Kommentar

Oliver Baumgartners Rückzug aus dem Rennen ums Wiler Stadtpräsidium zugunsten von CVP-Kandidat Hans Mäder zeigt, wie nervös die CVP ist

Es hört sich an wie ein schlechter Witz. Noch-Fastnachtspräsident Oliver Baumgartner steigt aus dem Rennen ums Stadtpräsidium aus, bevor dieses richtig begonnen hat.

Gianni Amstutz
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Mit seiner Pseudokandidatur hat der parteilose Baumgartner in Wil viel Spott geerntet – und drohte ein Stück weit auch, die Wahlen um das wichtigste Amt in der drittgrössten Stadt des Kantons ins Lächerliche zu ziehen.

Bereits die Ankündigung seiner Kandidatur war zweifelhaft. Baumgartner gab an, ein Komitee aus Kultur, Wirtschaft und Sport stehe hinter seiner Kandidatur. Auf Nachfrage verwies er darauf, dass man in zwei Wochen an die Öffentlichkeit treten werde. Passiert ist nichts.

Baumgartners Kampagne ist – von der Ankündigung bis zum überraschenden Rückzug – ein Debakel. Besonders erstaunlich ist das, weil Baumgartner eine Kommunikationsfirma leitet.

Er verzichtet «zu Gunsten von CVP-Kandidat Hans Mäder». Auch damit hinterlässt er Fragezeichen. Als Baumgartner seine Kandidatur öffentlich machte, war bereits bekannt, dass Mäder ebenfalls antreten würde.

Was hat sich also geändert? Gemäss Baumgartner habe ihn Hans Mäder in einem Gespräch von seinen Qualitäten überzeugt. Er ziehe sich deshalb zurück, um Mäders Chancen zu erhöhen – zum Wohle Wils, wie er betont.

Wäre seine Kandidatur jemals ernst gemeint gewesen, wären inhaltliche Überschneidungen mit anderen Kandidaten kein Grund für einen Rückzug. Es scheint, als fehlte es Baumgartner von Beginn weg an Überzeugung.

Angesichts dessen ist ein Rückzug vielleicht nicht die schlechteste Idee. Wil braucht eine starke Führungspersönlichkeit.

Baumgartners Kandidatur weckt Zweifel, ob er diese Fähigkeit mitgebracht hätte.

Nun versucht sich Baumgartner als Wahlhelfer und empfiehlt Hans Mäder zur Wahl. Was diese Wahlempfehlung wert ist, werden die Wählerinnen und Wähler entscheiden.

Die Episode zeigt auch, wie nervös man bei der CVP ist. Hans Mäder hat als Gemeindepräsident von Eschlikon die schwierigste Ausgangslage. Dem Vernehmen nach möchte er sich kaum mit einem Amt als Stadtrat zufriedengeben. Mäder pokert also. Er weiss, dass er die Wahl zum Stadtpräsidenten im ersten Wahlgang schaffen müsste.

Sonst bringt er die Entscheidungsträger bei der CVP in die Bredouille. Würden sie mit Mäder in den zweiten Wahlgang gehen, müssten sie dafür wohl ihren Stadtratskandidaten Beat Gisler zurückziehen, um Mäders Chancen zu erhöhen.

Mit einem solchen Schritt riskierten sie aber für den Fall von Mäders erneutem Scheitern, am Ende ganz ohne Stadtrat dazustehen. Keine Vertretung in der CVP-Hochburg? Das wäre für die Partei eine historische Niederlage.

So abstrus Baumgartners Rückzug anmutet, ein Ziel erreichen er und die CVP damit: Die Chancen für Hans Mäder, im Herbst als Stadtpräsident gewählt zu werden, steigen.

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