauer Regierungsrätin Carmen Haag kritisierte die massive Zunahme an Fluglärm insbesondere in den sensiblen Nachtstunden zwischen 22 und 24 Uhr. «Den Süden fasst man fast nicht an, während das Ostkonzept weiter ausgebaut werden soll», sagte sie und erntete Beifall aus dem Publikum. «Der Schwarze Peter geht auch an den Kanton Zürich», sagte Ralph Weidenmann vom Bürgerprotest Fluglärm Ost. Laut einer Lärmanalyse der Empa gebe es in der Stadt so gut wie keinen Fluglärm. «Fluglärm gibt es in Wallisellen, Opfikon, Glattbrugg, nicht aber in der Stadt Zürich.» Der Aviatikjournalist Hansjörg Bürgi propagierte ein Betriebskonzept mit Starts auf der Piste 16 nach Süden geradeaus und erhielt ebenfalls grossen Beifall.

Wirtschaftliche Bedeutung

Regio-Wil-Präsident Christoph Häne unterstrich, der Osten sei nicht generell gegen den Flughafen und das Fliegen, wolle aber eine gerechte Verteilung des Fluglärms. Diese Meinung vertritt auch die Präsidentin von Region Ost, Barbara Günthard-Maier. «Wir sind eigentlich für den Flughafen und wollen auch die Akzeptanz der Bevölkerung», sagte die Winterthurer Stadträtin. «Das ist aber nur möglich, wenn Fairness herrscht.» Laut Aviatikjournalist Hansjörg Bürgi gibt es über allem einen technischen Hoffnungsschimmer: «Die Flugzeuge werden immer leiser.»

Kantonsrat Bruno Lüscher (Aadorf) im Gespräch mit der Thurgauer Regierungsrätin Carmen Haag. Im Hintergrund Moderator Armin Menzi.

Kantonsrat Bruno Lüscher (Aadorf) im Gespräch mit der Thurgauer Regierungsrätin Carmen Haag. Im Hintergrund Moderator Armin Menzi.

Samuel Mäder (links), Bürgerprotest Fluglärm Hinterthurgau, im Gespräch mit dem Wiler Parlamentspräsidenten Adrian Bachmann (Mitte) und dem Wiler Stadtparlamentarier Erwin Schweizer.

Samuel Mäder (links), Bürgerprotest Fluglärm Hinterthurgau, im Gespräch mit dem Wiler Parlamentspräsidenten Adrian Bachmann (Mitte) und dem Wiler Stadtparlamentarier Erwin Schweizer.