Ohne Unterschriftsberechtigung

Im Jahr 2001 wurde der Unihockeyclub Jonschwil-Vipers ins Leben gerufen. Die drei Gründungsmitglieder waren noch zu jung, um Dokumente zu unterzeichnen oder Geld vom Konto abzuheben. Dafür mussten die Väter geradestehen.

Urs Nobel
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Die Unihockey-Familie der Jonschwil Vipers auf einen Blick. Mit diesem Outfit dürfen sich die Mitglieder überall sehen lassen. (Bild: pd)

Die Unihockey-Familie der Jonschwil Vipers auf einen Blick. Mit diesem Outfit dürfen sich die Mitglieder überall sehen lassen. (Bild: pd)

UNIHOCKEY. Sie spielten in der Schule leidenschaftlich gerne Unihockey. Und sie wollten auch weiter zusammen spielen, als sie mit der Berufslehre starteten. Robert Gämperli, Daniel Stäubli und Simon Huser fanden die nötige Unterstützung ihrer Eltern und gründeten vor 14 Jahren den UHC Jonschwil-Vipers. Die Väter übernahmen die Verantwortung für das Tun der damals noch minderjährigen Sportbegeisterten, indem sie die Unterschriftsberechtigung und somit anfänglich die Verantwortung für das Tun ihrer Söhne übernahmen.

Jeden Abend in der Halle

Simon Huser, der Vereinspräsident, schmunzelt, wenn er an diese Zeit zurückdenkt. «Wir standen trotz der Ausbildung jeden Abend in der Halle. Wir waren Vorstand, Trainer, Spieler und Schiedsrichter.» Der UHC Jonschwil-Vipers wuchs relativ schnell und kontinuierlich. Anfänglich waren es die Geschwister, die sich vom Elan ihrer Brüder begeistern liessen. Unterdessen verfügt der Verein über rund 120 Mitglieder. Zwei Aktivteams, die seit 2007 in der 4. Liga Kleinfeld spielen, ein Senioren- (Legendenteam), das sich einmal in der Woche zum gemeinsamen Spielen trifft, und sieben Nachwuchsmannschaften.

Ein klassischer Dorfverein

Simon Huser kann sich erklären, warum die Jonschwil-Vipers stetig gewachsen sind. «Wir sind ein klassischer Dorfverein und engagieren uns innerhalb des Dorflebens. So zum Beispiel an der Jonschwiler Chilbi oder als Helfer an Veranstaltungen wie beispielsweise bei der Etappenankunft der Tour de Suisse im Frühjahr. Und wir bieten den Jungen aus dem Dorf eine sinnvolle und günstige Gelegenheit, Sport unter kundiger Führung auszuüben.» Letzteres ist auch der Grund, warum die Herren Aktive erst 2007 in den Meisterschaftsbetrieb eingestiegen sind. Ihnen war – und ist es heute noch – das Wohl des Nachwuchses stets wichtiger als die eigenen Interessen.

Den Weg an die Spitze gemacht

Trotzdem, oder wohl gerade deswegen, dürfen die Jonschwil-Vipers stolz darauf sein, Marianne Gämperli, Andrea und Ursina Hollenstein die Grundlagen mit auf den Weg gegeben zu haben, der die drei Spielerinnen unterdessen bis in die Nationalliga A führte. «Mit Michel Wöcke und Thomas Haag verfügen wir unterdessen auch über zwei junge Nachwuchsspieler, die sich ebenfalls schon auf dem Weg an die nationale Spitze befinden», sagt Simon Huser nicht ohne Stolz.

Die obere Grenze ist erreicht

Stolz ist der Vereinspräsident auch darüber, dass der UHC Jonschwil-Vipers ein gutes Einvernehmen mit den Behörden pflegt. «Nicht zuletzt deshalb haben wir auch keine Hallenprobleme.» Doch diese dürften noch kommen, wenn der Verein weiter so wächst. «Die obere Grenze an Mitgliedern ist unterdessen erreicht. Die Hallenkapazität gibt dies vor. Wir wollen nicht partout weiterwachsen, um auswärts eine Halle fürs Training suchen zu müssen.»

Respektvoll

Die Jonschwil-Vipers konkurrenzieren niemanden, auch nicht die Jugendriege. Der Turnverein wollte zwar einmal mit den Unihockeyanern über einen Zusammenschluss diskutieren. Doch das sei nicht in ihrem Sinn gewesen, sagt Huser. Man nehme die Jonschwil-Vipers wahr und respektiere sie. Wie sich auch die Mitglieder untereinander respektieren. «Dass wir nur Kleinfeld spielen, hat nichts damit zu tun, dass wir Talente daran hindern wollen, ihren Weg zu machen, im Gegenteil. Wir würden sie unterstützen und beraten und hätten Freude, wenn etwas aus ihnen wird.»

Um die Finanzen jeweils etwas aufzubessern, veranstalten die Senioren jedes Jahr ein Turnier. Im 2016 findet mit der 15. Auflage ein Jubiläum statt. Am noch nicht feststehenden Datum soll der Rahmen dieser Traditionsveranstaltung einmalig etwas grosszügiger ausgelegt werden.

Konstanz im Vorstand

Die drei Gründungsmitglieder sind heute noch aktiv dabei. Im Vorstand wurde bisher einzig eine Person ersetzt. Doch Simon Huser macht sich nichts vor. Irgendwann wird sich ein Wandel in der Führung vollziehen müssen. Er sieht deswegen aber keineswegs schwarz. «Unsere Junioren lassen sich heute schon für Helferdienste begeistern und ich bin deshalb sicher, dass sich aus ihren Reihen engagierte junge Leute finden, die dann in die Bresche springen, wenn der Zeitpunkt gekommen ist.»

Simon Huser ist überzeugt, dass ihm die Vorstandstätigkeit viel gebracht hat. «Ich habe gelernt, vor Leute zu stehen.» Aber das Dreigestirn musste vor 14 Jahren auch lernen, Briefe zu schreiben und sich mit Finanzen auseinanderzusetzen.