Ohne Raum mehr Platz für Kultur

Der Kulturpunkt feiert sein zehnjähriges Bestehen. Vom einst kleinen Kinoabendveranstalter hat er sich inzwischen zum etablierten Verein entwickelt.

Julia Mikeladze
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Barbara Scherrer und Judith Schuler mit dem «Tatort Dinner»-Plakat. Bild: Julia Mikeladze

Barbara Scherrer und Judith Schuler mit dem «Tatort Dinner»-Plakat. Bild: Julia Mikeladze

Das Open Air auf dem Fuchsacker, der Kinoabend im Brockigässli – beides Veranstaltungen, die man als Degersheimer kennt. Der Kulturpunkt Degersheim versucht mit kulturellen Anlässen mit und für Degersheim, Raum für Begegnung und Kommunikation zu schaffen. «Das Projekt Kulturpunkt ist wie ein Kind», sagt Judith Schuler, Gründungsmitglied des Kulturpunkts. «Es wurde geboren, war erst ungezügelt und wurde dann in Bahnen gelenkt. Jetzt kann es gehen.»

Gegründet wurde der Kulturpunkt von Judith Schuler, Katharina Weber und Monika Germann, als ihnen ein Raum zur Verfügung gestellt wurde. Diesen nutzten sie für kleine kulturelle Anlässe, wie zum Beispiel Kinoabende, die sie zu dritt organisierten. Bald merkten sie, dass mehr Geld vonnöten war, um grössere Anlässe planen zu können. Deshalb gründeten sie im März 2006 einen Verein, und der Vorstand wurde auf sieben Personen erweitert. Nach einem Jahr wurde ihnen der Raum gekündigt.

Seither arbeitet der Kulturpunkt mit dem «Konzept Raumlos». Jede Veranstaltung fand nun an einem anderen Ort statt. So kam auch die Zusammenarbeit mit dem Brockenhaus und dem Restaurant Fuchsacker zustande. Damals veranstaltete der Kulturpunkt fast jeden Monat etwas, was mit dem «Konzept Raumlos» anspruchsvoll und sehr aufwendig war. Bei jedem Anlass musste alles wieder neu aufgebaut werden. Entsprechend wurde die Zahl der Veranstaltungen auf vier bis fünf grössere pro Jahr reduziert. Auch der Vorstand musste strukturiert werden. So entstanden die verschiedenen Ressorts, wie die Kasse, das Programm, die Bar, das Präsidium, Öffentlichkeitsarbeit und Sponsorenbeschaffung. «Glück hatten wir mit Rico Maag, der viel von Technik versteht, die immer komplizierter wurde, je grösser der Anlass war», sagt Judith Schuler.

Etablierte Künstler dinieren am Tatort

Der Verein gewann mit der Zeit ein stabiles Stammpublikum und auch Geldgeber. Finanziell wird der Kulturpunkt vom Migros- Kulturprozenten, von der Gemeinde, dem Kanton und von verschiedenen Sponsoren aus dem Dorf unterstützt.

Nun, nach zehn Jahren, verlässt Judith Schuler den Kulturpunkt, blickt aber voller Freude zurück auf unvergessliche Veranstaltungen mit etablierten Künstlerinnen und Künstlern wie Lara Stoll, Benz Friedli, Manuel Stahlberger oder dem Duo Lunatic.

Das Präsidium hat Schuler zwar bereits letztes Jahr im März an Barbara Scherrer und Rico Maag abgegeben, ist aber froh, dass es auch ohne sie so gut weitergehen kann. Es sei nicht selbstverständlich, sofort Leute für den Vorstand von Kulturvereinen zu finden. Nun nimmt Judith Schuler noch ein letztes Mal, voller Elan und Freude, teil am Organisieren eines Events.

Zum Jubiläum wollte man etwas Besonderes und Festliches organisieren. So fiel der Entscheid zur Durchführung eines «Tatort-Dinners». Dieses verbindet Genuss und Spannung, Essen und Show, gemütliches Zusammensein und gemeinsames Mitfiebern beim Krimi. Mitmachen beim Lösen des Falles ist erwünscht, aber keine Pflicht. Für gutes Essen ist mit Koch Jürg Lorenzi gesorgt, während Florian Rexer und sein Theaterteam die Gesellschaft unterhalten.

Der Anlass findet am 24. September ab 18.30 Uhr im evangelischen Kirchgemeindehaus statt. Anmeldeschluss ist morgen Freitag, 16. September. Anmeldung unter www.kulturpunkt-degersheim.ch oder unter Telefon 071 280 32 03.